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Vor dem Offiziersheim der Hochstaufen-Kaserne (v.l.): Mühldorfs Landrat Maximilian Heimerl, Staatssekretärin im BMZ Dr. Bärbel Kofler, Brigadegeneral Maik Keller und Landrat Bernhard Kern. (Fotos: Maximilian Klapper)

Gebirgsjäger legen Fokus auf militärische Kernaufgaben

Bad Reichenhall – »Die Soldaten stehen für die Amtshilfe weiter zur Verfügung, aber unsere Priorität liegt auf der Ausbildung der Kräfte für die Kernaufgaben, der Landes- und Bündnisverteidigung«, sagte der Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23 »Bayern«, Maik Keller, nach dem Reichenhaller Sicherheitsgespräch am Mittwoch. Die Gesundheitsämter der Landkreise Mühldorf am Inn und Berchtesgadener Land verabschiedeten die Soldaten nach ihrem Dienst in der Pandemiebekämpfung (siehe Artikel Seite 8). 


»Es darf kein Reflex werden, dass jedes Mal, wenn wir zivil Hilfe brauchen, die Bundeswehr eingreift«, unterstrich Maximilian Heimerl, Landrat in Mühldorf am Inn, Maik Kellers Ansage. »Spätestens seit der Ankündigung Frankreichs, seine Soldaten aus Mali abzuziehen, stellt sich auch die Frage nach der Verlängerung der Bundeswehr-Einsätze in Mali«, sagte die heimische Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler (SPD), Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

16 Vertreter der kommunalen Politik und acht der Bundeswehr diskutierten über die Aufgaben der Bundeswehr. Den Austausch über aktuelle Sicherheitsthemen habe man bereits vor einigen Monaten wieder aufgenommen, erklärte Maik Keller. »Mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine hat sich die Rolle der Nordatlantischen Allianz (NATO), der Bundeswehr und auch der Gebirgsjägerbrigade 23 verändert. Die Landes- und Bündnisverteidigung nimmt jetzt einen höheren Stellenwert ein.«

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Bernhard Kern, Dr. Bärbel Kofler, Maik Keller und Maximilian Heimerl beim Gespräch.

Einig waren sich die Teilnehmer, dass die von Bundeskanzler Olaf Scholz angekündigten 100 Milliarden Euro nicht zur Aufrüstung, sondern zur Ausrüstung und zum Füllen der Bestände benutzt werden. Von einem »auskömmlichen Rahmen«, sprach Dr. Bärbel Kofler. »Es geht dabei um Quantität, nicht um Qualität«, sagte Maik Keller. Die 10. Panzerdivision, zu der die Gebirgsjägerbrigade gehört, ist im Jahr 2022 in der Vorbereitungsphase, um 2023 Teil der Einsatzgruppe mit einer sehr hohen Einsatzbereitschaft (VJTF).

Die Gebirgsjäger werden also Teil der sogenannten »NATO-Speerspitze« sein, die schon seit Dezember angesichts der russischen Manöver in verstärkte Alarmbereitschaft versetzt wurde.

Schon jetzt verstärken drei Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 231 die Patriot-Staffel an der NATO-Ostflanke in der Slowakei. Es gibt Überlegungen, weitere Anteile zu verlegen, so Maik Keller.

Auf Nachfrage, ob er den NATO-Bündnisfall für wahrscheinlich halte, antwortete Maik Keller, er habe dem russischen Präsidenten Wladimir Putin eine Restrationalität zugetraut, sei sich seit dem Überfall der Ukraine jedoch nicht mehr sicher. Dennoch: Da die NATO und fast die ganze Welt zusammenstehe, die ergriffenen Maßnahmen und die militärischen Vorbereitungen Wirkung zeigen, hält Maik Keller den Eintritt des Bündnisfalls für unwahrscheinlich.

»Wir müssen Vorbereitungen treffen, dass wir uns im Katastrophenfall selbst versorgen können«, sagte der Landrat des Berchtesgadener Landes Bernhard Kern. »In den vergangenen Jahren hat vor allem die Gefahr eines atomaren Angriffs keine große Rolle in den Planungen gespielt. Jetzt müssen wir unsere Strukturen neu justieren«, ergänzte Maximilian Heimerl. Und im Falle eines Blackouts von zwei oder drei Tagen müsse die Versorgung von Krankenhäusern, Kommunen oder Firmen mit Strom oder Kraftstoff vorbereitet sein. Zur aktuell diskutierten Wiedereinführung der Wehrpflicht wies die Staatssekretärin Dr. Bärbel Kofler auf das Problem der Wehrgerechtigkeit hin.

Bernhard Kern »kann es nicht abschließend sagen, ob das sinnvoll wäre«, während Maximilian Heimerl kurzfristig mehr Schaden als Nutzen sieht. Auf lange Sicht sei er ein »Freund« eine sozialen Jahres oder Gesellschaftsjahres.

Maximilian Klapper