Gigantisches Tourismusprojekt am Königssee

Schönau a. Königssee: (5. März 2010) - Das größte jemals im Berchtesgadener Land realisierte Tourismusprojekt soll nun direkt am Königssee entstehen. Die N & F Königssee AG, eine Tochtergesellschaft der AKA Investment AG aus St. Gallen (Schweiz), plant auf dem Gelände der »Hotel Königssee Betriebe« die Errichtung von drei Hotels mit insgesamt 400 Betten sowie im Bereich des ehemaligen Bahnhofs den Bau einer Appartementanlage. Die Familie Größwang und die Gemeinde würden dafür ihre Grundstücke verkaufen. Für die Umsetzung des Projekts muss der Bebauungsplan »Seestraße« geändert werden, wofür der Gemeinderat Schönau am Königssee am Dienstag einstimmig grünes Licht gab.

 

Ein völlig neues Gesicht wird der Königssee-Bereich bekommen, wenn das Projekt tatsächlich realisiert werden sollte. Und im Moment sieht alles danach aus. Die Familie Größwang will ihr Areal, auf dem sich nicht nur das Hotel »Königssee«, sondern auch zahlreiche Nebengebäude wie das »Casino« und das ehemalige Asylbewerberheim befinden, an die Schweizer Investoren veräußern. Und der Gemeinderat hatte bereits vor längerer Zeit beschlossen, das ehemalige Bahnhofsgelände für so ein Projekt zur Verfügung zu stellen. Während sämtliche Gebäude auf dem Gelände der »Hotel Königssee Betriebe« abgebrochen werden sollen, ist die Zukunft des Alten Bahnhofs Königssee noch ungewiss. Womöglich werden die Investoren das Gebäude sogar erhalten.
Familie, Sport und Wellness
Entstehen soll hier eine Anlage mit drei Hotels unterschiedlicher Ausrichtung (Familie, Sport und Wellness). Rund 400 Zimmer sollen hier angeboten werden, zusätzlich ist die Errichtung einer Appartementanlage geplant. In den Hotels sollen gastronomische Betriebe zur Verfügung stehen, außerdem werden entlang der Seestraße zahlreiche neue Läden entstehen. Genaue Pläne der Anlage existieren noch nicht. »Die Aktiengesellschaft hat uns auch signalisiert, dass für die Hotels namhafte Betreiber zur Verfügung stehen«, sagte Bürgermeister Stefan Kurz. Der kämpft bereits seit rund zehn Jahren für dieses Projekt und ist froh darüber, »dass die Eigentümer nun endlich verkaufen wollen«. Schließlich handele es sich um ein Vorhaben, das für die ganze Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee »ein großer Gewinn wäre« und der Region einen Schub geben würde. Allerdings ist dem Bürgermeister auch klar, dass noch viele Probleme wie die Bedrohung durch den Pletzgraben zu lösen sind.
Gerne hätten die Investoren auch noch kleinere Grundstücke nahe am See erworben. Doch mit den Eigentümern war keine Einigung zu erzielen, was Bürgermeister Stefan Kurz spürbar ärgerte: »Bei bestimmt zehn Verhandlungen ist es nicht gelungen, eine Einigung zu erzielen. Die Eigentümer haben Vorstellungen, die die Investoren nicht akzeptieren wollten. Dabei hätte man jetzt endlich diesen Schandfleck beseitigen können«. Kurz bedauert das Scheitern der Verhandlungen, weil die Grundstücke später nicht mehr berücksichtigt werden könnten.
»Seestraße darf keine Schlucht werden«
Grundsätzlich begrüßten alle Gemeinderäte das Projekt am Königssee. Mehrere Volksvertreter sprachen wie Stefan Lochner (CSU) von einem »wichtigen Schritt in die Zukunft«. Trotz der großen Zustimmung mahnten auch einige Gemeinderäte zur Vorsicht. August Stengle (CSU) verspürte »Bauchweh« hinsichtlich der geplanten Bautätigkeiten auf dem Bahnhofsgrundstück. »Wenn dort die Appartementanlagen hinkommen, gibt es überhaupt keine Grünfläche mehr. Auch tun wir uns nichts Gutes, wenn das historische alte Bahnhofsgebäude beseitigt wird«. Bürgermeister Stefan Kurz erinnerte daran, dass der Gemeinderat einen Verkauf des Gebäudes bereits beschlossen habe, außerdem stehe ein Abriss noch gar nicht fest. Im Übrigen werde der Gemeinderat im Rahmen des Genehmigungsverfahrens sehr genau darauf achten, dass noch Grünflächen erhalten bleiben und den Nachbarn auch die Aussicht nicht komplett genommen werde.
Eine kritische Verfolgung des Projekts kündigte auch Beppo Maltan an, wenngleich er die Pläne grundsätzlich begrüßte. Dennoch plagen den FWG-Gemeinderat Sorgen: »Ich darf gar nicht daran denken, was passiert, wenn die Gesellschaft während der Bauphase pleite geht oder wenn die 400 Zimmer nicht belegt werden können«. Und 3. Bürgermeister Herbert Zechmeister (CSU) sprach von »teilweise berechtigten Anliegerinteressen«. So dürfe die Seestraße »auf keinen Fall eine Schlucht werden«. Über Situierung, Ansichten und Höhen der einzelnen Gebäude wird der Gemeinderat aber noch ausführlich diskutieren. In einer der nächsten Sitzungen sollen die ersten Pläne vorliegen. Uli Kastner