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An manchen Tagen sind am Jenner mehr Tourengeher als Alpinskifahrer unterwegs. Weil sich viele nicht an die DAV-Regeln halten, prüft die Gemeinde zurzeit die Möglichkeiten einer Sperrung für Aufsteiger ab dem Hohlweg. | |
Der Jenner ist mit dieser Problematik nicht alleine. In vielen Bereichen des deutschen und österreichischen Alpenraums ist das Tourengehen auf der Skipiste mittlerweile zum Volkssport geworden. Gerade im diesjährigen schneearmen Winter, in dem andere Skitouren kaum möglich sind, weichen die Aufstiegssportler auf die Pisten aus. So mancher Liftbetreiber zog seine Konsequenzen. Nachdem am Tegelberg bei Schwangau bereits Teile der Piste gesperrt wurden, überlegt man bei der Nesselwanger Alpspitzbahn nun sogar, das komplette Gebiet aus Sicherheitsgründen für Skitourengeher zu schließen.
Missachtung der DAV-Regeln
Soweit will die Gemeinde Schönau am Königssee, die am Jenner für die Skiabfahrten zuständig ist, nicht gehen. Hier prüft man gerade, ob eine Sperrung rechtlich überhaupt möglich ist. Vor allem denkt man dabei an die Abschnitte, in denen die Sicherheit der Alpinfahrer durch die aufsteigenden Tourengeher gefährdet ist. Das ist vor allem im sogenannten Hohlweg der Fall. Gerade hier kommt es wegen undisziplinierter Tourengeher immer wieder zu gefährlichen Situationen. So sind regelmäßig Aufsteiger zu beobachten, die sich nicht an die vom Deutschen Alpenverein entwickelten Regeln für Skitourengeher auf Skipisten halten. Die Wintersportler gehen nicht selten nebeneinander, nicht am äußersten Pistenrand oder sie lassen den Hund an der langen Leine laufen. »Diese Leute stören massiv den Ski- und Skischulbetrieb«, teilte Jennerbahn-Betriebsleiter Wilfried Däuber kürzlich einem österreichischen Tourengeher mit, der sich über die rüde Zurechtweisung durch einen Jennerbahn-Mitarbeiter beschwert hatte. Der Salzburger erfuhr von Däuber auch, dass die Kontrollpersonen, die die Skitourengeher auf ihr Fehlverhalten ansprechen, in den meisten Fällen wüst beschimpft werden.
Das bringt auch Manfred Scheuermann, der vor einigen Jahren die Regeln für den Deutschen Alpenverein erarbeitet hat, auf die Palme: »Es ist sehr ärgerlich, wenn sich die Leute nicht an die Regeln halten.« Dennoch spricht sich Scheuermann gegen ein völliges Verbot von Touren auf Pisten aus.
Unklare Rechtslage
Ohnehin ist die Rechtsprechung in derartigen Fällen nicht eindeutig. Zumindest der Skirechtsexperte des Deutschen Skiverbands, Gerhard Dambeck, hält die Sperrung einer Piste für Tourengeher aus Sicherheitsgründen für gerechtfertigt. Wird das Verbot nicht respektiert, kann eine Geldbuße verhängt werden. Zwar gilt in Bayern das Recht auf uneingeschränkten Naturgenuss, doch Dambeck stellt sich bei diesem Nutzungskonflikt klar auf eine Seite: »Meiner Ansicht nach hat der zahlende Skifahrer auf der Piste Vorrang.«
Ob das wirklich so ist, weiß derzeit niemand sicher. Bevor die Rechtslage nicht eindeutig ist, will man in der Gemeindeverwaltung Schönau am Königssee nicht tätig werden. »Es ist noch völlig offen, ob die Sperrung ab dem Hohlweg kommt oder nicht. Bevor wir etwas unternehmen, wollen wir uns rechtlich absichern, damit wir nicht gleich auf die Nase fallen«, sagt Geschäftsleiter Hannes Rasp. Der ist mit der ganzen Situation nicht glücklich, denn die Einleitung von Bußgeldverfahren gegen uneinsichtige Tourengeher macht dem Beamten, der selbst leidenschaftlicher Tourengeher ist, selbst keinen Spaß. »Mir wäre es lieber, wenn sich die Leute an die DAV-Regeln halten würden und eine Sperrung gar nicht notwendig wäre«, sagt Hannes Rasp, gibt aber auch zu bedenken: »So wie derzeit funktioniert es halt auch nicht.«
Alpenverein in Unkenntnis
Sollte die Sperrung tatsächlich kommen, dann wäre für einen Großteil der Pisten-Tourengeher nach 800 Höhenmetern oberhalb der Jennerfelder Schluss. Wer es sich zutraut, könnte - allerdings nur bei lawinensicheren Verhältnissen - über den Spinnergraben aufsteigen. Oder er wählt gleich unten den Weg über die Hochbahn und das Königstal in Richtung Schneibsteinhaus. Auch diese - landschaftlich schönste - Variante erfordert sichere Verhältnisse.
