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»Wir haben ein Riesenproblem«

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Das Traunsteiner Krankenhaus schrieb im vergangenen Jahr rote Zahlen – wie auch die gesamte Kliniken AG. »Wir haben ein Riesenproblem«, schrieb nun Kreisrat Ludwig Unterreiner in einem offenen Brief an die beiden Landräte. (Foto: Reiter)
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Ludwig Unterreiner kritisiert, dass nicht offen diskutiert wird.

»Beide Landkreise schieben ein großes Problem vor sich her, über das nicht ehrlich gesprochen wird: Die besorgniserregende wirtschaftliche Situation der Kliniken Südostbayern AG«, schreibt Ludwig Unterreiner, FW-Mitglied des Kreistags im Berchtesgadener Land, in einem offenen Brief. Diesen schickte er nicht nur an unsere Zeitung, sondern auch an die beiden Landräte Siegfried Walch und Georg Grabner.


»Wirkliches Defizit liegt bei 17,4 Millionen Euro«

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Die Zahlen würden unmissverständlich zeigen, »dass unser Klinikenkonzept versagt hat«, so Ludwig Unterreiner. Im Jahresbericht 2013 sei ein Defizit aus dem operativen Geschäft in Höhe von 8,8 Millionen Euro angegeben worden. Gleichzeitig seien aber Rücklagen in Höhe von 8,6 Millionen Euro entnommen worden. Somit betrage das wirkliche Defizit 17,4 Millionen Euro. »Sehr bedenklich ist außerdem, dass die AG immer wieder Kredite aufnimmt. Der nächste steht im Herbst an.«

Ob das stimmt, hätten wir gerne Stefan Nowack gefragt. Doch der Geschäftsführer der Kliniken Südostbayern AG ist im Urlaub. Seine Stellvertreterin Elisabeth Ulmer beantwortete unsere Fragen bezüglich der Kreditaufnahme im Herbst und der Rücklagenentnahme nicht. Nur soviel wollte sie sagen: »Wir sind wegen der Liquidität und des Defizitausgleiches gerade im Gespräch mit den Landkreisen.« Das Defizit bezifferte sie »mit 8,8 Millionen Euro und nicht mehr.«

»Nach außen dicht halten«

Ludwig Unterreiner ärgert sich auch, dass bei der gemeinsamen Kreistagssitzung in Teisendorf nur über den »Maulwurf« diskutiert wurde, der Informationen über die nichtöffentlichen Sitzungen des Aufsichtsrats weitergegeben hat (wir berichteten). »Wir waren empört. Aber nicht etwa über die unerwarteten Millionenverluste der Kliniken, sondern über den 'Verräter' in unseren Reihen«, schreibt Ludwig Unterreiner. »Und wir schworen einander ein, nach außen dicht zu halten. In meiner eigenen Fraktion versprachen wir einander, dass die Struktur der Kliniken ebenso tabu sein müsse wie die Frage, auf welche Weise sich ein jährlicher Verlust von fast 18 Millionen Euro abbauen lässt, ohne die Strukturen anzutasten.«

Kliniken-Vorstand Stefan Nowack habe den Kreisräten in Teisendorf zum wiederholten Mal ein Sanierungskonzept versprochen und in Aussicht gestellt, dass die Kliniken bis 2016 schwarze Zahlen schreiben. Doch wie er das schaffen will, dazu habe er nichts gesagt. »Wir müssen uns endlich offen eingestehen, dass wir ein Riesenproblem haben, das der Vorstand nicht in den Griff bekommen wird«, so Ludwig Unterreiner.

Das streitet Elisabeth Ulmer ab. »Wir sind davon überzeugt, dass die Konsolidierung Erfolg haben wird«, betont die stellvertretende Geschäftsführerin der Kliniken Südostbayern AG. Die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen hätten bundesweit zum Teil dramatische Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit von Kliniken. »Wir wissen, dass wir davon nicht alles kompensieren können. Dennoch müssen wir vor Ort die bestehenden Herausforderungen annehmen.« Eine Aufgabe werde es sein, die Arbeits- und Geschäftsprozesse in den Häusern zu optimieren, sodass die Arbeitsbelastung für alle Mitarbeiter wieder reduziert werden könne, so Ulmer.

Ludwig Unterreiner betont, dass es bei der ganzen Sache ja »längst nicht mehr nur um die Kliniken geht, sondern um die Zukunft zweier Landkreise mit all ihren Gemeinden.« Der Kreisrat aus dem Berchtesgadener Land möchte, dass über das Thema endlich offen und ehrlich diskutiert wird.

»Keine Denkverbote«

»Es gibt keine Denkverbote und es wird durchaus diskutiert«, betont der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch im Gespräch mit der Heimatzeitung. »Aber nicht öffentlich. Und das finde ich auch richtig so. Denn es geht um die Sanierung eines großen Unternehmens.«

Was allerdings öffentlich angesprochen werden sollte, sei die Frage: »Was sind den Landkreisen die je drei Standorte wert?«, so Walch weiter. »Wenn wir sagen, wir wollen an allen Standorten festhalten, auch an denen, die Verlust machen, dann müssen wir auch die Verantwortung übernehmen. Wir dürfen die Kliniken jetzt nicht allein lassen und müssen über den Defizitausgleich sprechen.«

Er persönlich stehe zu 100 Prozent hinter den drei Standorten im Landkreis Traunstein, ein Verkauf komme für ihn nicht infrage. Das Sanierungskonzept, das im Herbst 2013 beschlossen wurde, greife. »Wir sehen jetzt die ersten positiven Effekte«, gibt sich Siegfried Walch optimistisch.

Landrat Georg Grabner ist derzeit im Urlaub – und auch sein Stellvertreter Rudolf Schaupp wollte sich nicht zu dem Thema äußern. Aus dem Landratsamt in Bad Reichenhall hieß es: »Wir werden uns nächste Woche zu dem Thema äußern.« KR