Berchtesgadener Land

71-Jähriger wird bewusstlos und geht unter

Laufen – Zu einem schweren Badeunfall kam es am Montag gegen 12 Uhr am Abtsdorfer See: Ein 71-Jähriger wurde beim Schwimmen plötzlich bewusstlos und ging unter.

  • Wasserwacht

Ein Ehepaar aus Salzburg besuchte über die Mittagszeit das Freizeitgelände und begab sich zum Schwimmen in den See. Noch beim Hineingehen am Uferbereich verlor der 71-jährige Ehemann nach bisherigen Erkenntnissen plötzlich das Bewusstsein und ging unter.

Zwei Ersthelferinnen erkannten sofort die Situation. Auch die in der Nähe befindliche Ehefrau rief gleich um Hilfe. Zum Glück hatte der Senior ein Schwimmbrett am Arm festgebunden, sodass er gut gesehen werden konnte, obwohl er bereits deutlich unter Wasser war. Die beiden Helferinnen zogen den Mann aus dem Wasser. Eine weitere hinzugekommene, fachkundige Ersthelferin leitete sofort erste Wiederbelebungsversuche ein und alarmierte den Rettungsdienst. Der 71-Jährige wurde mit dem Rettungshubschrauber in die Kreisklinik Traunstein geflogen.

Im Einsatz waren der Rettungshubschrauber "Christoph 14" aus Traunstein, ein Notarzt und Rettungswagen aus Freilassing und das Kriseninterventionsteam Berchtesgadener Land sowie die Polizei Laufen.

Polizei dankt den Helfern

Besonders bedanken möchte sich die Laufener Polizei bei den Ersthelferinnen, die den älteren Mann sofort an Land gebracht, mit der Reanimation begonnen und sich auch um die anwesende Ehefrau bis zum Eintreffen der Fachkräfte gekümmert haben – dieses Verhalten hat dem Senior das Leben gerettet!

Rotes Kreuz erinnert an Baderegeln und gibt Tipps zur Rettung

Aufgrund der beiden Ertrinkungsunfälle im Thumsee (10. Juni 2017) und im Abtsee (19. Juni 2017) erinnert die BRK-Wasserwacht an die wichtigen Verhaltensregeln bei derartigen Notfällen. „Das Wichtigste ist immer, gleich den Notruf 112 zu wählen. Nur dann kann die Leitstelle in Traunstein die rasche Rettung in die Wege leiten“, erklärt Kreis-Wasserwacht-Chef Rudolf Schierghofer. Wenn man einen Ertrinkungsunfall mitbekommt, sollte man folgende Grundregeln beachten: Ruhe bewahren, Notruf absetzen, Hilfe rufen, dem Ertrunkenen helfen, ohne sich selbst in Lebensgefahr zu begeben und an Land dann Erste Hilfe leisten, bis Notarzt und Sanitäter eintreffen.

„Ruhe bewahren ist natürlich nicht einfach, ist aber mitunter der wichtigste Schritt. Den Notruf kann jeder absetzen, der ein Telefon bedienen kann; anschließend sollte man laut um Hilfe rufen, damit möglichst noch andere Ersthelfer kommen und mithelfen“, betont Schierghofer. Dem Ertrinkenden helfen: Mit Hilfe eines Bootes kann man sich dem Patienten nähern, wenn kein Boot zur Verfügung ist, sollte man ihn anschwimmen. „Als Retter sollte man immer ein schwimmfähiges Hilfsmittel dabeihaben, das man dem Patienten reichen kann. Ein Ertrinkender ist immer panisch und versucht mit allen Mitteln,  über Wasser zu bleiben. Reicht man ihm die Hand oder kommt man sich zu nahe, besteht die Gefahr, unter Wasser gedrückt zu werden“, warnt Schierghofer, der auch Ausbilder im Rettungsschwimmen ist. An vielen Badeseen sind aus diesem Grund Rettungsringe am Ufer angebracht. Ist kein Rettungsgerät vorhanden, kann man eine Luftmatratze oder andere schwimmfähige Gegenstände nehmen, die man dann dem Patienten aus sicherer Entfernung reicht.

