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Das Berchtesgadener Prinzenpaar: Ihre Lieblichkeit Gabriele II. von der Heißen Locke und Seine Tollität Prinz Christian II. von der Kessen Sohle. | |
Bereits am Vorabend ist der Große Saal des Kur- und Kongresshauses festlich geschmückt, unterhalb der Decke hängen bunte Dekorationen, die den Raum niedriger erscheinen lassen. Dies mag auch deshalb von Vorteil sein, weil der Hofball zwar gut besucht ist, einige Tische aber dennoch frei bleiben. Berchtesgaden ist Faschingsmuffel-Hochburg, zumindest bei den Erwachsenen, auf die man beim Hofball setzt. Immerhin sind auch einige jugendliche Tanzpaare gekommen - neben den zahlreichen, jungen Mitgliedern befreundeter Gilden, die für die vielen Programmhöhepunkte verantwortlich zeichnen. Der Abend sollte lang
werden.
Karin Schröer, Präsidentin der Berchtesgadener Faschingsgilde, eröffnet das bunte Spektakel. Die Antrittsrede des Prinzenpaares bleibt kurz und knapp, immerhin ist der Abend bis zuletzt durchstrukturiert, der Zeitplan muss eingehalten werden. Die in Berchtesgaden gas-tierenden Abordnungen aus der Steiermark, aus Salzburg, Kuchl, Kammer, Waging und Chieming haben professionelle Showeinlagen vorbereitet. Für den musikalischen Rahmen hat man die Band »Voyage«, das Groove Quartett, engagiert, drei Männer, eine Frau, die im gefühlten 20-Minuten-Takt zum Einsatz kommen und den Publikumstanz begleiten. Und in der Tat scheint es so, als ob die Gäste des Hofballes nur auf die Tanz-Aufforderung gewartet hätten. Wenn Hofmarschall Christian wieder einmal zum kollektiven Tanzbein-Schwingen aufruft, strömt die Masse auf das Parkett. »Wo kann man denn schon noch tanzen?«, fragt ein älterer Herr - auch wenn die zahlreichen Auftritte der einzelnen Garden mit teils eindrucksvollen Choreographien aufwarten können und sicherlich den abendlichen Höhepunkt bilden.
Mowgli und Balu
Unterhaltungen an den Tischen sind wegen der Akustik nur eingeschränkt möglich. Weil die Konzentration aber sowieso anderweitig gefordert wird, fällt der Verzicht auf den Dialog eher leicht. In formellem Einmarsch werden die gastierenden Abordnungen der verschiedenen Faschingsgilden begrüßt. In aufwendiger Kostümierung betreten sie den Saal, Höhepunkt dürfte die moderne Darstellung des »Dschungelbuches« sein, die von großem Applaus begleitet wird. Da wäre nicht nur die Elefantentruppe der Faschingsfreunde Blau-Weiss-Kammer, allesamt in grauem Rüssel-Outfit, die im Gleichschritt einmarschiert, sondern auch Mowgli höchst selbst, eine zierliche Dame im schwarz-grünen Kostüm, die sich in akrobatischer Weise den physikalischen Naturgesetzen widersetzt. Ohne Müh' und Not lässt sie sich durch die Luft katapultieren, landet in den Armen des in neon-orange gewandeten Affentrupps, führt mit dem Bären Balu einen Freundschaftstanz auf, ehe Mowgli sich von dem gutmütigen Waldbewohner in professioneller Manier um den voluminösen Körper schwingen lässt. Clou bei der Sache: Die Aufführung ist in Schwarzlicht getaucht, alle Kostüme »erstrahlen« auf ihre eigene, ganz besondere Weise, die einlädt zum kurzfristigen Abtauchen in eine andere Welt.
Die »Chippendales« aus Kuchl
Beschwingte Choreographien zeigt die Abordnung aus Kammer, aber auch der Showtanz des Männerballetts »Chippendales« der Faschingsgilde Naracucula zu Kuchl ist ein Hingucker, wenngleich sich ein Lächeln nicht verkneifen lässt. Die aufwändigen Formationen und die mühevoll choreographierten Aufführungen sind ein Beleg dafür, dass der Fasching in vielen Regionen mit besonderem Herzblut betrieben wird. Ihre Lieblichkeit Gabriele II. von der Heißen Locke und Seine Tollität Prinz Christian II. von der Kessen Sohle, das Berchtesgadener Prinzenpaar für das Jahr 2010, sollte auch zum Zuge kommen und - ganz dem Motto »Alles Salsa, oder was« entsprechend - den Prinzenpaartanz eröffnen. Für das Publikum selbst bleibt natürlich auch noch genügend Zeit, sich selbst zu betätigen. Offiziell soll das Treffen der Närrinnen und Narren erst um 2 Uhr sein Ende finden. kp
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