Berchtesgadener Land

Königssee-Geschäftsleute wollen klagen

Schönau am Königssee – »Irgendwann ist genug«, sagt Franz Schoen, Sportladeninhaber an der Seestraße am Königssee.

  • Das linke Stofftier ist sonntags zum Verkauf verboten, das rechte hingegen nicht, weil der Schriftzug »Königssee« den Hosenträger ziert. (Fotos: Pfeiffer)

Gemeinsam mit Markus Zeitz, der hier einen Trachtenladen betreibt, will er nun gegen das Ladenschlussgesetz des Bundes klagen. Denn bis heute dürfen die Geschäftsleute sonntags nicht verkaufen. Nur ortskennzeichnende Waren können an den Kunden gebracht werden – darunter fallen auch so skurrile Artikel wie Waschlappen mit Königssee-Aufdruck. Bei Zuwiderhandlung drohen hohe Geldstrafen.

Vera Thiel ist seit knapp 40  Jahren Souvenirhändlerin. Sie hat einen großen Laden, der an der Seestraße liegt. Tausende Besucher gehen hier bei schönem Wetter jeden Tag vorbei. Im Angebot hat sie von der klassischen Postkarte über Stofftiere und Socken auch kleine Lichthäuschen »made in China« oder eine Packung Murmeltierfett. Ob Sonnenbrille, Kochlöffel oder Waschlappen mit Aufdruck »Fürs Goscherl – Königssee« – hier findet man vieles. »Das sind Dinge, die unsere Gäste kaufen und ihren Verwandten mitbringen«, sagt Thiel.

Seit rund fünf Jahren dürfen die Geschäftsleute offiziell aber sonn- und feiertags nicht mehr öffnen. Nur ortskennzeichnende Waren sind zum Verkauf erlaubt. Vera Thiel lässt ihr Geschäft an diesen Tagen geschlossen und verkauft nur vor dem Geschäft Dinge mit Ortsbezug. Etwa Holz-Kochlöffel, auf die sie einen »Königssee«-Schriftzug hat einbrennen lassen. Oder Postkarten. Oder Kühlschrankmagnete mit Königssee-Motiv. Denn das, was ihr vor einiger Zeit passiert ist, soll sich nicht mehr wiederholen.

Wegen eines Meterstabs mit dem Aufdruck »Nur die Besten sind bei der Feuerwehr« hat sie damals mächtig Ärger bekommen. Eine Testkäuferin aus dem Landratsamt Berchtesgadener Land, die sich als gewöhnliche Kundin ausgegeben hatte, kaufte jenen Zollstock, der gewöhnlich einen »Königssee«-Aufdruck aufweist. »Wir hatten die Gravur aber vergessen«, sagt Vera Thiel.

1 000 Euro Bußgeld

Einige Wochen später erhielt sie Post aus dem Landratsamt. Samt einer Geldforderung über 1 000 Euro. Bei der nächsten Zuwiderhandlung müsste sie 2 000 Euro zahlen. »Das ist absoluter Irrsinn«, sagt Vera Thiel. Einigen ihrer Kollegen ging es ähnlich. Mittlerweile haben sonntags aber sowieso nur noch die wenigsten Geschäfte am Königssee geöffnet. Die, die es durchziehen, verdecken alle »verbotenen Waren« mit weißen Leintüchern. Die Gäste, die den See besuchen, wundern sich dann, dass sie nichts kaufen können. Das weiß man auch in der Touristinfo von Schönau am Königssee. Dort hat es in den letzten Jahren immer wieder Beschwerden gegeben.

