Vancouver war weitaus besser als Turin

Berchtesgaden: (8. März 2010) - Bei allen Großereignissen gibt es Sieger und Medaillengewinner, gleichzeitig aber auch enttäuschte Sportler, deren Erwartungen sich nicht erfüllt haben. Auch einige Berchtesgadener haben bei Olympia ihre Träume realisiert, andere hatten sich mehr erhofft. Der «Berchtesgadener Anzeiger« fing am Rande des Olympiaempfangs Stimmen und Stimmungen der Sportler ein.

 

Weltmeisterin Kathrin Hölzl vom WSV Bischofswiesen war in Whistler mit der Startnummer eins bei Neuschnee kein Glück beschieden. »Mit der ersten Nummer hatte ich bei ein paar Zentimeter Neuschnee in der Piste keine Chance. Und im zweiten Lauf hat die Piste nachgelassen und so konnte ich mich nicht weiter als auf Platz sechs verbessern«, so die Bischofswieserin, die jetzt den Gewinn des Einzelweltcups im Riesenslalom anvisiert.
Bobpilot Karl Angerer vom WSV Königssee denkt mit Schaudern an die gefährliche Bahn in Whistler zurück. »Wir sind alle froh, dass wir gesund wieder heimgekommen sind. Es ist natürlich schade, wenn das gerade bei Olympia passiert«, so der Ettenberger, der sich natürlich mehr erhofft hatte, aber Vancouver als gute Erfahrung betrachtet. Auf die Frage, ob er dafür den Weltmeistertitel auf der Heimbahn im nächsten Jahr holt, meinte Angerer schmunzelnd: »Ein Ziel ist das immer«.
Silbermedaillengewinner Richard Adjei vom WSV Königssee ist nach dem Saisonstart auf den Bob von Thomas Florschütz gekommen. »Nachdem Manuel Machata nicht in den Weltcup gekommen ist und ich kein Junior mehr bin, war ein Wechsel unausweichlich. Wie es in der nächs-ten Saison aussieht, weiß ich noch nicht«, so der gebürtige Düsseldorfer, der extra zur Ehrung vom Rhein angereist war. Verändert habe ihn die Medaille von Vancouver nicht: »Ich bin der gleiche Spinner wie vorher. Es werden neue Aufgaben auf mich zukommen und ich muss alles erst einmal verarbeiten. Es ist eine schöne Sache, erfolgreich gewesen zu sein, aber schon bald beginnt alles von neuem«, so der Rheinländer, der gespannt auf die Zukunft ist. Dass er einmal als Pilot fährt, kann sich der Wahl-Ramsauer nicht vorstellen. »Ich bin jetzt 27 Jahre alt und ein guter Pilot braucht zirka fünf Jahre. Außerdem kostet das sehr viel Geld und so bleibe ich lieber an der Bremse«, so Adjei.
Anja Hubers Ziel, eine Medaille zu holen, hat sie erreicht. »Es ist gut so, aber es hätte durchaus unspektakulärer laufen können. Die Stimmung war sensationell, die Zuschauer haben alle Sportler angefeuert, auch die weiter hinten Platzierten«, freute sich die Bronzemedaillengewinnerin. Die Bahn bezeichnete Anja Huber als sehr schnell, schwer und anspruchsvoll. »Vancouver war weitaus besser als Turin und ich denke, es wird auch für die Russen schwer, an diese Spiele heranzukommen. Die Kanadier haben der Sportwelt tolle Spiele geboten«.
Der Konditionstrainer der Rodler, Martin Hillebrand, hat eine Woche nur am Start verbracht, um seine Sportler flott zu machen. »Durch die veränderten Starthöhen wurde das Klassement gerade am Start teilweise ganz schön durcheinander gewirbelt«, so Hillebrand, der schon bei acht Olympischen Winterspielen als Trainer dabei war und Vancouver fast auf eine Stufe mit den bisher besten Spielen in Lil-lehammer stellte. »In Norwegen hat halt auch das Wetter gepasst«, so der Trainer, der seinen Vertrag verlängern würde, wenn München mit Berchtesgaden-Königssee den Zuschlag für Olympia im nächsten Jahr bekommen würde.
Auf die Zukunft freut sich auch die Junioren-Weltmeisterin im Skeleton, Tina Herrmann: »In vier Jahren in Sotschi wäre ich schon gerne dabei, ich werde mich sehr anstrengen«. Bemüht hat sich auch Skeletonpilot Michi Halilovic vom WSV Königssee bei Olympia. «Aber wenn man im zweiten Lauf kippt, dann ist die Chance auf eine Medaille oder einen Topplatz halt dahin«, analysierte Halilovic nüchtern, der wie seine beiden Kollegen hinter den eigenen Erwartungen geblieben ist. »Insgeheim hat natürlich jeder von uns dreien mit einer Medaille geliebäugelt. Dies war auch aufgrund der Saisonleistungen ein realistisches Ziel«, so der Skeletoni.
Rennrodler Patric Leitner freut sich auf die Zeit nach dem Sport: »Es ist ein schönes Gefühl, einmal den Kinderwagen zu schieben, ohne schon wieder ans nächste Rennen zu denken«. Momentan steckt der Marktschellenberger in den Prüfungen zum Diplomtrainer und freut sich schon sehr auf den Trainerjob.cw