Sportler Hautnah

Marcus Burghardt plant neunte Tour de France

Sie werden als „Edelhelfer“ bezeichnet. Das sind in der Regel sieben Fahrer eines Radteams bei Rundfahrten und Klassikern. Einer der besten seiner Zunft ist Marcus Burghardt.

Der 33-jährige ist am Samerberg daheim und einer der wichtigsten Radrennfahrer im Team „Bora-hans-grohe“ aus Raubling. Seine Aufgabe ist es, den Kapitän des Teams während einer Etappe sicher ins Ziel zu bringen. „Wir müssen aufpassen, dass am Anfang des Rennens keine großen Gruppen weggehen. Dafür sind zwei Mann zuständig. Vier Mann sind es im Mittelteil, die bei Attacken aufpassen. Ich bin bis zum Schluss beim Kapitän und muss ihn quasi nach Hause bringen“, erklärt Burghardt.

Der aktuelle Weltmeister Peter Sagan ist der Star des Teams von „Bora-hans-grohe“. Als ein umgänglicher und lustiger Typ, wird er beschrieben. Für seine Aufgabe muss Marcus Burghardt Topfit sein. Am Renntag ist zunächst ein ausgiebiges Frühstück angesagt. Während des Rennens ist es auf den ersten 100 Kilometern wichtig, viele Riegel zu essen. Das bringt die Kohlehydrate. Nach jedem Sektor ist es ratsam, Gel zu nehmen und viel zu trinken. Der Kraftverschleiß bei einem Radrennen ist gewaltig, darum müssen die Speicher immer schön aufgefüllt werden.

Zuletzt hat Marcus Burghardt mit seinem Team eine große Herausforderung zu bewältigen gehabt. Das Rennen Paris-Roubaix, es wird umgangssprachlich die „Hölle des Nordens“ genannt. Vor den Fahrern liegt eine Strecke von 254 Kilometern, davon knapp 60 sind Kopfsteinpflaster. „Das heißt erhöhte Sturzgefahr. Wenn einer stürzt, hilft Bremsen nichts mehr, man kann nur noch ausweichen.“ Nach dem Rennen hat der 33-jährige ausgesehen wie ein Kaminkehrer.


Im heimischen Team alt werden

Seit Anfang des Jahres gehört er dem Bora-Team aus Raubling an. Für ihn ein tolles Gefühl, schließlich ist es quasi ein Heimteam. „Ich habe den Eindruck, hier könnte ich alt werden“, meint er lachend. Schließlich ist Bora ein international bekannter Küchenhersteller. Genau richtig für ihn, schließlich schwingt er in seiner knappen Freizeit gerne mal zuhause den Kochlöffel und entlastet Gattin Maria.

Dreizehn Jahre ist er im Profi-Radsport dabei und hat schon alles gesehen und erlebt was der Sport mit sich bringt. Seine Erfahrung ist bei den jungen Fahrern gefragt. Vor allem wenn es im Sommer zur Tour de France geht. Zum neunten Mal nimmt er an der „Mutter aller Rundfahrten“ teil. 3500 Kilometer in drei Wochen, da braucht man gutes Sitzfleisch. Vergangenes Jahr ist er mit seinem Team BMC auf dem dritten Platz gelandet. Auch da hat er seine Interessen zurückstellen müssen. „Das ist halt das Los eines Edelhelfers und dafür werde ich gut bezahlt“, gibt er zu.

2008 hat er aber einmal eine Etappe bei der Tour gewonnen. Drei Jahre später hat er seinem Kapitän Cadel Evans zum Gesamtsieg verholfen. Seine sportlichen Fähigkeiten beschreibt er lapidar: „Ich kann nichts richtig gut und nichts richtig schlecht. Dadurch kommst du in die Klassikerschiene im Frühjahr. Da bekommst du die Tempohärte und lernst, wie du in Positionskämpfen die Ellenbogen ausfahren musst.“ Seine erste Tour de France hat er 2007 bestritten. Der Start ist vor dem Buckingham-Palast in London für zweieinhalb Millionen Zuschauer gewesen. Das bedeutet Gänsehaut pur. Burghardt liebt die Zuschauermassen, auch wenn sie den Fahrern nur schmale Gassen lassen. „Die warten stundelang auf uns und wir wollen ihnen zeigen, was wir können.“ Auch wenn die Situationen oft kniffelig sind. 



Die größten Fans sind die zwei Töchter

Darum ist er seiner Mutter heute noch dankbar, dass sie den jungen Marcus zu einem Radsportverein damals im Erzgebirge gebracht hat. Sein Talent ist relativ spät erkannt worden. Erst so mit 18 hat er gemerkt, das könnte sein Beruf werden. Den großen Schritt hat er im U23-Team von „Wiesenhof“ aus Leipzig gemacht und es dadurch auch in die Nationalmannschaft geschafft. 2005 hat er einen Profi-Vertrag bei T-Mobile bekommen. Später wechselte er zum „Team Columbia Highroad“ und dann zu „BMC-Racing“.

Seit geraumer Zeit wohnt er am Samerberg, der Liebe wegen. Bei der Bayern-Rundfahrt vor zehn Jahren hat er seine Frau Maria kennengelernt. „Ein fesches Madel, habe ich mir damals gedacht“, erinnert sich. Gefunkt hat es aber erst während der anschließenden Tour de France, zu der er seine Maria zur letzten Etappe eingeladen hatte. Ausgerechnet also in der Stadt der Liebe, in Paris. Mittlerweile hat das Paar zwei kleine Töchter. Lena-Sophia und Theresa sind die größten Fans von Papa. Während in Deutschland der Radsport erst wieder langsam das Vertrauen der Fans gewinnt, ist der Hype in Frankreich, Italien oder Belgien ungebrochen. In Belgien hat er sogar einen eigenen Fanclub. „Wir sind durch die Dopingskandale ganz schön gebeutelt gewesen und durch ein extremes tiefes Tal gegangen. Langsam kommen aber die Medien, Sponsoren und Fans zurück. Das ist ein gutes Zeichen, vor allem für den Nachwuchs“, freut sich der bekennende Fan bayrischer Lederhosen.

Daheim am Samerberg genießt Marcus Burghardt die Ruhe, wenn er mal gerade eine Rennpause hat. Ans Aufhören denkt Markus Burghardt trotz seiner 33 Jahre noch nicht „Mir macht es Spaß und meine Trainingsfahrten mache ich da, wo andere Urlaub machen und das mit dem Sitzfleisch passt nach wie vor.“

Text: Siegi Huber
Bilder: Ernst Wukits

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