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Mit Wintersport und Bergen hat Richard Adjei noch nicht lange Kontakt. Schließlich war der gebürtige Düsseldorfer zunächst Boxer, dann bis vor zwei Jahren Football-Profi. Der Sohn einer Deutschen und eines Ghanaers hatte seine Football-Laufbahn bei den Düsseldorf Panthers begonnen, 2003 stand er im Kader der deutschen Nationalmannschaft. In den Jahren 2004, 2005 und 2006 spielte Adjei für das aus seiner Heimat stammende Team Rhein Fire, anschließend für Berlin Thunder und zuletzt wieder für Düsseldorf Panthers in der 2. Bundesliga.
Vor zwei Jahren wurde Bobtrainer Christoph Langen, der sich nach neuen Athleten für seine Nachwuchsteams umschaute, auf den kräftigen Sportler aufmerksam. In Berlin heuerte ihn der Juniorentrainer als Anschieber für das Team von Manuel Machata an. Bei dessen Eltern Tina Machata und Peter Graßl fand der Düsseldorfer in Ramsau bis heute eine willkommene Bleibe. Ohnehin fühlte sich der Rheinländer in den Bergen sofort wohl. »Ich bin ein Rheinischer Jong, aber Bayern hat mir sofort gefallen«, so der humorvolle 27-Jährige. Von seinem ersten Geld hat er sich damals eine kurze Lederhose gekauft. »Aber eine helle, wegen meines dunklen Teints. Die sieht besser aus«.
Mit Manuel Machata an den Steuerseilen holte sich »Adschi«, wie ihn seine Freunde nennen, 2009 den Titel eines Vize-Juniorenweltmeisters sowie eines Europacup-Gesamtsiegers. Mittlerweile ist der gelernte Industrielackierer, der seit kurzem der Bundeswehr-Sportfördergruppe Strub angehört, dem Juniorenalter entwachsen. Während sein Pilot Manuel Machata noch letztmals an den Junioren-Weltmeisterschaften teilnahm, hing Adjei etwas in der Luft. Ein Trainingsaufenthalt und ein für ihn äußerst erfolgreicher Olympiatest in Oberhof brachten Richard Adjei schließlich mit Bobpilot Thomas Florschütz zusammen. Der suchte ohnehin einen neuen Anschieber und so war schnell das Team Florschütz/Adjei gebildet. Prompt gewannen die beiden den Weltcup in Königssee.
Peter Graßl kann über seinen 110 Kilogramm schweren Ziehsohn nur Positives berichten: »Der ist so lieb und gut erzogen; hier in der Ramsau mögen ihn alle«. Schließlich gilt der 27-jährige als sehr ruhiger und umgänglicher Typ. Es ist deshalb nur anerkennend gemeint, wenn seine Freunde ihn gelegentlich »Riesenbaby« nennen. Mit seiner stattlichen Größe von 190 Zentimetern und seiner muskulösen Statur sind sogar die Magazine auf ihn aufmerksam geworden. Als Fotomodell macht »Adschi« eine ebenso gute Figur wie im Eiskanal.
Gut möglich, dass Richard Adjei schon bald wieder im Schlitten von Manuel Machata sitzt. Denn der Ramsauer Bobpilot würde gerne im kommenden Jahr im Weltcup der Senioren starten. »Der Adschi und ich wieder in einem Bob - das wäre schon eine Sache«, sagt Machata. Der freut sich riesig über die Medaille seines Spezls, schließlich ist das auch der Beweis dafür, dass das gemeinsame Training fruchtet. Und sollte Richard Adjei tatsächlich schon bald wieder den Machata-Bob beschleunigen, dann winkt natürlich ein verlockendes Nahziel: die Weltmeisterschaften 2011 am Königssee.
Ein WSV-Bob in der Weltspitze - das wäre ganz nach dem Geschmack von WSV-Vorstand Hannes Schneider, der sich über die Silbermedaille seines Athleten riesig freute: »Das ist eine tolle Sache für uns alle«. Richard Adjei wird nun beim großen Olympiaempfang am 4. März in Berchtesgaden auch in der Reihe der Medaillengewinner stehen. Und hinterher sollte er sich noch ein wenig mehr Zeit nehmen. Denn nach der öffentlichen Medaillenfeier will der WSV Königssee seine eigenen erfolgreichen Sportler noch zu einem Abendessen in den »Aschauer Wirt« einladen. Dort könnte man dem »Adschi« sehr leicht eine besondere Freude bereiten: mit einem großen Teller Kaiserschmarrn. Ulli Kastner
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