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Landauf, landab stehen PV-Freiflächenanlagen. Um die Energieversorgung zu sichern, hat die Regionalgruppe Traunstein von Scientists for Future (S4F) nun die Stadt Traunstein aufgefordert, so eine Anlage zu schaffen. Foto: obs

Scientists for Future fordern Stadt auf, PV-Freiflächenanlage zu bauen

Traunstein – Die Regionalgruppe Traunstein von Scientists for Future (S4F) hat die Stadt Traunstein aufgefordert, zur Sicherung der Energieversorgung in Zeiten des Krieges in der Ukraine eine Photovoltaik-Freiflächenanlage mit 3000 bis 6000 Modulen zu errichten. »Im nächsten Winter ist zu befürchten, dass Energie knapp wird«, erläutert Professor Helmut Bielenski in Vertretung der Koordinatorin der Regionalgruppe Traunstein. Und weiter: »Die Stadt Traunstein sollte da-rauf vorbereitet sein.«


Die S4F-Regionalgruppe wolle eine Diskussion um die Sicherung der Energieversorgung in Traunstein in Gang bringen, so Bielenski in einem Schreiben an Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer und die Stadträte. Eine schnelle Lösung sei die Errichtung einer PV-Freiflächenanlage. »Wir, Scientists for Future Traunstein, haben ausgerechnet, dass es möglich ist, eine solche Anlage kurzfristig bis zum nächsten Winter in Betrieb zu nehmen, wenn jetzt sofort begonnen wird.«

Die Zielsetzung müsse lauten, unabhängig vom Gas aus Russland zu werden. »Jeden Kubikmeter Gas bezahlen wir mit dem Blut der ukrainischen Bevölkerung. Deshalb geht es darum, die von Putin zu beziehende Menge an Erdgas zu verringern. Jeder eingesparte Kubikmeter Gas rettet Leben in der Ukraine und schützt unser Klima.«

Die Regionalgruppe von Scientists for Future schlägt vor, in Traunstein so schnell wie möglich zusätzliche Energie zu gewinnen. Die Ausweitung der Erzeugung könne und solle über eine große PV-Anlage erfolgen. Schnell errichtet werden könne eine Freiflächenanlage. Die Einrichtung auf Dächern sei in der kurzen Zeit zu aufwendig.

»Als Sofortmaßnahme schlagen wir die Aufstellung von circa 3000 bis 6000 Solarmodulen als Interimsmaßnahme vor«, so Professor Bielenski. »Damit können ein bis zwei Megawatt peak (MWp) elektrischer Leistung installiert werden.« Der Flächenbedarf für so eine Anlage liege bei 1,5 bis drei Hektar. Im Winterhalbjahr von Oktober bis März könnten so circa 300 bis 600 Megawattstunden (MWh) an elektrischer Energie erzeugt werden, die helfen, Gas einzusparen und das Klima zu schützen. Vorübergehend könnte die Energie auch zum Heizen verwendet werden.

Um das Vorhaben zu verwirklichen, sei ein Gesamtbudget von etwa 0,75 bis 1,5 Million Euro erforderlich. Der größte Teil des Budgets werde in PV-Module und Aufsteller investiert, so Bielenski. Wegen der Lieferzeiten wären Module, Aufsteller, Wechselrichter und Installationsmaterial unmittelbar zu bestellen. »Die Suche nach einer geeigneten Fläche ist sofort zu starten. Sollte eine geeignete Fläche in dieser Größe nicht schnell genug gefunden werden, ist eine befristete Installation durchzuführen. Zum Beispiel auf dem Festplatz oder auf einem anderen Platz über die Wintermonate.«

»Wir sind in Sachen Energieversorgung mit unseren Stadtwerken, einer 100-Prozent-Tochter der Großen Kreisstadt Traunstein, sehr gut aufgestellt, auch in Krisenzeiten«, erwidert Oberbürgermeister Hümmer. Für den Bau einer PV-Freiflächenanlage ergebe sich die Schwierigkeit, dass die Lieferzeiten für fast alle Materialien und Bauteile aktuell immer länger werden. »Allein schon deshalb ist eine kurzfristige Umsetzung fraglich. Anlagen dieser Größenordnung werden über eine Trafostation an das Mittelspannungsnetz angeschlossen. Für eine Trafostation beträgt die Lieferzeit aktuell circa 50 Wochen.«

Seitens der Stadtwerke Traunstein sei die Energiebeschaffung, was Strom und Gas anbelangt, für die Jahre 2022 und 2023 fast vollständig erfolgt, so Hümmer weiter. Es bestehe kein Defizit bei den Mengen, solange der Markt und das Netz funktionieren. Deshalb habe zusätzliche Erzeugung keinen kurzfristigen Nutzen. Der Oberbürgermeister: »In einer Gasmangellage kann regenerativer Strom fehlendes Gas kurzfristig nicht ersetzen, weder zum Heizen, noch für gewerbliche Anwendungen.«

»Der kurzfristige Effekt ist hier sehr gering«

Eine PV-Anlage bringe im Winterhalbjahr etwa 20 Prozent des Jahresertrags, in diesem Fall etwa 200 bis 400 MWh. Das entspreche rechnerisch ungefähr einem Tagesbedarf im Dezember oder Januar. Hümmer: »Der kurzfristige Effekt ist hier sehr gering.«