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Achtjährige erscheint »in Handschellen« bei der Berchtesgadener Polizei

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Berchtesgaden: Achtjährige erscheint »in Handschellen« bei der Polizei
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Ein Polizist, der aufgrund des Bob- und Skeleton-Weltcups in Berchtesgaden war, beim Versuch, die Handschellen zu öffnen. Nachdem es mehrere Kollegen probiert und nicht geschafft haben, gelang es schließlich Johannes Springl, das Kind zu befreien. (Foto: Marcel Engljähringer)

Berchtesgaden – Einen ganz besonderen Fall hatte die Polizeiinspektion Berchtesgaden am vergangenen Wochenende zu lösen. Aus vielen Kriminalfilmen weiß ja der Mensch, dass Tatverdächtige gelegentlich in Handschellen gelegt werden, um eine Flucht zu verhindern.


Ohne Zutun der Berchtesgadener Polizisten, die in diesen Tagen wegen des Bob- und Skeleton-Weltcups von weiteren Kollegen unterstützt wurden, geriet die achtjährige Mathilda in Handschellen. Sie erschien, auf diese Weise »gefesselt«, in Begleitung ihres Vaters auf der Inspektion. In der Hoffnung, die Polizei könne helfen, den unbequemen Armschmuck zu entfernen.

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Das Mädchen hatte mit ihrem Bruder und ihrem Cousin »Räuber und Gendarm« gespielt. Die älteren Buben verkörperten die Staatsmacht, die die delinquente »Täterin« in Gewahrsam nahmen und ihr wegen »Fluchtgefahr« Handschellen anlegten.

Soweit war das noch schönes Spiel und kein Problem. Das kam erst, als die »Freilassung« nahte. Denn zu den Handschellen gehörte selbstverständlich auch der Schlüssel. Aber der war weg – und trotz intensiver Suche nicht auffindbar.

Als alle Versuche, die Handschellen auf andere Art zu öffnen, gescheitert waren, blieb die Hoffnung, dass die Polizei, die sich ja auskennen muss, die passenden Öffner zur Hand hat. Das war allerdings ein Irrtum, denn bei den Handschellen handelt es sich um ein längst frei erhältliches Modell, das bereits vor langer Zeit ausgesondert wurde. Schlüssel inklusive.

Aber die Polizisten waren sofort zur Hilfe bereit. Zudem es ein besonderer, noch nie da gewesener »Fall« war. Eine Polizistentraube versammelte sich zeitweilig um Mathilda. Allerdings mussten die Ordnungshüter bald feststellen, dass das Knacken eines Schlosses keinesfalls so einfach ist, wie in einschlägigen Krimis gezeigt wird.

Dem Berchtesgadener Polizeibeamten Johannes Springl gelang es schließlich, das nun erleichterte und dankbare Mädchen zu befreien, ganz nach der Devise: »Die Polizei, Dein Freund und Helfer.« Vermutlich wird die Achtjährige diesen Spruch als ein Lebensmotto für immer behalten.

Die Mutter von Mathilda hat inzwischen die Handschellen und den wieder gefundenen Schlüssel aus dem Spielzeugsortiment entfernt und in »Gewahrsam« genommen. Eingeschlossen und für Kinder nicht erreichbar. Bleibt aber zu hoffen, dass der Schrankschlüssel nicht verloren geht.

Dieter Meister

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