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64 Wohnungen für »Kempinski«-Mitarbeiter am Obersalzberg

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Berchtesgaden: 64 Wohnungen für »Kempinski«-Mitarbeiter am Obersalzberg
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Die Bebauungsplanänderung für die künftigen Mitarbeiterwohnungen des Hotel »Kempinski« war diffizil. Der Denkmalschutz der umliegenden Gebäude und das dort situierte Feuchtbiotop mussten berücksichtigt werden. (Foto: Christian Wechslinger)

Berchtesgaden – Gleich zwei weitere Hürden nahm am Montag das vom Hotel »Kempinski« am Obersalzberg geplante Projekt zum Bau von drei Mitarbeitergebäuden.


Der Marktgemeinderat Berchtesgaden stellte nach der Behandlung der im Rahmen der öffentlichen Auslegung eingegangenen Stellungnahmen einstimmig die 1. Änderung des Flächennutzungsplans fest und fasste mit einer Gegenstimme (Manfred Leubner/Grüne) den Satzungsbeschluss für die 3. Änderung des Bebauungsplans »Eckerbichl/Platterhof«. Die Anlage mit 64 Wohnungen und einer Tiefgarage soll zwischen den Häusern Hinter-eck 11 und Hintereck 9 am Adlergehege entstehen.

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Das Gebäude am Adlergehege am Hintereck 9 ist eine ehemalige Adjutantur Görings. Es war eine militärische Dienststelle im Dritten Reich und ist deshalb denkmalgeschützt. Der Denkmalschutz war deshalb auch eines der Hauptprobleme bei den bisherigen Planungsarbeiten.

Unterschiedliche Ansichten gab es im Bebauungsplanverfahren aber auch über den künftigen Status der Baufläche. Während die Marktgemeinde Berchtesgaden hier ein Sondergebiet ausweisen will, um die Entstehung von Wohneigentum zu verhindern, sah das Landratsamt hier die Notwendigkeit zur Ausweisung eines allgemeinen Wohngebiets. Die Gemeinde allerdings bleibt bei ihrer Haltung und begründete dies unter anderem wie folgt: »Städtebauliche Zielsetzung des Marktes ist es, lediglich eine Wohnnutzung für Mitarbeiter des Hotels zuzulassen. Eine solche Nutzungsbeschränkung wäre über die allgemeinen Baugebiete der Baunutzungsverordnung nicht zulässig.«

Bürgermeister Franz Rasp bestätigte auf Nachfrage von Dr. Bartl Wimmer (Grüne) diese Haltung: »Wir haben uns in dieser Angelegenheit von einem Spezialanwalt beraten lassen. Schließlich ist es in unser aller Interesse, dass hier nichts weggeteilt werden kann und dann vielleicht Eigentumswohnungen entstehen.«

Allerdings wurden von der Marktgemeinde Berchtesgaden die Hinweise des Landratsamtes, den Denkmalschutz und die städtebauliche Auswirkung der Planung hinreichend zu würdigen, aufgegriffen und die Begründung entsprechend erweitert. Manfred Leubner (Grüne), der schon bisher immer gegen das Bauprojekt an diesem Ort gestimmt hatte, bedauerte, dass die Anregungen von Architekt Kurt Smetana nicht weiterverfolgt worden seien.

»Seine Vorschläge schauen gut aus, werden dann aber einfach zerrissen«, bedauerte Leubner. Der bleibt bei seiner Meinung, dass das Gebäude im Südosten zu groß ist und stimmte deshalb gegen die Bebauungsplanänderung.

Kurt Smetana hatte in seiner Stellungnahme die Errichtung von Personalwohnungen grundsätzlich für in Ordnung befunden. Allerdings nicht an diesem Standort. »Dies ist an einem der wenig veränderten Bereiche am Obersalzberg unangebracht«, schrieb Smetana und führte weiter aus: »Das mehr als klein ausgewiesene Feuchtgebiet ist ein Witz.«

Die geplante Zufahrtsstraße zur Tiefgarage gebe zu wandernden Amphibien ebenfalls den Rest. Deshalb schlägt der Architekt hier die Errichtung eines Fußwegs vor. Dadurch werde das Biotop größer und könne vielleicht überstehen. Die Baukörper sollte man dem Gelände anpassen sowie der schlechten Belichtung wegen gestaffelt auszuführen. Darüber hinaus verweist Kurt Smetana an den geplanten Verkauf des Hotel »Türken«.

Seiner Meinung nach habe der Freistaat Bayern »alles zu unternehmen, um diese Immobilie zu erwerben und auch zu enteignen«. Dann müsse man nach Ansicht Smetanas in punkto Mitarbeiterwohnungen für das Hotel »Kempinski« umplanen.

Die Marktgemeinde verweist in ihrer Stellungnahme darauf, dass das Feuchtbiotop seitens des Biologen Markus Sichler vor Ort erfasst und mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt sei. Smetanas zeichnerische Darstellung der Lage des schützenswerten Biotops sei nicht richtig situiert, das Feuchtbiotop liege weiter im Osten. Auch der zeichnerische Vorschlag zur besseren Lage der Tiefgaragenzufahrt verkenne die Höhensituation.

Insgesamt liege der Ausbildung der Baukörper ein intensiver Abstimmungsprozess mit dem Denkmalschutz und dem Landratsamt zugrunde. Zu Smetanas Vorschlägen bezüglich des Hotel »Türken« äußert sich die Marktgemeinde nicht weiter, man nahm sie »zur Kenntnis«. Ulli Kastner

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