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22 Bergtote im vergangenen Jahr

Berchtesgadener Land – Sie führt Tag und Nacht bei jedem Wetter den Rettungsdienst im alpinen und unwegsamen Gelände durch: Die Bergwacht Bayern ist eine ehrenamtliche Gemeinschaft im Bayerischen Roten Kreuz (BRK) und als einzige Organisation für den Bergrettungsdienst im Freistaat zuständig. Zu den 15 Bereitschaften in der Region Chiemgau (Landkreise Berchtesgadener Land, Traunstein und Altötting) gehören aktuell rund 500 aktive Einsatzkräfte, die im vergangenen Jahr zu 926 Einsätzen ausrücken mussten, 67 (rund 7,2 Prozent) weniger als 2015. »Die absolute Zahl spiegelt aber nie den tatsächlichen Aufwand wider, denn an komplexen, größeren Rettungen sind oft 30 oder mehr Einsatzkräfte beteiligt; bei Suchaktionen auch mehrere Tage hintereinander«, erklärt Regionalgeschäftsführer Ludwig Lang.

  • Leben retten unter jeder Bedingung: Die Bergwachten der Region hatten auch im vergangenen Jahr viel zu tun. (Foto: BRK BGL)

Kommt wegen Nebel oder Sturm kein Hubschrauber durch oder ist die Einsatzstelle nicht per Geländefahrzeug erreichbar, so vervielfacht sich der Zeit-, Personal- und Materialaufwand schnell. »Was sonst fliegerisch nur ein bis zwei Stunden dauert, wird bei schlechtem Wetter rasch zu einer komplexen und langwierigen Rettungsaktion – wie in alten Zeiten, als die Bergretter generell zu Fuß auf- und absteigen mussten«, erläutert Lang. Die Zahl der Einsätze hängt vor allem vom Wetter während der Haupturlaubszeiten und davon ab, ob es einen schneereichen Winter gab, da dann allgemein mehr Leute unterwegs sind und die Bergwacht in den Skigebieten viel mehr Arbeit hat.

Im vergangenen Jahr gab es 22 Bergtote in den Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen; 2015 waren es 14. »Bayernweit blieb die Zahl aber mit rund 80 bis 100 Toten jährlich während der letzten Jahre ziemlich konstant«, erklärt Lang.

»Die Anzahl der Einsätze ist vor allem vom Wetter in Kombination mit dem Tourismus abhängig. Ist zur Ferienzeit gutes Bergwetter, dann sind auch mehr Leute unterwegs – und wo mehr los ist, passiert in der Regel auch mehr«, erklärt Thomas Küblbeck, Regionaleiter der Bergwacht Chiemgau. »Früher war vor allem im Winter bei schlechten Verhältnissen kaum jemand am Berg unterwegs, heute sind wir das ganze Jahr über, auch oft in der Nacht gefordert«, sagt Küblbeck.

Steigende Ansprüche an die Bergwacht

Und noch etwas weiß Küblbeck: »Viele Bergsteiger erwarten heute, dass trotz schwierigem Gelände und schlechtem Wetter Hilfe genauso schnell ankommt wie im Tal. Diesem Anspruch können wir aber trotz moderner Technik und bester Ausbildung nur bedingt gerecht werden.« Nach der Strukturreform mit vier Einsatzleitbereichen und einem Netz aus ehrenamtlichen Einsatzleitern, die über vier eigene Fahrzeuge verfügen, arbeitet die Bergwacht in der Region Chiemgau trotz ihres ehrenamtlichen Charakters stetig professioneller. Spezialisierte Gruppen stehen zusätzlich zur Rettung aus wasserführenden Schluchten bereit, kümmern sich um die psychische Betreuung von Betroffenen nach schweren Bergunfällen oder bilden Suchhunde für Lawineneinsätze aus. Die Bergwacht Freilassing ist zusätzlich Bergrettungswache für Höhlenrettung und deckt den südostbayerischen Raum bis Rosenheim und das Salzburger Grenzgebiet in enger Zusammenarbeit mit der Salzburger Höhlenrettung ab.

Notärztliche Versorgung in jedem Gelände

Ziel der Bergwacht Bayern war es während der vergangenen Jahre auch, in jedem Gelände eine notärztliche Versorgung sicherstellen zu können, auch wenn kein Hubschrauber fliegen kann. Dafür wurde eine kompakte Ausbildungsreihe konzipiert, die die reguläre Notarztausbildung mit der Bergwachtausbildung ergänzt; mittlerweile ist die Region Chiemgau gut mit Bergwacht-Notärzten und Sanitätern versorgt. Der Bergwacht-Notarzt ist zu allen Jahreszeiten geländegängig und mit den Bergrettungstechniken sowie den speziellen medizinischen Notfallszenarien der Bergrettung vertraut. Er ist auch unter schwierigsten Bedingungen für die medizinische Versorgung des Notfallpatienten verantwortlich. Bereits ausgebildete Notärzte durchlaufen bei der Bergwacht Bayern eine umfassende Basisausbildung im Bergsteigen und eine Grundausbildung Bergrettung. Im Anschluss nehmen sie an schweren Bergrettungseinsätzen teil. ml

Quelle: Berchtesgadener Anzeiger

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