Keine Spur von Ernst Zauner

Skardu/Berchtesgaden: (21. Juli 2007) Die Suche nach dem am Gasherbrum II (8 035 Meter) vermissten Ernst Zauner blieb bis Redaktionsschluss gestern Nachmittag erfolglos. Der 51-jährige Berchtesgadener war am Mittwoch zusammen mit drei weiteren Bergsteigern an dem im pakistanischen Karakorum-Gebirge gelegenen Achttausender oberhalb von Lager II auf 6 700 Metern von einer Lawine mitgerissen und verschüttet worden. Dabei kam ein 46-jähriger Stuttgarter ums Leben, ein Japaner erlitt schwere Verletzungen, während der Münchner Expeditionsleiter Dirk Groeger von Amical alpin nur leicht verletzt ist.

 

Der Reiseveranstalter Amical alpin teilte am Donnerstag auf seiner Homepage (www.amical.de) weitere Einzelheiten zu dem Unglück mit. Demnach war der vorausspurende japanische Teilnehmer als Erster von der Lawine erfasst worden. Expeditionsleiter Dirk Groeger und der Stuttgarter, die gerade Fixseile anbrachten, wurden in direkter Folge mitgerissen, als Letzter der seitlich nachkommende Ernst Zauner. Die Lawine spülte den Berchtesgadener über einen Höhenunterschied von fast 1000 Metern, dazwischen ein 200 Meter hoher Felsabbruch, in die Tiefe. Ein amerikanischer Bergführer und andere Bergsteiger inspizierten am Donnerstag den rund 200 Meter breiten und 400 Meter langen Lawinenkegel am Ende der Lawinenbahn. Die Suche blieb bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe erfolglos.
Der Stuttgarter wurde nur leicht verschüttet, er verstarb aber kurz nach der Bergung an den Folgen schwerer innerer Verletzungen. Seine Familie befürwortete am Donnerstag eine Bestattung vor Ort. Der japanische Bergsteiger war von der Lawine rund 300 Meter mitgerissen worden und blieb, ebenfalls nur gering verschüttet, auf Höhe von Lager II auf einer Verflachung liegen. Ein Bergeversuch durch einen Helikopter der pakistanischen Armee von Lager II aus war am Mittwoch erfolglos geblieben. Am Donnerstag transportierte man den Schwerverletzten mithilfe einer vom Helikopter abgeworfenen Trage in Lager I (5 900 Meter). Für einen weiteren Abtransport waren die Schmerzen des Verletzten mit zahlreichen Rippenbrüchen und unbekannten inneren Verletzungen zu groß. So schickte das Militär am Freitagvormittag nach längeren Verhandlungen doch noch zwei Helikopter, die sowohl den Japaner als auch Expeditionsleiter Dirk Groeger ausflogen. Beide Bergsteiger wurden zur Weiterbehandlung in das Militärkrankenhaus von Skardu eingeliefert.
Bereits in der Akklimatisationsphase hatte es einen tödlichen Zwischenfall gegeben: Eine 42-jährige Österreicherin war noch zum Lager I aufgestiegen und ins Basislager zurückgekehrt. Dort wurde sie am Abend tot in ihrem Zelt aufgefunden, Rettungsmaßnahmen blieben erfolglos. Im Karakorum halten sich derzeit auch Amical-Leiter Ralf Dujmovits und seine Ehefrau Gerlinde Kaltenbrunner auf. Ihr Ziel: Der zweithöchste Berg der Erde, der K2, mit dem sie dann ihren 11. Achttausender bestiegen hätte. Erst im Mai war die Österreicherin in Nepal am Dhaulagiri I (8167 m) knapp dem Lawinentod entronnen. Im Nachbarzelt im Lager II starben damals zwei verschüttete Spanier. Ulli Kastner