Berchtesgaden: (14. Januar 2010) - Normalerweise startet die Skeleton-Weltmeisterin von 2008, Anja Huber, im Weltcup. Dass die Schönauerin nun am vergangenen Sonntag kurzfristig nach Kanada geflogen ist, um am Donnerstag und Freitag an zwei Skeleton-Interkontinentalcups - eigentlich eine Liga unter dem Weltcup - teilzunehmen, das kann man getrost unter dem Punkt »taktische Spielchen« verbuchen. Doch wenn es um die ganz großen Spiele, die Olympischen Winterspiele in knapp einem Monat geht, dann muss man viele Opfer bringen und darf nichts dem Zufall überlassen. |
|
Anja Huber kämpft noch um ein drittes Olympiaticket für die deutschen Skeleton-Damen. Nur die zwei international besten Nationen erhalten dieses Privileg für die am 12. Februar im kanadischen Vancouver beginnenden Olympischen Winterspiele. Dafür lässt die 26-Jährige vom Rodelclub Berchtesgaden den gleichzeitig im Schweizer Nobel-Wintersportort St. Moritz stattfindenden Weltcup sausen. Er würde bei einem Sieg maximal 225 Punkte für die FIBT-Rangliste bringen. Bei den Interkontinentalcups in Kanada kann Huber mit zwei Siegen bis zu 300 Punkte holen. Die Skeleton-Damen aus Kanada, England, Deutschland und Australien kämpfen noch um den dritten Olympia-Startplatz.
Am 18. Januar gibt der Internationale Bob- und Skeletonverband (FIBT) die Nationenquoten für die Olympischen Spiele bekannt. Und dann möchte Deutschland im Skeleton der Männer und Frauen mit jeweils drei Schlitten an den Start gehen. Bei den Männern ist der dritte Startplatz so gut wie sicher. Hier führt der dritte deutsche Starter, Michi Halilovic vom WSV Königssee, die Nationenwertung der Dritten an. Denn laut Reglement geht es eben um diese Dritten jeder Nation. Sie treten direkt gegeneinander an im Kampf um die Punke für die Olympia-Qualifikation. Halilovic liegt auf Rang vier der Weltrangliste. Seine beiden Teamkollegen, der Thüringer Frank Rommel und der Sauerländer Sandro Stielicke, rangieren auf den Plätzen zwei und drei. Nur der Lette Martins Dukurs, der zuletzt beim Weltcup am Königssee siegte, hat mehr Punkte und führt die Rangliste an. Bei den Damen dagegen ist Kanada mit Michelle Kelly (Weltrangliste Platz 12) bereits 81 Punkte vor Donna Creighton (14.) aus Großbritannien, die wiederum 14 Punkte vor Anja Huber (15.) liegt. Gejagt wird Huber von der dritten Australierin Michelle Steele (16.).
Eigentlich sah es nach dem Auftaktsieg beim ersten Saisonweltcup am 12. November 2009 im amerikanischen Park City für Anja Huber nach einem fantastischen Olympia-Winter aus. Doch ein paar Tage später, bei der Bahnbesichtigung im amerikanischen Lake Pla-cid, knickte die sechsfache Weltcupsiegerin um und riss sich zwei Außenbänder im linken Sprunggelenk. »Die tollpatschigste Sportlerin aller Zeiten«, wie sich Huber scherzhaft danach selbst nannte, fiel für zwei Weltcuprennen aus und verlor dadurch wertvolle Punkte im Kampf um die Olympiaqualifikation.
Beim Comeback am 11. Dezember im sauerländischen Winterberg wurde die am Start noch stark gehandicapte Sportlerin nur 16. Hubers Teamkolleginnen, die WM-Dritte Kerstin Szymkowiak (RSG Hochsauerland) und Weltmeisterin Marion Trott (BSR Oberhof) punkteten bei allen Weltcups. In sechs Rennen standen die beiden schnellen Skeleton-Damen sechs Mal auf dem Podium. Davon zweimal auf dem ersten, dreimal auf dem zweiten und einmal auf dem dritten Platz. Mit einem Dreifacherfolg beim Weltcup im sächsischen Altenberg untermauerten Szymkowiak, Trott und Huber ihre Medaillenambitionen für Vancouver. Nun fehlt nur noch der dritte Startplatz. Wenn Deutschland das dritte Olympia-Ticket nicht bekommt, dann muss Bundestrainer Jens Müller eine Medaillenkandidatin zu Hause lassen. Anja Huber gibt sich kämpferisch. Sie will in Calgary punkten und dann mit ihren beiden Kolleginnen zu den Olympischen Winterspielen. »Wir haben es alle drei verdient und wollen gemeinsam am 12. Februar in den Flieger steigen. Dafür werde ich kämpfen.« Selbstbewusst ergänzt sie: »Zufrieden bin ich erst, wenn ich wieder ganz oben stehe«. MDP
|