Bischofswiesen: (13. März 2010) - Als »unendliche Geschichte« bezeichnete Klaus Gerlach von der SPD Bischofswiesen die veraltete Standortschießanlage der Bundeswehr in der Strub. Sie befände sich auf Vorkriegsniveau und sei sowohl für Anrainer als auch für Soldaten eine Zumutung. Deshalb hatte die Partei am Mittwoch zu einem Bürgerstammtisch in den »Brennerbräu« geladen. Als Gastredner sprach der stellvertretende Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 232, Major
Ralph Köhl. In der anschließenden Diskussion forderten die lärmgeplagten Bürger dringend eine Lösung, am besten sei eine komplette Einhausung, sogar eine unterirdische Umsiedlung wurde vorgeschlagen. |
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Der Krach sei oft so schlimm, dass man sich nicht mal mit der eigenen Frau unterhalten könne, schimpfte ein unmittelbarer Schießanlagen-Nachbar. »Wenn da mal einer mit den Nerven durchdreht, ist das keine Wunder«. So gehe es nicht weiter, es müsse etwas passieren, so die einhellige Meinung der Anwesenden.
Bereits 2005 habe es geheißen, dass die Anlage wegen immissionsschutzrechtlicher Mängel ganz geschlossen werden müsse, informierte Klaus Gerlach in einem kurzen Rückblick. Dann entschied sich die Bundeswehr aber für die Aufstockung des Standorts in der Strub und somit auch für den eingeschränkten Weiterbetrieb. Auf die Forderung der Stimmkreisabgeordneten Dr. Bärbel Kofler, man möge die Schießstätte sanieren, sei erst zwei Jahre später eine Antwort gekommen. Der damalige Bundesminister Franz Josef Jung informierte, dass die Anpassung der Infrastruktur unter »Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen erfolgen werde und die Umsetzung im Rahmen verfügbarer Haushaltsmittel«. Passiert sei aber nichts, so Gerlach. Stattdessen kam im September vergangenen Jahres vom Ministerium die Meldung, man habe aufgrund des künftigen Ausbildungsbedarfes eine Machbarkeitsstudie für die Schießanlage in Auftrag gegeben. Sie soll klären, ob ein Neubau am Übungsplatz Sillberg vorteilhaft ist oder eine Einhausung der Stände, ähnlich einer Halle, am Böcklweiher. Spätestens Mitte des Jahres sollen die Ergebnisse vorliegen. Doch bis dahin vergehe wieder wertvolle Zeit, findet Klaus Gerlach. Er vermutet: »Hier soll wegen knapper Kassen ein Problem weiter geschoben werden.«
Wie wichtig eine neue Schießanlage auch für die Soldaten in der Strub sei, machte Major Ralph Köhl deutlich. Zurzeit dürften aufgrund von Schallmessungen pro Tag nur 1 100 Schuss mit dem Gewehr G36 und 1 500 Schuss mit dem MG3 abgefeuert werden. Allein durch diese Beschränkung sei eine zielgerichtete Schießausbildung der Soldaten nicht möglich, so Köhl, man weiche schon jetzt auf die Schießstätte in Bad Reichenhall aus. Die Aufstockung beider Standorte und die veränderten Ausbildungsvorschriften verschlechterte die Situation zusätzlich. Zum Vergleich: laut altem Ausbildungskonzept müsse ein Soldat 933 Patronen pro Jahr verschießen, laut neuem allein 30 000 mit dem Gewehr und 14 000 mit der Pistole. »Ich glaube diese Zahlen sprechen für sich«, sagte der Major, dessen Aufgabe es sei, Soldaten fit für den Auslandseinsatz zu machen. »Das Beherrschen der Waffen ist hierbei die Lebensversicherung.«.
Da werde aufgerüstet ohne nachzudenken, ärgerte sich ein Bürger. »Das geht doch nicht, da fehlt doch jede Logistik.« Es wurde sogar angezweifelt, ob die jetzige Anlage den Sicherheitsbestimmungen genüge, einige Gäste wollen Blindgänger gehört haben. Die einzige vernünftige Lösung sei eine komplette Einhausung. Oder gleich eine unterirdische Halle unter der Kaserne, wie ebenfalls vorgeschlagen wurde. Die Diskussion auf den Punkt brachte SPD-Gemeinderat Hans Metzenleitner. Man ziehe am selben Strang, die Bundeswehr benötige bessere Ausbildungsmöglichkeiten und die Anwohner mehr Lärmschutz. Man müsse deswegen von unten politischen Druck aufbauen, zum Beispiel über eine Resolution des Gemeinderates, damit die Machbarkeitsstudie auch passende Lösungen hervorbringe. kb
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