Berchtesgadener Land

In 25 Jahren mit 400 000 Euro Menschen geholfen

Berchtesgaden – Was vor 25 Jahren mit einem Quadratmeter Ladenfläche begann, hat bis zum heutigen Tag unzähligen armen Menschen ein besseres Leben ermöglicht.

  • Was einst auf kleinster Fläche begann, ist nun ein Erfolgsprojekt: Annegret Gaffal kümmert sich seit 25 Jahren um den Berchtesgadener Eine-Welt-Laden. Dieser ist nun neben dem Eingang zum Kurgarten untergebracht, in der ehemaligen Berchtesgadener DAV-Geschäftsstelle. (Fotos: Voss)
  • Um nicht barfuß herumlaufen zu müssen, haben die Menschen in Tansania etwas erfunden: Sie machen sich Sandalen aus alten Autoreifen. Gaffal hat ein paar davon als Andenken zu Hause.
  • Sarah Ernest hat es mit der Unterstützung des Berchtesgadener Weltladens geschafft. Sie war einst ein Straßenkind und hat ihren Abschluss an einer Schule geschafft. Dieses Bild war für Annegret Gaffal die schönste Weihnachts-Überraschung, erzählt sie.

Annegret Gaffal hat damals mit einem kleinen Team den Eine-Welt-Laden in Berchtesgaden ins Leben gerufen und seitdem 400 000 Euro für soziale Projekte gesammelt – zum Beispiel für Straßenkinder in Tansania. Am 1. Juli feiern Gaffal und ihre 20 Unterstützer das große Jubiläum im Kurgarten mit einem vollen Programm (siehe Kasten). Dazu sind alle willkommen.

Alles begann 1991 mit den traurigen Eindrücken, die Annegret Gaffal, ihr Mann Franz, ihre Tochter, Dieter Bobek sowie drei weitere Frauen bei einer Reise nach Tansania gesammelt haben. Davon erzählt sie bei einem Besuch des »Berchtesgadener Anzeigers« im Eine-Welt-Laden am Eingang des Kurgartens. »Wir waren damals mit einer Reisegruppe des evangelischen Dekanats Traunstein in Tansania«, erzählt Gaffal und stellt die Waren auf dem Verkaufstisch in der Mitte des Ladens um. Damals waren sie bei Kirchen-Einweihungen dabei und haben 15 verschiedene Dörfer besucht.

Geschockt von der extremen Armut der Kinder

Von der Armut der Menschen waren die Reisenden so geschockt, dass sie entschieden: »Wir müssen etwas tun, um ihnen zu helfen.« Ganz zu schweigen davon, dass die Kinder in den Dörfern noch nicht einmal Schuhe an den Füßen hatten, gab es auch keinerlei Spielzeug. Gaffal erinnert sich: »Sie hatten keine Bälle, also haben sie Plastiktüten zusammengeknüllt und mit einer Schnur umwickelt. Das war dann ihr Spielball.«

Wieder zurück in Berchtesgaden suchten Gaffal, Bobek und die anderen Reisenden in der katholischen und evangelischen Kirchengemeinschaft – »und unter unseren Freunden« – Interessierte, die auch mitmachen wollen. Zu den insgesamt 25 Helfern gehörte auch der damalige Vikar Frank Witzel. 1992 war es dann so weit, der heimische Eine-Welt-Laden wurde ins Leben gerufen. Ein Jahr später folgte erst der Verein Eine-Welt-Kreis. Das erklärt Annegret Gaffal so: »Wir mussten zunächst finanziell flexibel sein. Darum kam der Laden zuerst. Außerdem dauert so eine Vereinsgründung lange, man braucht eine Satzung und vieles mehr.«

Ein Laden?

