»Sterntaler« und »Chiemgauer« vernetzen sich

Berchtesgadener Land: (14. Dezember 2007) Die beiden benachbarten Regionalwährungen »Sterntaler« und »Chiemgauer« fusionieren verwaltungstechnisch, bleiben aber eigenständige Währungen. Franz Galler, Vorsitzender des »Star-Vereins für organisierte Nachbarschaftshilfe«, erwartet sich durch die stärkere Kooperation mit dem sensationell erfolgreichen »Chiemgauer« auch einen neuen Schub für die »Sterntaler-Region« Berchtesgadener Land. Mit Christian Gelleri, Leiter des Fördervereins »Chiemgauer e.V.«, informierte er am Montagabend beim Unternehmer-Stammtisch im neu eröffneten Berghof »Schroffen« in Bad Reichenhall über Neuerungen. Die größte Veränderung: Ab Januar 2008 kann man mit dem »Sterntaler« wie mit einer EC-Karte bargeldlos zahlen und auch bargeldlos Sterntaler »abheben«.

 

eichenhaller Unternehmer, aber auch mehrere Pidinger und ein Freilassinger Bäcker. Sehr aufgeschlossen für das Thema zeigte sich auch der neue Schroffenwirt Bernhard Schmidt, der kurz sein Konzept vorstellte. Als Gegenbewegung zum verbreiteten Wirtshaussterben will er im Berchtesgadener Land den Begriff Wirtschaft neu definieren. Statt Currywurst und Cola bekommen seine Gäste Säfte von einer Pidinger Kelterei, bayerische Brotzeiten und geräucherten Fisch von anderen heimischen Erzeugern, Bauernhof-Eis sowie Bier aus Bad Reichenhall. Auf seiner Speisekarte stehen die Erzeuger im Mittelpunkt. »Die Leute entdecken eine ganz neue Welt. Beim Apfel-Kirsch-Saft leuchten plötzlich Kinderaugen. Es macht einen Heiden-Spaß, diese Produkte zu verkaufen«, schwärmt der nebenberufliche Wirt, der den Gewerbetreibenden ein Probier-Menü auftischte.
Der vor gut fünf Jahren gegründete »Star e.V.« hat derzeit etwa 800 Mitglieder, darunter etwa 200 Unternehmer und 14 Vereine, die bei jedem Tausch von Euro in »Sterntaler« drei Prozent Förderung erhalten. Neue Mitglieder sind laut Galler unter anderem der Alpenverein, der Tierschutzverein, die Montessorischule und Haus Hohenfried. Zum Vergleich: Der vor vier Jahren vom Lehrer Christian Gelleri als Schülerexperiment an der Waldorfschule Prien gestartete »Chiemgauer« hat inzwischen unter den 2?500 Mitgliedern 630 Unternehmer und 160 Vereine. Erfreut zeigte sich Gelleri, dass mittlerweile fast alle Banken in den Kreisen Rosenheim und Traunstein eingebunden sind. Gut 60?000 »Chiemgauer« werden pro Monat ausgegeben. Beim Sternstaler sind es erst ein Zehntel davon, 6?000 bis 7?000 Euro.
Galler berichtete über die Pläne der von »Star« neu gegründeten Genossenschaft Regio Star eG, die bereits 66 Mitglieder und über 35000 Euro Kapital hat. Geplant seien Energieprojekte, etwa mit Photovoltaik, Dorfläden sowie ein Tauschring, der »weltweit erstmals« gewerbliche und private Leistungen verknüpft. Auch die Traunsteiner haben eine Genossenschaft gegründet, die »Regios eG« als Rechenzentrale für Regionalgeldinitiativen in Deutschland - davon gibt es gut 25 zurzeit. Der »Sterntaler« sei außer dem »Chiemgauer« die erste Währung, die diese Rechenzentrale nutzt, sagte Galler. Mit dieser Vernetzung der Regionalgeldvereine könne sehr viel erreicht werden.
Anschließend erläuterte der Star-Vorsitzende, was sich durch diese Verwaltungs-Vereinheitlichung verändert. Wie es in den Landkreisen Traunstein und Rosenheim bereits gängige Praxis ist, kann künftig das Regionalgeld »Sterntaler« an allen Ausgabestellen im Landkreis mit der »Regiocard« bezogen werden: Auch Überweisungen von »Sterntaler«-Konto zu »Sterntaler«-Konto sowie bargeldlose Bezahlung per Regiocard ist möglich. Die Buchungen selbst übernimmt die Hausbank. Die Regios-Rechenzentrale in Rosenheim verrechnet bei den Mitgliedern die Gebühren, den Regionalbeitrag und die Umlaufsicherung. Christophe Levannier, der das Chiemgauer-Regionalbüro leitet, bezeichnete das Regionalgeld-Konto als »Riesen-Erleichterung« für seine Geschäfte als Trostberger Unternehmer. Galler hofft, durch die Konto-Option gerade größere Firmen zu gewinnen. vm