Zumal es andere Landkreise gibt, in denen sonn- und feiertags alle möglichen Dinge verkauft werden. Franz Schoen, der Sportladeninhaber, ist dazu an mehreren Sonntagen eigens durch Bayern gereist und hat Testkäufe getätigt, etwa in Rothenburg ob der Tauber. Die Artikel hat er alle in einer Tüte gesammelt, samt Kassenbeleg mit Datum. Vom Kartoffelschäler über eine »Bayern München«-Mütze bis hin zur in China gefertigten Billigvariante einer Kuckucksuhr mit dem Aufdruck »Germany« ist jeder nur vorstellbare Krimskrams darunter. »Es kann doch nicht sein, dass wir am Königssee nicht verkaufen dürfen, in anderen Landkreisen ist das aber kein Problem.« Es müsse endlich eine einheitliche Regelung gefunden werden, sagt er.

Seit 2006 wird der Ladenschluss über die Föderalismusreform in den Ländern selbst geregelt. In Bayern gilt das Bundesgesetz. Laut einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts darf an Sonntagen nur verkauft werden, wenn es einen Anlass gibt, etwa, wenn ein Fest stattfindet. Touristenregionen dürfen auch verkaufen. Aber nur bestimmte Artikel, darunter fallen Souvenirs, Bademoden oder auch alkoholfreie Getränke – oder eben ortskennzeichnende Waren. Theoretisch ließe sich jedes Produkt so verkaufen. Es reicht aber nicht, einen »Königssee«-Aufkleber auf die Tischdecke zu kleben, sondern der Schriftzug muss unlösbar mit dem Produkt verbunden, also etwa eingestickt sein, sagt Vera Thiel.

Franz Schoen hat mit seinen Sportartikeln wie Schuhen, T-Shirts oder Sporthosen keine Chance auf einen Sonntagsverkauf. Er wohnt direkt über seinem Laden. An Sonntagen wird er oft hellhörig, wenn vor seinem Geschäft die Gäste vor verschlossenen Türen stehen und wieder sagen: »Die Scheiß-Millionäre haben wohl keine Lust auf Arbeit.« Solche Aussagen stören den Geschäftsmann, der seit Jahren dafür kämpft, dass endlich eine einheitliche Regelung gefunden wird.

Schoen beklagt die Ungleichbehandlung der Ladeninhaber innerhalb Bayerns. Überhaupt sei das Ladenschlussgesetz vollkommen aus der Zeit gefallen. Und obwohl er und Kollege Markus Zeitz sich schon mehrfach an die Politik gewandt und bayerische Landratsämter anderer Tourismusregionen angeschrieben haben, ist bislang wenig passiert. Zumal der Sonntag immer der verkaufsstärkste Tag der Woche war dank Tagestouristen und vollen Bussen, die den Königssee besuchen.

Erfolglose Unterschriftenaktion

Unterschriftenaktionen blieben in der Landeshauptstadt ungehört, obwohl über 6 000 unterschrieben, sagt Schoen, und selbst eine Klage vor dem Verwaltungsgericht, an der sich zwei weitere Königssee-Geschäftsleute beteiligt hatten, brachte nicht den gewünschten Erfolg. »Uns fehlte bislang die Lobby.«

Das soll sich nun aber ändern. Nach der Bundestagswahl streben sie eine weitere Klage an. Sie wollen gegen das Ladenschlussgesetz des Bundes vorgehen. Bereits vor 15 Jahren hatte die Kaufhof Warenhaus AG Verfassungsbeschwerde eingereicht. Der Erfolg blieb aus. Nun ist man zuversichtlich, dass es klappen könnte. Derzeit suchen Franz Schoen und Markus Zeitz weitere Mitstreiter, die die beiden auf ihrem Weg begleiten. Unterstützer können die Geschäftsleute gut brauchen. Denn eine Klage solchen Ausmaßes kann teuer werden. Mehrere Hunderttausend Euro sind realistisch. »Wir brauchen eine moderne Regelung, die für alle gilt«, sagt Schoen. Ausnahmen dürfe es keine mehr geben. Kilian Pfeiffer

Quelle: Berchtesgadener Anzeiger

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E-Mail: poststelle(at)koenigssee.com

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