Mit einer Sperrung will sich Beppo Maltan, Vorsitzender der Alpenvereinssektion Berchtesgaden, nicht abfinden. Dabei kann er die Sorgen bei der Jennerbahn durchaus nachvollziehen. »Es ist völlig unverständlich, warum sich die Leute nicht an die Regeln halten«, sagt der Schönauer, der gelegentlich selbst die »schwarzen Schafe« zur Rede stellt. Dass man aber vonseiten der Jennerbahn beziehungsweise der Gemeinde nicht auf den Alpenverein zukomme, bevor man eine Sperrung in Betracht zieht, ärgert den DAV-Funktionär: »Bei uns weiß von dieser Problematik offiziell keiner was.« Schließlich habe der Alpenverein, das betont Maltan, viel Mühe und Geld in das Projekt »Skibergsteigen auf der Piste« gesteckt. Lösungsmöglichkeiten sieht Beppo Maltan durchaus, nur müsse man darüber reden. »Wenn die Leute wüssten, dass die Gemeinde die Straße vom Hammerstiel zum Schapbach super präpariert hat und dass es auf der Falzalm sehr gut geht, dann würden weniger auf den Jenner laufen«, sagt der Alpenvereinler und fordert damit eine bessere Informationspolitik. Auch die Hochbahn sei in den vergangenen Tagen für den Aufsteiger gut begehbar gewesen, nur wisse das keiner.
Anfreunden könnte sich Beppo Maltan auch mit einer Pistenbenutzungsgebühr für Skibergsteiger. Eine solche gibt es seit 23. Dezember auf der Kärntner Gerlitzen. Im Rahmen einer österreichweit einzigartigen Regelung verlangt man von den Tourengehern für die Benutzung der Piste 5 Euro. Dafür erhalten die Aufsteiger vollen Versicherungsschutz. Fünf Sicherheitsleute stehen alleine bei der Talstation und fordern die Tourengeher auf, zu zahlen.
Eine Möglichkeit, die man beim Deutschen Alpenverein ins Auge fasst, ist die Anlegung einer separaten Aufstiegsspur neben den Pisten. Für die Benutzung könnte dann eine Gebühr verlangt werden. Das allerdings ist am Jenner kaum durchführbar, weil im Bereich des Hohlwegs die Anlegung einer sicheren Aufstiegsspur nicht realisierbar erscheint. »Abfahrer und Aufsteiger müssten so geleitet werden, dass keine Kollisionsgefahr besteht. Außerdem läge die Verkehrssicherungspflicht in unseren Händen und dies ist aufgrund der Engstellen nicht möglich«, so Betriebsleiter Wilfried Däuber.
Trotz aller Probleme warnt Beppo Maltan vor einer Sperrung: »Wenn man die Leute aussperrt, dann geht's erst richtig rund. Dann gibt es einige Prozesse, das garantiere ich.«Ulli Kastner
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