Lokalnachrichten BGL

Showdown in Schönramsgaden - Sepp Rasp ist am Ende

Bouldern. Oder Speedskibergsteigen. Vielleicht Twentyfourhourmountainhiking. Das Schönramsgadener Land ist berühmt für seine intellektuell ansprechenden Freizeitbeschäftigungen. Leider ist der Rasp-Sepp a weng houschia. Kraxeln kann er also nicht, weil er Höhenangst hat. Wachseln bringt auch nichts, weil er mit seinen ominösen O-Haxen einen einwandfreien Einkehrschwung nicht hinbringt. Und schnackseln ... Naja, man wird halt auch nicht jünger. Aber spaxeln geht noch. Doch im Moment gibt es nichts zum Herumschrauben.

  • Auch wenn es um ihn herum rundgeht, der Rasp-Sepp bleibt ruhig. Ruhig hingehen kann man zur Ausstellung »Berchtesgadener Panoptikum« in der Galerie Ganghof, die am Montag eröffnet wird.

Nix los in dem Kaff. Kaffee schmeckt auch nicht. Elvis Presley hat schon wieder die falsche Arabica-Robusta-Mischung aus Anbaugebieten in Papua-Neuguinea und Kuala Lumpur gekauft. Die Textur ist viel zu holzig, geradezu brikettartig. Und beim Abgang zieht's einem die Sicherheitsschuhe aus. Außerdem haben die Bohnen viel zu viel Säure. Der Sepp wird sauer: Keine Verkehrssünder. Keine Ladendiebstähle. Keine Schlägereien in der Rauschkuchl. Fad, des is so fad.

Deshalb gönnt sich der Sepp erst mal eine Matzwann-Praline. Als er gerade die mit weißer Schokolade bedeckten Bergspitzen abknabbert, wird er noch grantiger. Die Mordserie fällt ihm wieder ein. Die Welt ist so schlecht, sinniert der Sepp. Alles geht bergab. Vor allem im Gebirge. Und der Mensch, also der Mensch an sich, hat immer mehr Pflichten. Die Rechte werden immer weniger. Sogar die Almrechte.

Das kann nicht sein, flucht der Sepp und beißt in seinen Fairtrade-Leberkas. I kannt speim. Jetz pack i mir den Mörder. Der Sepp hat zwar noch immer keinen blassen Schimmer, wer die Morde begangen haben könnte. Aber es muss ja jemand gewesen sein. Und den wird er schon finden. Jetzt.

Als der Sepp gegen 17.13 Uhr die schwere Holztür der Inspektion aufmacht und nach draußen tritt, pfeift ihm ein eiskalter Wind um seine Ohrwascheln. Auf dem Penner und dem Hochbett liegt schon Schnee. Ein Unwetter dräut. Wobei »dräuen« ein Wort ist, das der Sepp sonst nicht verwendet. Aber heute schon. Denn heute wird es enden. Er oder ich, raunt der Sepp. Tot oder lebendig. Jetzt oder nie.

Senf oder Ketchup, fragt die pummelige Metzgereifachangestellte. Pur, sagt der Sepp und lächelt selig, als ihm die pralle Pressack-Petra die Leberkassemmel reicht. Der Sepp steht in der Lounge seiner Lieblingsmetzgerei und schaut durch die vom vielen Dampf und Fett milchige Fensterscheibe auf den Marktplatz. Im Prinzip könnte jeder von den Deppen da draußen der Mörder sein, denkt sich der Rasp-Sepp, dreht sich wieder in Richtung Wursttheke und gibt sich seiner Leberkassemmel hin.

In dem Moment beginnt draußen ein grausiges Spektakel. Hinter den dunkelgrauen Wolken verschwindet gerade der letzte Strahl der blutroten Sonne. Ein heftiger Wind peitscht die Coffee-to-go-Becher über den Markplatz. Ein hageres, ganz in Schwarz gekleidetes Männlein huscht an den Fassaden entlang und schreit jedem entgegen: »Nehmt euch Zeit, um fröhlich zu sein.« Das ist unheimlich, stimmt schon. Aber das ist nur Bruder Mauritius, der kleine Mönch. Der ist harmlos. Nein, der Mörder ist jemand anders.

Blitze zucken bedrohlich über dem Matzwann. Das Blut gefriert in den Adern. Da kommt er, der Himmel hilf, da kommt er! Mit beinahe übermenschlich großen Schritten und inszenierter Lässigkeit stolziert ein überlegen wirkender Grinsemann über das blutrote Kopfsteinpflaster. Seine Kleidung zeigt den typisch urbanem Chic Schönramsgadens: Haferlschuhe, Radlerhose, Funktions-T-Shirt und schlecht sitzendes Sakko. Der Blondschopf brüllt: Erstens ist das kein Kopfsteinpflaster, sondern Granitplattenbelag aus dem Bayerischen Wald. Und zweitens ist der Farbton nicht blutrot, sondern eine Mischung aus Hellgrau, Bläulichgrau und Gelblichgrau. Ich weiß das, ich bin Bauingenieur. Und der Bürgermeister. Ohne mich hättet ihr überhaupt keine Fußgängerzone. Und kein Hotel Enzian. Und kein Haus der Zwerge. Und keinen Feuerwehrbedarfsplaaaaahhhhhhhhhhhh ...

