Berchtesgaden: (25. November 2005) Deutlich vor dem 5./6. Dezember ziehen heuer Nikolaus, Kramperl und Buttnmanndl die Aufmerksamkeit auf sich. Gefahr geht von den wilden Gesellen, die bis zum 6. Januar im Heimatmuseum zu sehen sind, zwar nicht aus. Doch die Exponate in der Ausstellung »Krampei und Buttnmanndl« machen Geschmack auf die Tage, an denen es im gesamten Berchtesgadener Land wieder hoch hergeht. Die über acht Schauräume ausgedehnte Präsentation von Figuren, Larven, Fellen, Kostümen, Glocken und Stroh ist eine Bestandsaufnahme des Nikolaus-Brauchtums zwischen Marktschellenberg und Hallthurm und beleuchtet auch die in den verschiedenen Gnotschaften oft festzustellenden Unterschiede. |
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Von der Puppe zum Kramperl im Mini-Format: Gymnasiasten vom Grundkurs Kunst bewiesen Kreativität und Brauchtums-Kenntnis. | |
Kramperl, Buttnmanndl, Ganggerl, Knecht Ruprecht, Nikolausweibi und Engerl - der Nikolausbrauch im Berchtesgadener Land ist durchaus facettenreich und nicht immer leicht zu verstehen. Da gibt es Unterschiede bei den Terminen und bei der Kleidung, bei den Bezeichnungen und beim Verhalten. Schließlich sind in der Vorweihnachtszeit zwischen Hallthurm und Hangendenstein über 40 Fell- und Strohpassen unterwegs. Den Anfang machen die Loipeier, die bereits am kommenden 1. Adventssonntag wieder losziehen werden. Mit dabei traditionell das Nikolausweibei, ein in Berchtesgadener Mädchentracht gekleideter Bub. Mittlerweile haben viele andere Passen im Berchtesgadener Land die Besonderheit des Nikolausweibi übernommen. In Winkl scheppern die Glocken dann am 2. Adventssonntag.
Nicht überall sehen die Buttnmanndl zudem gleich aus. In Schellenberg beispielsweise sind bei den Strohbuttnmanndln teilweise nur die Füße und Arme mit Stroh umhüllt, während die anderen Körperteile mit Tierfellen bedeckt sind. Der »Kloiberer« Sepp Stangassinger berichtete bei der Ausstellungseröffnung am Montag von all diesen Besonderheiten und Unterschieden im Nikolaus-Brauchtum. Natürlich weiß er auch, dass die Kramperl in Maria Gern am Heiligen Abend unterwegs sind. Genauso wie in der Marktschellenberger Gnotschaft Oberstein, wo am Heiligen Abend Nikolaus, Kramperl und das Christkindl als Gabenbringer auftreten. »Vielleicht kann gerade diese Ausstellung dazu beitragen, das Brauchtum und die Tradition in unseren vorweihnachtlichen Tagen richtig zu verstehen und weiterzutragen«, wünschte sich Brauchtums-Experte Stangassinger.
Zahlreiche aktive und ehemalige Kramperl, Buttnmanndl und Nikoläuse haben ihren Teil zur Ausstellung beigetragen. Hauptinitiator Martin Hallinger hat als aktiver Nikolaus seine zahlreichen Kontakte in der Szene genutzt und allerhand Material zusammengetragen. Da sieht man lebensgroße Fellkramperl und Strohbuttnmanndl, Glocken in allen Varianten, in Tracht gekleidete Nikolausweibi, aufwändig geschnitzte Holzmasken und Fell-Larven. Der Grundkurs Kunst des Gymnasiums Berchtesgaden hat sich mit seiner Lehrerin Bettina Dolansky mit kunstvollen Kramperl-Figuren im Kleinformat an der Ausstellung beteiligt. Dazu gibt es als museumspädagogischen Ansatz Arbeitsmaterialen vor allem für Schülergruppen und Familien, mit denen sich das Nikolaus-Brauchtum im Berchtesgadener Land noch näher erörtern lässt. So kann man sich eingehend mit dem teils christlichen, teils heidnischen Ursprung dieses Brauchs befassen oder sich mit kritischen Aspekten auseinander setzen. Denn Kommerzialisierung und Auswüchse sind auch beim Kramperllaufen zu beobachten.
Museumsleiterin Bärbel Sigl konnte bei der Ausstellung »Krampei und Buttnmanndl« wieder auf die Unterstützung des Vereins »Freunde und Förderer des Heimatmuseums« setzen. Dessen Mitglieder hatten bereits am Sonntag die Möglichkeit einer Vorbesichtigung erhalten. Vorsitzender Dr. Josef Maidl blickte dabei in einer kurzen Ansprache bereits auf die Entstehung des »Laufens« und des Einkehrbrauchs zurück. Am Montag konnte Museumsleiterin Bärbel Sigl dann zahlreiche Ehrengäste zur Ausstellungseröffnung begrüßen. Gekommen war auch Landrat Georg Grabner, der dem Heimatmuseum auch weiterhin die Unterstützung des Landkreises zusicherte. Grabner lobte die ehrenamtliche Arbeit, die in dieser Ausstellung stecke. Die Räume im Heimatmuseum sollen mit einem Rahmenprogramm bis zum 6. Januar zusätzlich mit Leben erfüllt werden. An jedem Sonntag, außerdem am 2. Weihnachtsfeiertag, am Neujahrstag und am Heilig-Drei-Königstag kann man jeweils bis 16 Uhr für einige Stunden einheimischen Larvenschnitzern und Schachtelmachern bei der Arbeit über die Schulter schauen. Dazu spielen einheimische Musikanten auf und verschiedene Passen aus dem Berchtesgadener Land versorgen die Gäste mit Glühwein. Beginn am kommenden Sonntag ist um 14 Uhr. Ulli Kastner
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