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Siegfried Hauber am Thumsee. (Foto: JU BGL)

Zum »Aktionstag Ehrenamt«: Wasserrettern über die Schulter geschaut

Bad Reichenhall – Zum »Aktionstag Ehrenamt«, den der Landesverband der Jungen Union ausgerufen hatte, suchten auch die hiesigen Mitglieder der Jungen Union das Gespräch mit Ehrenamtlichen. Sie trafen sich mit den Aktiven der Wasserwacht Bad Reichenhall.


Vorsitzender Siegfried Hauber begrüßte die JUler an der Station Thumsee, wo gerade eine Wachgruppe ihren Dienst tat. »Die Wasserwacht als eine der vier Gemeinschaften des Roten Kreuzes zeichnet sich für den Wasserrettungsdienst in all seinen Facetten verantwortlich. Sie steht 24 Stunden an 365 Tagen für Notfälle am und im Wasser zur Verfügung.«

Die JUler erfuhren, dass die Wasserwacht grundsätzlich alle aktiven Mitglieder zunächst zum Wasserretter ausbilde, ehe sich die Aktiven spezialisierten. Die Wasserretterausbildung sei die Grundausbildung und Voraussetzung für alle weiterführenden Ausbildungsgänge. Die Wasserwachtler könnten sich dann weiter als Bootsführer, Rettungstaucher, Canyoningretter oder Luftretter ausbilden lassen oder in den Führungsdienst einbringen. Die Canyoning-Rettung sei sogar von der Wasserwacht Bad Reichenhall in Zusammenwirken mit der Bergwacht Bad Reichenhall aufgebaut worden. Nach einem schweren Canyoningunfall sei dann die gemeinsame Canyoningrettungsgruppe in der Bergwachtregion Chiemgau ins Leben gerufen worden. Mittlerweile habe sich die Canyoning-Rettung etabliert. Überhaupt sei der Wassersport wesentlich vielfältiger geworden, so Siegfried Hauber. Gerade Ortsgruppen mit großen Seen in ihrem Einsatzgebiet seien regelmäßig bei Segelunfällen gefordert.

Im Landkreis stelle der Königssee einen Einsatzschwerpunkt dar, da insbesondere nach der Abfahrt des letzten Schiffes noch bis weit in die Abendstunden hinein das Rettungsboot der Wasserwacht ausrücken müsse, um verspätete Wanderer abzuholen. »Das muss allerdings privat bezahlt werden, denn es geht ja nicht um eine rettungsdienstliche Aufgabe«, stellte Siegfried Hauber klar.

Mit rund 150 Einsätzen im Jahr sei die gesamte Wasserwacht im Landkreis, die sich in vier Ortsgruppen gliedert, stark gefordert, so der Vorsitzende der Wasser wacht Bad Reichenhall.

In den letzten Jahren seien wieder vermehrt Badeunfälle hinzugekommen, da gerade Zugewanderte oftmals kaum schwimmen könnten. Ein Phänomen, dass auch vermehrt unter Grundschülern mit und ohne Migrationshintergrund zu beobachten sei. »Es ist teilweise erschreckend, wie schlecht manche Kinder schwimmen können«, so Siegfried Hauber. Fehlende Schwimmbäder und mangelnder Schwimmunterricht, im Berchtesgadener Land etwa durch das Eishallenunglück 2006 in Bad Reichenhall und das Hochwasser 2013 in Freilassing zeitweise verschärft, seien Mitursachen für diese dramatische Entwicklung. Auch die Wasserwacht bekomme das Bädersterben zu spüren und konkurriere mit vielen anderen um die raren Schwimmplätze.

Dass in der Corona-Zeit Trainings nur eingeschränkt möglich gewesen seien, tue sein übriges. Dennoch stehe die Wasserwacht gerade in Bad Reichenhall gut da. Siegfried Hauber berichtete stolz von der neuen Unterkunft, die in Piding geschaffen wurde. »Hier haben wir uns wirklich was Gutes aufbauen können.«

Was denn die Politik für das Ehrenamt im Allgemein tun könne, wollte die JU-Kreisvorsitzende Hannah Lotze wissen. Siegfried Hauber sagte, dass die finanzielle Ausstattung gerade bei der Anschaffung von Geräten und Ausrüstung noch verbessert werden könne, da nicht alles durch Mittel aus dem Bayerischen Rettungsdienstgesetz finanziert werden könne. Auf kommunaler Ebene laufe die Zusammenarbeit mit Stadt und Gemeinden aber sehr gut. Und auch zu den anderen Blaulicht-Organisationen habe man einen guten Draht. »Frotzeleien gibt es freilich überall, aber die Zeiten, als es große Konkurrenz etwa mit der Feuerwehr gegeben hat, sind lang vorbei.«

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