Nachschub für den versalzenen Winter

Berchtesgadener Land: (30./31. Januar 2010) - In der Ramsau ist das Streusalz bereits knapp (wir berichteten). In den anderen Talkesselgemeinden schaut die Lage besser aus. Die Silos und Lagerhallen sind noch gut gefüllt. Sollte der Winter jedoch so schneereich weitergehen, könnte es bald eng werden. Die Nachfrage in ganz Europa ist riesig, die Vorräte der Lieferanten sind aufgebraucht.

 
  

Viel Salz in der Hütte: Günther Manger vom Berchtesgadener Bauhof hat derzeit viel zu tun.

»Da haben wir kein Problem«, sagt der Chef des Berchtesgadener Bauhofs, Klaus Rosenberger. Noch sind 200 Tonnen Streusalz vorhanden. Dank eines neuen Lagersystems passen jetzt bis zu 400 Tonnen Salz in die 40 Jahre alte Halle. »Bei einem strengen Winter reicht das den dreiviertelten Winter«, weiß Rosenberger. Die Marktgemeinde verwendet hochwertiges Siedesalz für den Winterdienst. »Das ist sauberer, weil es schon mal verdampft wurde. Deshalb verkleben die Maschinen nicht so stark«, erklärt der Bauhofchef. Ein paar Reinigungsschritte mehr und man könne es als Speisesalz verwenden. Genau dieses Salz sei auch in Frankreich und Italien sehr beliebt. Weil sich die Lieferanten vertraglich an hohe vereinbarte Mengen halten müssten, gebe es derzeit Nachschubprobleme. Die Rosenberger allerdings kalt lassen. Er erwartet noch eine Lieferung Steinsalz. Und wenn gar nichts mehr gehen würde, könnte man immer noch auf Splitt zurückgreifen. »Für den Straßenverkehr ist Splitt wirklich nur im Notfall geeignet«, so Rosenberger. Der Grund: Er verursacht Lackschäden bei den Fahrzeugen, verstopft Kanäle und muss im Frühjahr beseitigt werden. Aus Sicht des Streudienstes sei der Winter bisher nicht so schlimm gewesen wie man vermuten könnte. Denn er war relativ trocken. »Temperaturen von minus zehn Grad und weniger sind gut, weil die Straße besser trocknet«, erklärt der Bauhofchef. Am gestrigen Freitag dagegen hat es nicht so optimal ausgeschaut. »Bei null Grad ist die Straße feucht. Das kann gefährlich werden.«
Auch in Schönau am Königssee ist die Versorgungslage bestens. Das bestätigt der zuständige Bauhofmitarbeiter Michael Hofreiter. »Wir haben noch genügend Streusalz. Und nächste Woche kommt noch eine große Lieferung.« Engpässe habe es diesen Winter noch nicht gegeben. Die Gemeinde verfügt über ein Silo mit einer Kapazität von 50 Tonnen und eine Lagerhalle mit einem Fassungsvermögen von 100 Tonnen.
Aus Bischofswiesen liegen keine Informationen vor. Denn nur Geschäftsleiter Rupert Walch darf Presseauskünfte erteilen. Aber Rupert Walch war am Freitag nicht zu sprechen. Obwohl Marktschellenberg nur ein kleines Silo mit einem 27-Tonnen-Fassungsvermögen hat, rechnet Michael Ponn vom Bauhof noch nicht mit Streusalzmangel. »Knapp fünf Tonnen haben wir noch«, verrät er. Die nächste Fuhre ist bestellt. Nächste Woche soll Nachschub von Südsalz in Heilbronn kommen.
Robert Grassl, der Leiter der Straßenmeisterei in Bischofswiesen, weiß von den derzeitigen Nachschubproblemen in ganz Europa. Er sieht die Lage allerdings gelassen. »Bis jetzt haben wir noch keinen Engpass. Wir haben unsere Lieferungen erhalten«, sagt Grassl. Außerdem sei der Winter im alpinen Berchtesgadener Land nicht so schlimm wie in den mittleren Lagen. Die Straßenmeisterei, die für alle Kreisstraßen zuständig ist, hat zwei Lagerhallen für Streusalz: eine in Bischofswiesen mit einer Kapazität von 1 000 Tonnen und eine in Jettenberg mit 800 Tonnen Fassungsvermögen. Allerdings streuen die 13 Fahrzeuge der Straßenmeisterei an einem einzigen schneereichen Tag 150 Tonnen. Und wenn's doch mal eng wird? »Dann streuen wir eben weniger. Nur so viel, dass die Verkehrssicherheit gewährleistet ist«, sagt Grassl. Christian Fischer