Hat der Ertrinkende das Hilfsmittel gegriffen, muss man ihn zügig an Land bringen. Der einfachste Weg ist natürlich mit einem Boot; wenn kein Boot vorhanden ist, muss er notfalls schwimmend gezogen werden. Ist der Patient an Land ansprechbar, so ist Erste Hilfe nach Bedarf zu leisten – einfach mit dem Patienten sprechen – wichtig hierbei ist vor allem der Wärmeerhalt, beispielsweise mit einer Rettungsdecke. Sollte der Patient nicht bei Bewusstsein sein muss die Atmung kontrolliert werden. Eine Atemkontrolle besteht aus „Sehen, Hören und Fühlen“ rund zehn Sekunden lang.

Wenn der Patient bewusstlos ist und atmet, muss er sofort in die stabile Seitenlage gebracht und überwacht werden, bis die Rettungskräfte eintreffen – ein weiterer Anruf bei der Leitstelle mit dem Hinweis „Patient ist bewusstlos, aber atmet“ ist hilfreich für die weitere Planung des Einsatzablaufs. Hat der Patient keine Atmung mehr, muss sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) begonnen werden. „Wenn in der Nähe ein Frühdefi (AED) vorhanden ist, sollte das Geräte sofort mit eingesetzt werden, da dann die Chancen überaus gut sind , dass der Patient ohne bleibende Krankheiten das Ereignis übersteht“, beton Schierghofer.

Als Retter sollte ich man kein zu großes Risiko eingehen und sich selbst nicht in Lebensgefahr bringen. Wichtig ist immer abzuschätzen: Kann ich die Strecke aus eigener Kraft schwimmen, habe ich Kinder dabei, auf die ich aufpassen muss, fühle ich mich selber fit, um zu helfen? Wenn man als Aufsichtsperson für Kinder unterwegs ist, kann man meist nicht mehr tun, als den Notruf abzusetzen und weitere Ersthelfer herbeizurufen. Im Landkreis gibt es vier Ortsgruppen der BRK-Wasserwacht. Bei jeder kann man das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen (DRSA) ablegen. „Jeder Mensch sollte einmal im Leben zumindest das bronzene DRSA machen. Hier werden die Grundlagen für die Rettung von Ertrinkenden erklärt, ausgebildet und geprüft“,  erklärt Schierghofer, der Interessierten anbietet, einfach Kontakt zur örtlichen Wasserwacht aufzunehmen.

Unbedingt Baderegeln beachten

Damit überhaupt nichts passiert, sollten die Baderegeln beachtet werden: Achte auf die Wassertemperatur; springe nie erhitzt ins Wasser! Kühle Dich vorher ab! bade nie mit vollem Magen; gehe nicht übermüdet ins Wasser! Schwimme oder tauche nicht im Bereich von Sprunganlagen! Unterlasse das Rennen am Beckenrand! Verlasse das Wasser sofort, wenn Du frierst! Trockne Dich nach dem Baden gut ab! Stoße nie andere ins Wasser! Verlasse bei Sturm, Gischt oder Gewitter das Wasser! Gehe nicht unter Alkohol- Medikamenten- oder Drogeneinfluss ins Wasser! Benutze als Nichtschwimmer nie aufblasbare Schwimmkörper als Schwimmhilfe! Springe nie in unbekanntes oder trübes Gewässer! Beachte Warnhinweise, Begrenzungen, Absperrungen und Bojen! Tauche nicht mit beschädigtem Trommelfell oder einer Erkältung! Meide Wasserpflanzen, Wehre und Strudel! Schwimme lange Strecken nie ohne Bootsbegleitung und bade nie allein! Rufe im Notfall rechtzeitig um Hilfe! Beachte die besonderen Gefahren am und im Meer! Bleibe weg von Schiffen und Wasserfahrzeugen!

Pressemeldung des BRK BGL, Text und Fotos: Leitner

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