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Rasant auf Stahlkanten unterwegs: Siegerin Michaela Brandner. | |
Der »Charivari« ist ein Skirenn-Klassiker, bei dem es nicht auf schnelle Zeiten, sondern auf das Material und den Look ankommt. Je näher die ganze Ausrüstung an die Anfänge des »Brettl-Zeitalters« heranreicht, desto mehr Punkte gibt es für den Teilnehmer. Streng nimmt deswegen die dreiköpfige Jury mit Michael Grießer, Christa Zechmeister und Paul Hillebrand die Fahrer im Start- und Zielbereich unter die Lupe. Gelangt der Läufer dann auch noch möglichst dicht an die Durchschnittszeit, ist ihm der Sieg sicher. Dabei wird in zwei Klassen gewertet, je nachdem ob die Ski Stahlkanten haben oder nicht.
Anni Maier vom Club »Leogang anno 1900« ist Nostalgie-Fan, »aber nur was Skifahren betrifft« und am Jenner das ers-
te Mal am Start. Ihr Outfit hat sich die Österreicherin selbst geschneidert, die Anleitung ist aus einer Salzburger Trachtenmappe von 1900. »Den Originalstoff bekommt man natürlich nicht mehr, aber die Form ist so wie damals.« Ihre Ski wurden im Internet ersteigert und »müssten so etwa von 1950 sein«.
Die Familie Brandner aus der Schönau beziehungsweise aus Berchtesgaden ist von Anfang an beim Charivari dabei und hat heute Ski mit Stahlkanten gewählt. »Weil's schon leichter zum Fahren ist«, sagt Tochter Michaela, die dann auch den Sieg bei den Damen holt. Papa Michael senior hat ein altes norwegisches Modell von 1920 angeschnallt, während Michaelas Mann Peter derweil im Startbereich für gute Stimmung sorgt und auf einer alten »Ziach« aufspielt.
Im Generationenverbund gehen auch die Kastners, ebenfalls aus Schönau, ins Rennen. Vorneweg mit der Nummer sieben der elfjährige Tim, dann mit der acht Papa Stefan und schließlich mit der neun der 73-jährige Opa Ludwig. »Dabei sein ist alles«, lautet das Motto des Trios, trotzdem hat der erfahrene Opa ein paar Tipps auf Lager: »Timmi soll langsam fahren und schöne Bögerl machen. Mein Bua wird schon wissen, was er tun muss, und ich fahr hinten nach.« Jedes Jahr sind die Kastners bei Nostalgierennen mit dabei und seit zwei Jahren auch Tim. Ob er sich wohl fühlt in den alten Klamotten? »Es ist eigentlich schon bequem, vielleicht manchmal ein bisschen kalt.« Aber seine Schulkollegen würden ihn sicher auslachen, wenn sie ihn jetzt sehen würden, ist sich der Elfjährige sicher. Dabei sei die blaue Jacke, die er trage, noch von seiner Mutter aus den 40er Jahren, erzählt der Familienoldie stolz.
Fast vergleichbar mit Carvingski seien seine alten Latten, schmunzelt der Schönauer Charivari-Doppelsieger Berti Kastner. Und das sei auch gut so, denn der Hang stehe der gefürchteten Streif in Kitzbühel in nichts nach. »Aber im Ernst, man muss schon ein wenig aufpassen mit den zwei Meter langen Brettern und den weichen Schuhen.« Und weil man das mit 76 Jahren dürfe, habe auch er heute erstmals auf ein Modell mit Stahlkanten zurückgegriffen. »Ausrüstung, Gwand und ich stammen aus dem Jahr 1934«, sagt der langjährige Bergwachtler. Mit seinem ers-
ten Lauf ist er zufrieden. »Ich hätte vielleicht ein bisschen schneller sein können, aber der Schnee ist etwas stumpf, das Wachs war wohl nicht das richtige.« Letztlich wird es aber für Bert Kastner reichen, erfolgreich verteidigt er den Titel und fährt auch 2010 den Sieg lässig nach Hause. Oben drauf gibt's sogar noch einen Sonderpokal für die höchste Punktzahl des Tages.
Die Ergebnisse
Ohne Stahlkanten. Damen: 1. Elisabeth Schinko (Piding), 2. Sieglinde Madleitner (Maishofen), 3. Gisela Bellmer (Schönau am Königssee).
Herren: 1. Tavcar Branko (Slowenien), 2. Walter Traimler (Mürzzuschlag), 3. Karl Trost (Mürzzuschlag), 4. Hannes Nothnagel (Mürzzuschlag), 5. Thomas Steinacher (Mürzzuschlag), 6. Andreas Marcher (Salbach).
Mit Stahlkanten. Damen: 1. Michaela Brandner (Schönau am Königssee), 2. Barbara Taimer (Mürzzuschlag), 3. Elisabeth Kappacher (Skiwagrain), 4. Anni Maier (Leogang Anno 1900), 5. Ursula Koch (Piding), Magda Rechler (Berchtesgaden).
Herren: 1. Berti Kastner (Schönau am Königssee), 2. Peter Siegmund (Schönau am Königssee), 3. Harald Berger (Skiwagrain), 4. Walter Habermann senior (Mürzzuschlag), 5. Sepp Wieser (Skimuseum Werfen-Weng), 6. Georg Anschober (Traunstein).kb
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