Mit dem Oldtimer auf die Piste

Berchtesgaden: (23./24. Januar 2010) - Sepp Lochner vom Seidenbichl-Lehen pflegt zu Hause ein altes Wiesel. Hart arbeiten muss es trotzdem. 41 Jahre hat Lochners Pistenraupe auf dem Buckel. Und schaut aus wie neu. Eine Salzburger Rarität, die in dieser Variante nur viermal gebaut worden ist.

 
  

Sepp Lochner vom Seidenbichl-Lehen arbeitet mit einem 41 Jahre alten Pistengerät des Salzburger Herstellers Schmid.

Sepp Lochner hat lange als Fahrlehrer und Instandsetzungschef bei der Bundeswehr gearbeitet. Deshalb hat er ein Faible für Technik. Und für Fahrzeuge. Zudem unterhält der ehemalige alpine Klasserennläufer bei seinem Anwesen in der oberen Metzenleiten einen eigenen Skilift und eine Langlaufloipe. Da dürfen ein Wiesel zur Pistenpräparierung und ein Skidoo nicht fehlen. Wie jedoch Sepp Lochner an sein jetzt 41-jähriges Pistengerät gekommen ist, war reiner Zufall.
Ursprünglich kommt das Pistengerät aus Salzburg. Der Kraftfahrzeug- und Schlossermeister Albert Schmid aus Salzburg arbeitete in den 60er Jahren in der Schweiz als Flugmotorenmechaniker. Später gründete der Techniker eine eigene Firma in Salzburg und baute hydraulische Grubenwagenheber, Press- und Abkantmaschinen, ehe er sich Gedanken darüber machte, wie man Skipisten ohne körperlichen Aufwand mit Maschinenkraft präparieren und pflegen könnte. Er wurde zum Pistenraupen-Pionier. 1965 baute Schmid sein erstes Pistenfahrzeug, das noch heute in Tschechien seinen Dienst leistet. Insgesamt rollten aus der Werkstatt von Albert Schmid 22 Wiesel, von denen vier, darunter Sepp Lochners Wiesel, zwei Motoren hatten. Alle anderen wurden von einem VW-Vergaserflachmotor mit 45 PS Leis-tung angetrieben. Bekannt wurden die Geräte unter dem Markennamen Pisten-Ass, was für Albert Schmid Salzburg steht.
Bei Lochners Modell steht für jede Antriebskette ein Motor zur Verfügung. Im Jahr 1969 baute Schmid mit Unterstützung von Franz Garstenauer eine Pistenraupe mit zwei 60 PS starken Motoren und einer elektronischen Benzineinspritzung. Durch mehr oder weniger Gas an den jeweiligen Motor wird die Pistenraupe gelenkt. Eine Fliehkraftkupplung zum Anfahren und Anhalten, eine zusätzliche von der Seite unabhängige Abbremsmöglichkeit und eine Feststellbremse tragen zur optimalen Lenkbarkeit und Funktionalität bei. Lochners Pistengerät fand seine erste Arbeitsstätte beim Klaushoflift der Familie Fuschlberger in der Faistenau. Danach leistete das unverwüstliche Pistengerät viele Jahre lang wertvolle Dienste an der Liftanlage Buchenhöhe bei Sport M+R Brandner in Berchtesgaden, ehe sich Otmar Lenz vom Wildmooslift der Dienste des Wiesels bediente. Als Lenz das in die Jahre gekommene Pistengerät entsorgen wollte, wechselte es noch einmal seinen Besitzer und pflegt nun die Skipiste und Langlaufloipe um das Seidenbichl-Lehen in der Metzenleiten bei der Familie Sepp Lochner.
Erst im letzten Jahr setzte sich Sepp Lochner mit den Konstrukteuren und Erbauern des Wiesels Albert Schmid und Franz Garstenauer aus Salzburg in Verbindung. Die beiden kamen sofort zum Lokaltermin nach Berchtesgaden, um ihr vor gut 40 Jahren gefertigtes Fahrzeug wiederzusehen. Dabei konnten sich die Salzburger vom hervorragenden und technisch einwandfreien Zustand des Pistengeräts überzeugen und hatten daran ihre helle Freude. cw