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»Bavarian Sniper« triumphiert trotz lädierter Schlaghand

Was für ein harter Hund Serge Michel ist, welch taktische und körperliche Ausnahmeleistung er vollbracht hatte, das konnten die 800 euphorisch jubelnden Fans in der TuS-Halle gar nicht wissen, als sich der Lokalmatador bei ihnen für die »Bombenstimmung« bedankte. Denn dass er sich bei seinem klaren Punktsieg gegen den Georgier Zura Mekereshvilli in der zweiten Runde die Schlaghand angebrochen hatte, das verschwieg der »Bavarian Sniper« dem Publikum.

  • Da war die Schlaghand noch unversehrt: Der »Bavarian Sniper« Serge Michel feuert eine Rechte auf Zura Mekereshvilli. (Foto: Thois)

Was der 28-jährige Traunreuter in seiner respektvoll-bescheidenen Art lieber in den Vordergrund stellte, war die aufopferungsvolle Leistung seines Gegners, der vor allem am Anfang riesige Nehmerqualitäten bewiesen habe.

»Für die Zuschauer war bei meinem ersten Heimkampf ja das einzige Manko: Ich war zu schnell«, scherzte Serge Michel in seiner Dankesrede gleich nach dem Acht-Runden-Fight. »Diesmal wolltet Ihr mehr. Und Ihr habt mehr bekommen!« Nämlich hochklassiges Halbschwergewichtsboxen über die volle Distanz.

Wobei Serge Michel seine »Nachtschicht«, die mit dem stimmungsvollen Einmarsch zum Gabalier-Hit »Hulapalu« erst gegen 0.30 Uhr begann, auch wieder zur »Kurzarbeit« hätte machen können. Denn er war der klar bessere Boxer – größer, schneller, druckvoller, präziser. Jedoch bescherte ihm die zweite Runde – statt eines Knock-out-Sieges wie in seinen ersten beiden Profikämpfen – diesmal einen gefährlichen Zwischenfall.

Bei einem rechten Haken fuhr ihm der Schmerz durch die Hand. »Ich habe ihn am Kopf getroffen, aber wohl an einer besonders harten Stelle«, schildert Michel die Situation, die ihn nach einem furiosen, trefferreichen Start den Sieg hätte kosten können. »Ich habe es noch ein, zwei Mal mit voller Wucht probiert, aber gemerkt, dass es nicht mehr geht.«

Seiner stärksten Waffe beraubt, musste der bayerische Scharfschütze das Beste aus der verletzungsbedingten Ladehemmung machen: Er wechselte die Auslage, benutzte die rechte Faust fast nur noch als Führhand, um den Kampf zu kontrollieren, und versuchte, mit links Wirkungstreffer zu setzen.

»Wie er da die Nerven bewahrt und sich bis zum Schluss durchgebissen hat, wie klug er das gegen einen Top-Mann gelöst hat, das zeigt, aus welchem Holz er geschnitzt ist, das macht Weltklassekämpfer aus«, lobte Nadine Rasche vom Petko-Boxstall ihren Vorzeigeathleten für den bravourös bestandenen Charaktertest.

Serge Michel blieb trotz der Blessur mit starker Beinarbeit und flotten Fäusten Herr der Lage – so dominant und überzeugend, dass nur absolute Box-Experten im Publikum überhaupt merkten, dass etwas nicht stimmt. Selbst Zura Mekereshvilli brauchte bis zur fünften Runde, ehe er aus Michels Handicap etwas Kapital schlagen konnte und zu einigen bedrohlichen Schwingern ansetzte. »Ich musste schon auf der Hut sein und schauen, dass ich ihn beschäftige«, meinte Serge Michel. Und so blieb es bis zum Schlussgong doch die Hauptbeschäftigung des 23-jährigen Georgiers, sich hinter seiner Doppeldeckung zu verbarrikadieren.

»Er hat unglaublich gut dichtgemacht, da war es schwer durchzukommen, erst recht mit der falschen Schlagseite«, sagte Serge Michel nach seinem außergewöhnlichen Sieg. »Dürfte angebrochen sein«, lautete Michels erste Einschätzung.

Angst, dass er den Kampf dadurch verlieren könnte, habe er nicht gehabt: »Dafür hatte ich ihn zu gut im Griff.« Und dafür motivierten ihn die lautstarken Anfeuerungen seiner Fans auch viel zu sehr. »Ich danke Euch so für Eure Unterstützung«, rief der »Sniper« nach der Urteilsverkündung ins Mikro. »Respekt an meinen Gegner. Er hat mir alles abverlangt. Er hat durchgehalten, ich musste auch durchhalten, und Ihr habt durchgehalten.«

Weil die 2. Traunreuter Fight-Night diesmal zehn statt acht Kämpfe umfasste, musste auch das Publikum Durchhaltevermögen beweisen. Und tat das angesichts der vielen mitreißenden Ring-Duelle mit großer Begeisterung ganze sechs Stunden lang. Passend zu den mehr als sechs Runden, die ihr Box-Held Serge Michel klaglos mit schwer lädierter Schlaghand meisterte.

Etwas Zeit zum Auskurieren nach seinem fulminanten Profi-Debüt mit drei Siegen binnen vier Monaten wird der Traunreuter aber bekommen. Sein nächster Einsatz ist erst im Oktober geplant, verriet Nadine Rasche. Dann ist eine Petko-Fight-Night im beinahe Las-Vegas-artigen Ambiente des »Infinity«-Hotel-Resorts in Unterschleißheim geplant. Ein weiterer Schritt auf dem sich nun immer deutlicher abzeichnenden Weg an die Weltspitze könnte für Serge Michel noch heuer ein Kampf um den Deutschen Meistertitel im Halbschwergewicht sein.

»Er hat das Zeug, Weltmeister zu werden, das hat er heute in dieser Situation eindrucksvoll bewiesen«, lautete das Fazit seines Boxstall-Chefs Alexander Petkovic. Dieser weiß, von was er spricht. Denn bei dem Ex-Schwergewichtsweltmeister war es einmal ein gebrochener Kiefer, der ihn nicht davon abhielt, einen Kampf durchzustehen und zu gewinnen. tt

Quelle: Traunsteiner Tagblatt

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