Von hinten springt ihm der aus der Haft entflohene Psychopath an die Gurgel und krächzt: Du wirst Bergschnullermarkt nicht eingemeinden. Der Blonde schüttelt den Zwerg lässig ab und spricht: Meine sehr verehrten Damen und Herren, das Problem mit der Kirchgasse würde ich im Schlaf lösen. Schließlich bin ich Bauingenieur. Das ist zu viel für das Mannei. Bevor er sich in Luft auflöst, winselt er: Ich bin doch nur ein armer Wicht. Was habt ihr alle gegen mich? Ich bin's, euer Habicht-Hans. Doch das interessiert ja keinen ... Und weg isser.

In dem Moment tritt Toni Neuhofer, der Bürgermeister von Papstfelden und schönste Mann im Talkessel, dem Schönramsgadener Bauingenieur gegenüber. Mit seinen türkisblauen Augen fixiert er seinen Kollegen. Es ... is ... a ... so. De ... Almrechte ... g'hern ... uns. Und ... kommunales ... Baurecht ... homma ... ned ... verletzt. Aber ... a ... Bürgerentscheid ... is ... a ... demokratisch ... legitimes ... Mittel.

Unschöne Szenen in der schönen Schönramsgadener Fußgängerzone. Die Passanten sind so fasziniert vom Balzkampf der Bürgermeister, dass sie gar nicht bemerken, dass der Kurz-Franz blutüberströmt über den Marktplatz hastet. In der Hand hält er ein, ebenfalls blutverschmiertes, Stück Stuck. Hinter ihm her hechten die Special Forces der Schönramsgadener Polizei. Allen voran Hauptkommissar Elvis Presley.

In der Eile rennt er den Sieben-Sterne-Koch Peppi Haflinger über den Haufen, der seinen Freiluftgästen gerade Leberkasfondue serviert. Wos is denn do los, will er von Elvis wissen. Der Kurz-Franz wollte gerade den mäßig talentierten Anzeiger-Redakteur sfc mit einem Stuck erschlagen. Weil der doch einen diffamierenden Heimatkrimi geschrieben hat. Da muss der Haflinger-Peppi lachen. Geh, den Schmarrn liest doch eh koana. Außer de Todesanzeigen steht doch im Anzeiger bloß Kas. Aber die neue Homepage ist der Hammer, betont der Polizeichef. Auf alle Fälle. Topaktuell, innovativ, informativ und interaktiv. Wir sind Heimat, schießt der Peppi hinterher.

Während der Presley-Elvis und der Haflinger-Peppi Schleichwerbung für den Schönramsgadener Anzeiger machen, wird der Vorsprung vom Kurz-Franz immer größer. Diabolisch grinsend dreht er sich um und plärrt seinen Verfolgern entgegen: Ihr dawischts mi ned, ihr bleden Hirschen.

In dem Moment stolpert der Franz über die Auslagen des Mineraliengeschäfts und stürzt. Im Fall kann er noch das Schild, das über den Amethysten hängt, lesen. Hilft gegen Kopfschmerzen, Schwindelattacken und innere Blutungen. Komisch, denkt sich der Franz, jetz is mir des ganze Kastl mit de Stoana auf'n Schädel g'foin. Aber de wirken einfach ned. Und der Stein der Weisen war anscheinend a ned dabei, sagt der Elvis trocken, als er dem Franz die Handschellen anlegt.

Häh, du Bullizist! Die Pressack-Petra reißt den Rasp-Sepp unsanft aus seiner Leberkassemmelmeditation. Du, de hom grod den Mörder g'fasst. Jetz bringan's 'n weg. Drah di um, du Depp. Der Sepp schluckt runter und raunzt die Pressack-Petra an: Also, mit Beamtenbeleidigung ... Umdran soist di, du Kaschperl.

Als der Rasp-Sepp seinen uniformierten Beamtenapparat endlich um 180 Grad gedreht hat, sind die Special Forces mit dem Kurz-Franz gerade aus seinem Blickfeld verschwunden. Zefix, jetz woaß i ned, wer der Mörder is, flucht der Polizeihauptmeister. Ah, is wurscht.

Werbung für Peter Kargers Galerie Ganghof: Alles hat ein Ende. Auch dieser Roman. Drum geh'n wir am Montag zu Karger und schauen uns die Bilder an. cfs

Quelle: Berchtesgadener Anzeiger

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