Marktschellenberg: (23. Januar 2010) - Die Parteien und politischen Gruppierungen des Marktschellenberger Marktgemeinderates hatten wieder zum Neujahrsempfang ins Feuerwehrhaus eingeladen. Und viele kamen. Der Rücktritt von Bürgermeister Stefan Sunkler versprach immerhin schon im Vorfeld eine gewisse Brisanz. Und wer auf Spektakuläres gehofft hatte, wurde letztlich belohnt. Sunkler, dem auf eigenen Wunsch Redezeit eingeräumt wurde, nutzte die Bühne, um einen Rundumschlag gegen die, die ihm, seiner Ansicht nach, Erfolge nicht gönnten oder gar an seinem Scheitern interessiert waren, zu landen. So begann, das war der Eindruck, obwohl der 1. Bürgermeister noch bis Monatsende im Amt ist und noch nicht offiziell verabschiedet wurde, bereits der Wahlkampf, das Gerangel um die Nachfolge. |
|
Gut gewählt habe man den Tag des Empfangs, betonte ein gut aufgelegter Peter Hüttinger in seiner Begrüßungsansprache. Der 21. Januar sei der Knuddeltag. Und er wünsche dazu Erfolg, wenn auch Vorsicht geboten sei und erst nach dem Standort des Partners Ausschau gehalten werden sollte. Hüttinger hieß im Namen aller im Marktgemeinderat vertretenen Parteien und Gruppierungen willkommen. Das sei nicht gerade üblich, aber in Marktschellenberg doch möglich. Und so mancher Gemeinderat, fügte er launig an, habe vor diesem Tag gehungert, weil er etwas mitbringen musste, etwas beisteuern zum Wohl der Gäste.
Den Begrüßungsreigen hielt Hüttinger kurz, erwähnte als Beispiel nur den Verein für Höhlenkunde, der wichtig für den Ort sei, aber in der Öffentlichkeit nicht genügend wahrgenommen werde. Insgesamt waren Vertreter von rund 30 örtlichen Vereinen und Organisationen der Einladung gefolgt. Hüttinger erinnerte auch an den kürzlich verstorbenen, langjährigen Kommandanten der örtlichen Feuerwehr. Johann Sulzauer habe in vielen Jahren die Marktschellenberger Feuerwehr entscheidend mitgeprägt.
Es werde Gesprächsbedarf geben nach dem Rücktritt von Bürgermeister Stefan Sunkler, dazu sei man bereit und habe auch die Zeit dazu. Hüttinger berichtete von Anfragen an ihn, die sich auf die gemeindliche Zukunft bezogen. Es werde und müsse weitergehen, sagte er. »Wir werden für Schellenberg alles tun, dass es wieder auf einen guten Weg kommt.«
Zweiter Bürgermeister Clemens Wagner, der derzeit die Amtsgeschäfte führt, hoffte, dass dieser Abend in Zeiten, die viele Fragen aufwürfen, auch zur Versachlichung der Diskussion führe und Vermutungen, Fragen und abwegige Behauptungen verstummten. Wagner warb um Verständnis für notwendige Gebührenerhöhungen und beklagte Dinge, die Marktschellenberg ein wenig ärmer machten wie die Schließung des einzigen Lebensmittelmarktes im Ort oder der laufende Rückzug des Gasthauses »Forelle«. Aber der 2. Bürgermeister konnte auch Positives auflisten, das er teilweise anerkennend mit dem Wirken von Bürgermeister Stefan Sunkler in Verbindung brachte. Die Arbeiten am Ortskanal Vorderettenberg wurden abgeschlossen, ebenso die Baumaßnahmen Ettenberger Straße und Barmsteinweg sowie die Maßnahme Marktplatz Ost.
Clemens Wagner lobte Stefan Sunkler als Ortsoberhaupt mit offenem Ohr und verständnisvollem Herzen. Er sei ein jederzeit besorgter und menschlicher Gemeindechef gewesen, dem nie ein böses oder missgünstiges Wort entschlüpfte. »Meinen Respekt möchte ich dir zollen für diese sicher schwere Entscheidung.«
Der Neujahrsempfang hätte eine gute Plattform für Stefan Sunkler vor seinem Abgang von der kommunalpolitischen Bühne werden können, die ohnehin hohen Sympathiewerte weiter zu steigern. Dass dies nicht klappte, lag daran, dass in der Bilanz des noch amtierenden Bürgermeisters auch nicht die kleinste Spur von Selbstkritik enthalten war. Bei vielen kam dies alles denn auch als selbstmitleidige Abrechnung mit dem »Bösen« an. Nach dem von Peter Hüttinger empfohlenen Knuddeln war ihm offensichtlich gar nicht zumute. Und schon gar nicht heimlich. Tag der Umarmungen nennt man den Knuddeltag ebenfalls, doch Sunkler suchte nicht so sehr körperliche Nähe zu den Mitmenschen, sondern wohl eher die unverteidigten Flächen, auf denen seine verbalen Schläge landen sollten.
»Worte sind das stärkste Rauschgift, das die Menschheit kennt.« Mit dieser Feststellung begann Stefan Sunkler seine Ansprache. Und zunächst widmete er vielfachen Dank an viele, die der Gemeinde und ihm Rat und Tat und auch tatkräftige Hilfe hatten zukommen lassen. Er habe vorgehabt, mehr zurückzugeben, als es letztlich möglich war. »Machtgeil« sei er nie gewesen, sagte Sunkler. Man danke ihm für seine Leistungen, doch er frage sich, was dies wert sei. Man habe ihn von Beginn seiner Amtszeit an kritisiert, sein allzu vorsichtiges Verhalten beklagt. Doch es hätte immer Bestrebungen gegeben, ihm nicht zu viel Erfolg zu gönnen. Besonders die Aussagen der CSU, die man ihm am Vortag ausgehändigt habe, auf deren Internetseite schmerze. (Der mit »Nix passiert« überschriebene Kommentar steht übrigens seit sechs Monaten im Netz und ist, man mag dies bedauern oder nicht, eine längst üblich gewordene Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner. - Anm. des Autors)
Den Wert eines Menschen erkenne man, wenn er nicht mehr da sei, sagte Sunkler. Man habe ihm vorgeworfen, keine Ziele zu haben. Er habe aber sehr wohl ein Ziel gehabt: Ehrlich zu sein und zu bleiben und dieses Ziel auch erreicht. Mit dieser Aussage trat Sunkler wieder in die Reihen der Gäste des Neujahrsempfangs ein. In die anschließenden Diskussionen in kleineren Kreisen mischten sich gerade deshalb viele Zweifel. Kann man ehrlich sein und gleichzeitig diffamieren? So oder ähnlich jedenfalls wurde diese Frage mehrfach gestellt. DM
|