Positive Energie oder teures Wasser?

Berchtesgadener Land: (13. März 2010) - Energie in Form von warmem Wasser soll ab September durch das Fernwärme-Leitungsnetz der EWB (Energie und Wärme aus Biomasse) GmbH fließen. Sechs Monate vor der geplanten Inbetriebnahme des Heizkraftwerks am Lustheim steigt bereits der persönliche Energieverbrauch bei Geschäftsführer Heinz Krawinkel und seinen EWB-Mitgesellschaftern. Schließlich kämpft der Unternehmer mit seinen Kollegen derzeit um jeden Kunden, insbesondere um die Gunst der Großabnehmer. Viele haben sie bereits im Boot, doch noch einige wichtige Unterschriften fehlen. Die können für das Millionen-Projekt von existenzieller Bedeutung sein.

 
  

Über den Schloßplatz erreicht die Fernwärme das Nonntal. Die Bauarbeiten zwischen den Torbögen sind derzeit in vollem Gang.

Allen Skeptikern hat es die EWB GmbH erst einmal gezeigt. Wenngleich mit beträchtlicher Verspätung, so erfolgte im Oktober tatsächlich der erste Spatenstich für das Heizkraftwerk neben dem Bergfriedhof in Schönau am Königssee. »Der Bau schreitet voran, wir sind im Zeitplan«, erklärt nach fünfmonatiger Bauzeit Heinz Krawinkel, der die Inbetriebnahme für 1. September ankündigt. Zwar gibt es bis dahin noch viel zu tun, doch die ersten Leitungsteile sind immerhin verlegt. Vergraben sind die Rohre bereits im Weihnachtsschützenplatz, in der Bahnhofstraße und in der Schönauer Mentensiedlung. Die Achenquerungen in Berchtesgaden hat man erfolgreich bewältigt, auch das Schornbad ist bereits angeschlossen. Derzeit baut man unter anderem am Schloßplatz. Eile ist angesagt, dann während der Hauptsaison soll nach einem Beschluss des Marktgemeinderats erst einmal Ruhe einkehren im Ort.
Derweil wird das Graben anderswo weitergehen, und zwar bis ins Jahr 2011. Dann wird das Leitungsnetz eine Länge von 20 Kilometern erreicht haben. Und natürlich hofft man bei der EWB, dass möglichst viele Hausbesitzer entlang der Trasse einen Wärme-Lieferungsvertrag unterzeichnen. Auf 30 bis 35 Prozent schätzt Krawinkel die Quote der angesprochenen Haus-
eigentümer, die einen Anschluss beantragen. »Aber wir dürfen uns nicht zurücklehnen, sondern müssen weiterhin Überzeugungsarbeit leisten«, betont der EWB-Geschäftsführer. Die Rechenaufgabe, ob sich ein Anschluss lohnt, wird allerdings jeder Hauseigentümer selbst lösen müssen. Schließlich spielen bei der Rentabilitätsprüfung zahlreiche Faktoren wie Restwert der bestehenden Heizungsanlage, Umbaukosten sowie Öl- beziehungsweise Gaspreisentwicklung eine Rolle.

Schönau am Königssee
übernimmt Vorreiterrolle
Solche Rechnungen stellen natürlich auch die Großabnehmer auf, die man bei der EWB in besonderem Maß umwirbt. Oftmals mit Erfolg. So haben viele Großeinrichtungen die Verträge bereits unterzeichnet. Dass die Gemeinde Schönau am Königssee hier mit dem Anschluss von Schornbad, Rathaus, Schneewinklschule, Bauhof, Gasthof »Unterstein« und anderen Liegenschaften eine Vorreiterrolle einnimmt, hängt auch mit dem Standort des Heizkraftwerks in der Gemeinde zusammen. Die Kommune hatte mit der Ausweisung eines Gewerbegebiets am Lustheim hier erst die Grundlage für das Projekt geschaffen. Darüber hinaus bot sich ein Anschluss des neu gebauten Schornbads geradezu an, zumal Sonderkonditionen den Lokalpolitikern die Zustimmung erleichterten.
Nicht ganz so leicht tut sich die Gesellschaft in Berchtesgaden. Erst nach sorgfältiger Prüfung entschloss man sich in der Marktgemeinde für den Anschluss von Rathaus, Solekurbad, altem Gymnasium und Kindergarten. Immerhin wird hier der Anschluss aus Mitteln des Konjunkturpakets II gefördert. Noch nicht so weit ist man beim neuen Gymnasium und bei der Bacheifeldschule. Hier entschied man sich, ein Gutachten zur Wirtschaftlichkeit einer Energieumstellung in Auftrag zu geben. Erst wenn das vorliegt, will man entscheiden. Ein deutliches Zeichen dafür, dass Klimaschutz nicht alles ist, sondern vor allem auch betriebswirtschaftliche Aspekte zählen.
Was macht die Watzmann Therme?
Allerdings gehen in den kommunalen Gremien bisweilen die Meinungen darüber auseinander, in welchem Verhältnis Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz bei der Wahl der Energieversorgung zu bewerten sind. So auch im Aufsichtsrat des Zweckverbands Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, der über den Anschluss der Watzmann Therme an das Fernwärmenetz zu bestimmen hat. Auch hier ist ein Ingenieurbüro mit einer Wirtschaftlichkeitsprüfung beauftragt, deren Ergebnis in diesen Tagen vorliegen soll. Keine leichte Aufgabe, denn immerhin spart die Watzmann Therme durch ein selbst betriebenes Blockheizkraftwerk jährlich rund 60 000 Euro an Stromkosten. Die würden bei einem Anschluss ans Fernwärmenetz künftig die Badbilanz drücken.
Für die EWB kann der Anschluss der
Watzmann Therme allerdings von existenzieller Bedeutung sein. Denn gerade in den Sommermonaten wird es für die Gesellschaft schwierig sein, ausreichend Fernwärme
zu verkaufen. Und es darf nur soviel Strom produziert werden, dass die Abnahme des dabei entstehenden Warmwassers gesichert ist. Mit Hochspannung wartet man deshalb bei der EWB auf die Entscheidung des Aufsichtsrats. Und wenn die Watzmann Therme der Fernwärme einen Korb gibt? »Dann wird's haarig«, räumt Heinz Krawinkel ein - im Bewusstsein, dass er auch im Kreiskranken-
haus Berchtesagden, in der »Insula« und im Bundesleistungszentrum Bob und Rodel (Landkreis) noch Überzeugungsarbeit zu leisten hat. Immerhin sind die Verträge mit der Struber Jägerkaserne, mit dem »Haus der Berge« und mit dem Hotel »Edelweiß« als Mitgesellschafter bereits in »trockenen Tüchern«.UK