Nach dem Entschluss stand noch die Frage offen, wo sollen die fair gehandelten Produkte verkauft werden? Dabei half der Vikar. Witzel lebte damals im Schaitbergerhaus im Sunklergäßchen und sorgte dafür, dass das Ladenteam dort einen Quadratmeter Lagerfläche bekam und zweimal pro Woche einen großen Tisch im Foyer aufstellen durfte, auf dem die Produkte verkauft werden konnten. Dafür waren die engagierten Berchtesgadener auch sehr dankbar: »Wir hatten ja kein Geld für etwas anderes«, gibt die heute 75-jährige Annegret Gaffal zu bedenken. Denn: »Gewinne und Spenden haben wir in unsere Projekte gesteckt.«

Beim Erzählen fängt Gaffal plötzlich an, zu lachen: »Ach ja, die Zeitschaltuhr«, ruft sie. Damals gab es im Schaitbergerhaus die Licht-Regelung per Zeitschaltuhr. So stand das Weltladenteam aufgrund besagter Zeitschaltuhr des Öfteren plötzlich im Dunkeln. Dann mussten eben Streichhölzer herhalten. All die Mühe hat sich jedoch früh gelohnt. Mit den ersten Einnahmen konnte 1993 zum Teil ein Waisenhausdach in Brasilien und zum Teil eine Wasserleitung in Bumila/Brasilien gebaut werden.

Im März 1994 zog der Eine-Welt-Laden schließlich um ins Salettl beim ehemaligen Nationalpark-Haus neben dem Franziskanerkloster. Jetzt ist dort das Haus der sozialen Dienste der Caritas untergebracht. Aber damals war die Holzhütte, hinten im Garten des Hauses, der ideale Platz, wie Gaffal betont: »Ich habe immer gesagt: Deutschlands schönster Arbeitsplatz.« Dieser Umzug war unter anderem notwendig, weil die Nachfrage gestiegen und somit das Sortiment größer geworden war. Der ehemalige Leiter des Nationalparks Berchtesgaden, Dr. Hubert Zierl, und Adalbert Bauer hatten sich für diese Möglichkeit stark gemacht.

Die Ladenbetreiber mussten auch im Salettl Kompromisse eingehen. »Es gab keine Heizung«, erinnert sich Annegret Gaffal. »Wir hatten aber einen Radiator«, schiebt sie nach. Dennoch war sie begeistert von dem schönen Ort.

Diese Zeit endete 2013, als das Haus der Berge kam. »Wir konnten nicht mit umziehen, weil es keinen Platz gab«, lautete die Erklärung für den Weltladen. Denn dann hätten alle aus dem Nationalpark-Haus mit ins Haus der Berge müssen, auch der Deutsche Alpenverein und die Naturfreunde. Die Lösung: Die leer stehende DAV-Geschäftsstelle im Kurgarten.

Seitdem präsentieren die ehrenamtlichen Verkäufer hier die fair gehandelten Waren. Dazu gehören – und das von Anfang an – Kaffee, Honig, Tee, Schokolade und Kakao. Mittlerweile gibt es sogar handgemachte Taschen aus Madagaskar und aus Speckstein gemeißelte, filigrane Elefantenfiguren aus Kenia. Für die Lebensmittel haben Gaffal und ihr Team immer lange Fahrten auf sich genommen, zu der Firma »Gepa« in der Nähe von Dachau. »Das wurde uns nach drei, vier Jahren zu anstrengend«, winkt Gaffal ab. Jetzt lässt sie alles liefern. Das Team darf einen Raum in der Insula als Lager verwenden, erklärt sie dazu.

Und die Arbeit lohnt sich immer noch. Mit strahlenden Augen erzählt die 75-Jährige von einem Weihnachten vor fünf Jahren: »Sarah Ernest, ein ehemaliges Straßenkind, das wir immer unterstützt haben, hat mir geschrieben. Sie hat ein Bild mitgeschickt, auf dem sie mit Absolventenkappe und Kutte zu sehen ist. Sie hat es geschafft. Das hat mich so sehr gefreut.« Das Weihnachten der Familie Gaffal war gerettet, erzählt sie weiter: »Ich dachte mir: Jetzt kann ich zufrieden in die Kirche gehen.«

Wer mehr über die Projekte des Eine-Welt-Ladens erfahren möchte, kann sich im Laden informieren oder auf der Internetseite www.einewelt-bgd.de. Oder auch bei der großen Feier zum 25. Jubiläum am Samstag, 1.  Juli, ab 12 Uhr mittags im Kurgarten. Annabelle Voss

Quelle: Berchtesgadener Anzeiger

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