Die Bronze-Nacht am Aschauerweiher

Bischofswiesen: (19. Februar 2010) - Es war eine lange Nacht, die eine kleine Kolonie von Rodelsportanhängern im »Aschauer Wirt« verbrachte. Doch die Geduld vor dem Fernseher hat sich gelohnt. Obwohl es nach dem ersten Lauf nicht mehr nach einer Medaille ausgesehen hatte, rasten Patric Leitner (WSV Königssee) und Alexander Resch (RC Berchtesgaden) in den frühen Morgenstunden des Donnerstags mit einem fulminanten zweiten Durchgang zur Bronzemedaille. Dass die beiden ihre lange und erfolgreiche Leistungssport-Karriere mit olympischem Edelmetall beenden konnten, freut nicht nur die Athleten, sondern auch ihre Fans im Berchtesgadener Land.

 
  

Direktverbindung nach Whistler: Jeanette Leitner gratuliert ihrem Ehemann Patric zur Bronzemedaille.

Angehörige und Freunde des erfolgreichen Doppels, darunter auch Patric Leitners Ehefrau Jeanette, hatten sich nach Mitternacht am frühen Donnerstag beim »Aschauer Wirt« und Vorstand des WSV Königssee, Hannes Schneider, eingefunden. Sie wollten gemeinsam das Doppel Patric Leitner/Alexander Resch noch einmal bei deren letzten Fahrten sehen. Alle hofften darauf, dass die zwei zum Ende ihrer Leistungssport-Karriere noch einmal olympisches Edelmetall holen würden. Schließlich hatten Leitner/Resch vor acht Jahren in Salt Lake City schon einmal die Goldmedaille gewonnen.
Doch diesmal machten es die beiden Berchtesgadener richtig spannend, als sie trotz missglücktem Start im ersten Lauf noch eine perfekte Abfahrt zeigten und mit dem zwischenzeitlichen 5. Rang durchaus noch auf Medaillenkurs lagen. So verbrachten die zehn Berchtesgadener auch den zweiten Teil der langen Nacht am Aschauerweiher. Und die treuen Anhänger von Leitner/Resch sollten für ihre Geduld belohnt werden.
Die düsteren Vorahnungen von Cheftrainer Norbert Loch, dass es bei den Doppelsitzern erstmals nichts mit einer olympischen Medaille werden könnte, wischte das Berchtesgadener Doppel mit einer fehlerfreien zweiten Fahrt zur Bronzemedaille vom Tisch. »Ich habe einfach nur gehofft, dass es die beiden noch schaffen. Daran geglaubt habe ich nach dem ersten Lauf nicht mehr so richtig. Ich freue mich riesig, vor allem auch darüber, wie unglaublich sich Patric über die Medaille zum Abschluss der Karriere gefreut hat«, erklärte Jeannette Leitner, die sogar zwischen erstem und zweiten Lauf und auch gleich nach dem Rennen telefonisch mit ihrem Ehemann verbunden war. Sohn Louis war einstweilen bei Jeanettes Mutter gut aufgehoben: »Da habe ich mir keine Sorgen gemacht, unser Sohn schläft ja schon ganz gut durch«, so die glückliche Mama.
Fest an ein erfolgreiches Ende der Karriere von Leitner/Resch hatte stets auch die zweifache Silbermedaillengewinnerin bei Olympischen Winterspielen, Barbara Niedernhuber, geglaubt. Zusammen mit ihren sportbegeisterten Eltern war sie in den »Aschauer Wirt« gekommen. »Wenn ich hier zusehe, dann ist es, als ob ich gestern mit dem Leistungssport aufgehört hätte. Natürlich fiebere ich mit Alex und Patric mit, schließlich sind wir jahrelang im deutschen Team zusammen gewesen. Die Medaille haben sie sich redlich verdient, schließlich wusste ich um ihre Möglichkeiten«, so die Polizeibeamtin.
Zufrieden mit dem Ausgang war ebenso »Aschauer Wirt« Hannes Schneider. Natürlich hofft er beim nächsten Fernsehabend am kommenden Mittwoch mit einem ähnlichen Ergebnis: »Dann wollen wir Weltmeisterin Katy Hölzl feiern.« Die Übertragungszeiten der beiden Durchgänge um 19.00 und 22.15 Uhr sind schon etwas angenehmer. Fans von Katy Hölzl sind zum gemeinsamen Fernsehabend jedenfalls eingeladen. (S. auch Seite 16).cw