Berchtesgaden: (2. Februar 2010) - Die Suche nach dem anderen, dem perfekten Bild ist das, was Sebastian Krauss, einen gebürtigen Berchtesgadener, jeden Tag antreibt. »Das Problem bei der Sportfotografie ist, dass 50 Leute an der gleichen Stelle sitzen und fotografieren«, sagt er. »Unter Zwang leben«, nennt er das. Jede Sekunde zählt, manchmal wartet er Ewigkeiten auf jenen einen Moment, in dem der berühmte Skifahrer die Piste nach unten rast. »Dann muss alles passen«, sagt Krauss, der bei den Olympischen Winterspielen in Kanada im Einsatz sein wird. Auch dort zählt jede Sekunde, die Agenturen und Zeitungen dürsten nach den schnellen Bildern. Alles was zählt, ist Zeit. Und von der hat man als Sportfotograf nicht viel. |
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Krauss arbeitet für eine österreichische Sportbildagentur. Etwa 20 Kollegen hat er dort, alle auf der Suche nach dem Bild der Bilder. Versorgt werden alle österreichischen Medien, aber auch Auftragsfotografie gehört zum Geschäft mit den gewaltigen Kameras, deren Objektive teils gigantische Ausmaße haben. Unterwegs sind die Fotografen vornehmlich im Auftrag des österreichischen Sports. »Skifahren ist in Österreich Nationalsport«, sagt Krauss. Aber auch beim Fußball, Skispringen, Eishockey und Motorsport hat er seine Erfahrungen gemacht. Nicht nur auf nationaler Bühne ist er zu Hause, auch internationales Parkett betritt er in steter Regelmäßigkeit. Dabei betreibt Sebastian Krauss seinen Beruf eigentlich nur nebenher. Er ist noch Student. Er studiert Kommunikationswissenschaft in Salzburg. Das möchte man beinahe nicht glauben. Beinahe jede Woche ist er dabei, wenn wieder einmal die Roten Bullen im heimischen Stadion dem Ball nachjagen, wenn die österreichischen Skiasse die Pisten dieser Welt in Höchstgeschwindigkeit nach unten rauschen, wenn die Skiadler in erhabener Weise den Hang entlang nach unten fliegen.
Mit der Pentax auf der Pirsch
Aktionsbilder sind das eine. Aber auch so genannte Feature-Bilder sind gefragt. Bilder, bei denen es nicht um den einzelnen Sportler geht, sondern darum, den Sport verallgemeinernd darzustellen. Bilder, die etwa den Titel einer Zeitung zieren, wenn ein großes Sporthighlight beginnt, wenn das Auftaktspringen der Vierschanzentournee ansteht. Dennoch weiß Krauss, dass sich der ästhetische Anspruch des Fotografen oft mit der journalistischen Notwendigkeit beißt.
Seit frühester Kindheit interessiert sich Sebastian Krauss für die Fotografie. »Seit ich zehn Jahre alt war, habe ich meine Kamera mit dabei«, sagt der 27-Jährige. Vollautomatische Kameras interessierten ihn zu Beginn kaum. »Ich wollte eigenständig alle Einstellungen vornehmen«, sagt er rückblickend. Mit seiner Pentax ME Super konnte er das ohne weiteres. Nicht nur das Fotografieren fesselte ihn, auch das Entwickeln - in Schwarz-Weiß - war es, die es ihm angetan hatte. Auch wenn die Ergebnisse anfangs kaum den eigenen Vorstellungen entsprachen, wie er erzählt. Überall habe er fotografiert, in der Natur, zu Hause, beim Sport. Etwa beim SC Schellenberg. »Da kam dann auch die erste Verbindung zustande«. Das Interesse wuchs, vermehrt Sport in all seinen Facetten aufzunehmen. Privat war er als Zuschauer bei der Tour de France dabei, er verfolgte das Duell zwischen Jan Ullrich und Lance Armstrong, knipste die beiden, schoss Momentaufnahmen. Er war mittendrin, statt nur dabei.
Eine mit eigenen Fotos zusammengestellte Mappe sollte ihm die Tür zur professionellen Sportfotografie öffnen, den Weg ebnen, auch in internationalem Fahrwasser beweisen zu können, dass es nicht nur ein bloßer Knopfdruck ist, der für die einzigartige Aufnahme verantwortlich zeichnet, sondern dass mehr dazu gehört als ein flinker Finger. Zehn Prozent mache die Kamera aus, 40 Prozent Erfahrung schwinge mit und jene letzte Hälfte schreibt Krauss dem Glück zu.
Man bräuchte eine dritte Hand
Die Waldviertel-Rallye in Niederösterreich, ein Highlight für Motorsport-Fans, sollte zu einem der ersten großen Einsätze werden. »Von Motorsport wusste ich anfangs so gut wie nichts. Ich wurde dorthin geschickt, ohne überhaupt zu wissen, wie die Sache funktioniert«, sagt Krauss. Learning by doing war angesagt. Wo ist die perfekte Position zum Fotografieren, wo befindet sich eine Internet-Verbindung und welchen Fahrer sollte man im Auge behalten? »Ich musste mich durchschlagen«, sagt er, zufrieden, dass man sich unter Sportfotografen gegenseitig weiterhilft. Das habe ihm am Anfang seiner Tätigkeit enorm weitergeholfen. Nicht immer überall sein zu können - damit muss man leben, aus dieser Erfahrung heraus die Augen geöffnet halten, jene Position ausmachen, von welcher aus ein kleines bisschen mehr möglich ist. Das, was letztlich von den Aufnahmen eines Tages bleibt, ist recht wenig. »Beim Fußball ist der Ausschuss sehr hoch. Da macht man 1 200 Bilder und 30 bleiben übrig«. Etwa für die eigene Agentur, die bereits wenige Minuten nach dem Anpfiff das erste Foto in der Redaktion erwartet. In der einen Hand die Kamera, in der anderen den Laptop. Manchmal müsste es eine dritte geben, speziell dann, wenn wieder mal das Handy läutet und ein Auftragsbild wartet, das nun - im Trubel des Geschehens - zusätzlich geschossen werden soll.
Hektik kommt auf, aber diese gehöre zum Alltag eines Sportfotografen, sagt Krauss selbstsicher, dem in den letzten Jahren bereits die Höchststrafe in seinem Beruf zuteil wurde: Wenn man gute Bilder hat, diese aber aufgrund technischer Einschränkungen nicht verschi-cken kann. Dann sind es besagte Kollegen, die dem Grundsatz folgend im Notfall aushelfen, die einen Laptop stellen, einen Akku leihen. »Mein Equipment habe ich in doppelter Ausführung - für den Fall der Fälle«, sagt Krauss, der bevorzugt mit Canon-Produkten fotografiert. Sein 400-Millimeter-Tele-Festbrennweiten-Objektiv gehört zu den Prunkstücken seiner Ausrüstung. Jetzt, kurz vor Olympia, soll es eine neue Kamera richten, die bereits vorbestellt ist und ihn noch vor seinem Abflug erreichen soll. Bei Olympia sind die Deadlines wegen der Zeitverschiebung noch knapper gesetzt, Die Konkurrenz der großen Agenturen noch gewaltiger und die ausgewiesenen Fotografen-Positionen noch beschränkter. kp
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