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Untreue Frauen, heißblütige Liebhaber und gehörnte Ehemänner

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Unser Bild zeigt eine Szene aus »Bajazzo«: links Alexander Schulz in seiner Rolle als Canjo und Liine Carlsson als Nedda, die hier als Komödiantin auftrat. (Foto: B. Heigl)

Widerliche sexistische Kerle, untreue Frauen, heißblütige Liebhaber und unversöhnliche Ehemänner und das alles mit heißer Nadel zu einer Geschichte gestrickt: Ja, diese Zutaten sind immer ein Garant für spannende Unterhaltung.


Das wusste damals wohl auch Giacomo Puccini, als er die Libretti »Bajazzo« und »Il Tabarro« von Ruggero Leoncavallo in die Hände bekam und sie genial zu vertonen wusste. Heißblütig, aufregend und prickelnd ist auch die Inszenierung bei den Opernfestspielen auf Gut Immling, für die Verena von Kerssenbrock verantwortlich ist und deren klare Regie-Handschrift den Darstellern wunderbar stimmiges, ja fast organisches Agieren ermöglichte. Auch war in beiden Inszenierungen das Bühnenbild von Verena Kerssenbrock und Wiebke Horn sehr ansprechend. Vor allem in der Oper Il  Tabarro war ihnen mit der düsteren Poesie der heruntergekommenen Behausung des Paares, gepaart mit dem unheilschwangeren Licht, ein sehr beeindruckender Schauplatz gelungen.

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Durch die Bank konnte sich das Auge an den wunderbaren Kostümen von Wiebke Horn erfreuen, die alle Akteure, einschließlich der Kinder und des Festspielchors, mit schauspielerischer Grazie trugen, was das Geschehen auf der Bühne geradezu magisch werden ließ. In beiden Opern nimmt das Drama seinen Lauf, weil die Frau ihrem Mann untreu wird, und die Reaktionen der so Betrogenen sind hochemotional, ja mörderisch im wahrsten Sinn des Wortes.

Die Hauptdarsteller sind in beiden Opern dieselben, und ein Jeder von ihnen eroberte die Herzen des Publikums im ausverkauften Saal auf Anhieb. Die schwedische Sopranistin Liine Carlsson, die für die erkrankte Anna Dimitriu eingesprungen war und sich in kürzester Zeit die Inszenierung einverleibt hat, spielte die beiden Frauenrollen Nedda und Giorgetta – die vom Typ völlig unterschiedlich sind – mit einer breiten Palette an Emotionen, die sie in Ausdruck, Mimik und Bewegung, mit großer Natürlichkeit und Intensität zu gestalten wusste.

Mit perfekt platzierter, wunderbar ausgeglichener Stimme und brillianter, mühelos wirkendener Tonproduktion betörte die Sopranistin nicht nur ihre Liebhaber, sondern auch das Publikum. Aber auch die grobschlächtigen, gehörnten Ehemänner, Alexander Schulz in der Rolle des Canio, der den Bajazzo spielte, und Jacek Strauch in Il Tabarro, der den Michele gab, begeisterten die Zuhörer mit ihren stimmgewaltigen Ausbrüchen schäumend vor Wut, lodernd vor Hass und rasend vor Eifersucht. Dafür gab es immer wieder einmal zurecht spontanen Applaus, denn die sängerische Linie vergaßen die Darsteller trotz aller großen Gefühle nie. Die Liebhaber, Yang Li, der den Bürger Silvio im Bajazzo sang, und Alexander Schulz, der den Luigi im Il Tabarro gab, sangen ihre sehnsuchtsvollen Arien, aufgeladen von Lust, Eifersucht und Liebe, so lyrisch, dass man schon verstehen konnte, dass sie die grimmigen und abgearbeiteten Ehemänner locker ausstachen. Emotional packend, sängerisch wie auch darstellerisch, war auch die Darbietung des großen Immlinger Festspielchors, von dem man gar nicht glauben möchte, dass er aus lauter Laien besteht.

Das Festivalorchester Gut Immling, von Cornelia von Kerssenbrock mit elegant- prägnantem Taktstockeinsatz zu eloquentem Spiel angeleitet, war klar strukturiert und hatte im ganzen Geschehen eine fest umrissene Position, die über die reine Begleitung weit hinausging, und des öfteren war auch ein fein gestalteter Subtext herauszuhören. Bravo-Rufe und Beifallsstürme lohnten der Künstler Mühen, sie waren zurecht mit großem Enthusiasmus gespendet.

Weitere Aufführungen der absolut sehenswerten einaktigen Opern sind am Samstag, dem 26. Juli, um 19 Uhr und am Donnerstag, dem 7. August, um 19.30 Uhr. Barbara Heigl

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