Altlandrat Georg Grabner: Kämpfernatur, Feierbiest und Politiker mit großem Herz

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Nach der Verleihung des Ehrenrings in Gold und des Titels Altlandrat an Georg Grabner (v.l.): Landrat Bernhard Kern, Hans Metzenleitner (ehemaliger Fraktionssprecher SPD), Georg Wetzelsperger (Bezirksrat), Rudolf Schaupp (Stellvertreter des Landrats a.D.), Silvester Enzinger (ehemaliger Fraktionssprecher CSU), Altlandrat Georg Grabner, Rudolf Zeit (ehemaliger Fraktionssprecher FW BGL), Michael Koller (Stellvertreter des Landrats), Staatsministerin Michaela Kaniber und Dr. Bartl Wimmer (Fraktionssprecher Grüne). (Foto: Landratsamt)

Berchtesgaden – Die Geduld, sagt Altlandrat Georg Grabner, sei nie seine größte Tugend gewesen. Trotzdem war das eine Jahr Wartezeit bis zur offiziellen Verabschiedung Ende vergangener Woche im Berchtesgadener AlpenCongress keine Strapaze für Grabner. Balsam für die Seele dürften aber die Worte ehemaliger Mitstreiter gewesen sein, die ihn über Jahre begleitet hatten.


Der langjährige Altbürgermeister von Anger, Silvester Enzinger, attestierte Georg Grabner »viele Erfolge« während der 18 Jahre als Landrat. »Du hattest unbestritten großes Verhandlungsgeschick«, sagte Enzinger während des Corona-konformen Festaktes. Oft sei Grabner Tag und Nacht im Einsatz gewesen, kaum freie Tage, jedes Wochenende auf einer anderen Vereinsveranstaltung. »Jeder Bürger konnte dich immerzu ansprechen, das habe ich an dir in besonderem Maße geschätzt«, sagte Enzinger.

Auch Rudi Zeif, ehemaliger Fraktionssprecher der Freien Wähler, schätzt das »offene Ohr«, das Grabner für andere hatte. Bei Besprechungen unter Politikvertretern sei Grabner »ausgleichend und kompetent« gewesen. Die Freude am Leben, die brachte der nun zum Altlandrat ernannte Grabner aber dennoch mit: »Bei uns warst du als Feierbiest bekannt.« Dass Grabner bei so mancher Veranstaltung gerne länger blieb, ist überliefert, seine ehemaligen Fraktionskollegen beneiden ihn dafür, »dass du am nächsten Morgen wieder auf der Matte standest«.

Rudi Zeif, einst Kreisbrandrat, rief fünf Katastrophenfälle in Erinnerung, die während seiner und Grabners Zeit ausgerufen worden waren. »Du warst immer mit Tat und Kraft vor Ort, egal ob bei Waldbränden, Hochwasser oder dem Einsturz der Eishalle.« Bereits 40 Minuten nach dem Eishallen-Unglück habe Grabner den Katastrophenfall ausgerufen: »Damit warst du Garant dafür, dass der Einsatz so gut koordiniert werden konnte.« Durch das schnelle Handeln und die Beteiligung unzähliger Einsatzkräfte »konnten viele Leben gerettet werden«.

Zeif wünschte Grabner nur das Beste auf seinem weiteren Weg: »Dass Du endlich dein Italienisch verbessern kannst und als Hospizhelfer die Menschen weiterhin unterstützt.« Zeifs Verabschiedung fand auf Italienisch statt: »Alles Gute für die Zukunft und tausend Dank.«

Auch Hans Metzenleitner, SPD-Urgestein und beruflich selbst kurz vor der Pensionierung, blickte auf 20 gemeinsame Jahre zurück, in denen die Zusammenarbeit nach und nach immer enger geworden sei. Zielstrebig sei Grabner immer gewesen, ebenso eine »Kämpfernatur. Ich habe mich dabei ertappt, als ich dich als tiefroter Fraktionssprecher in so manchem Moment als pechschwarzen Landrat verteidigt habe«, scherzte Metzenleitner und zeigte damit die enge Bande in entscheidenden Situationen auf.

Grabner habe die Gabe gehabt, vor Entscheidungen »wirklich alle einzubinden«. Für den demokratischen Grundkonsens sei dies von großer Bedeutung gewesen. Der Altlandrat habe für den Landkreis tatsächlich viel erreicht, »wenn man bedenkt, in welchen Zeiten du dein Amt übernommen hast und wie es damals um den Landkreis bestellt war«.

Widerständen sei Grabner mit Tatkraft begegnet. Metzenleitner erinnerte an persönliche Attacken, bei denen Grabner von Kritikern mit Schneebällen beworfen worden war. Davon ließ sich dieser aber nicht einschüchtern. Grabner habe immerzu »integre Standhaftigkeit« bewiesen, besonderes Lob sprach er ihm für den Einsatz bei der Überführung der Kreiskliniken in kommunale Trägerschaft aus. »Das, was dich auszeichnet, ist der Respekt vor deiner politischen Leistung, zusammengefasst in einem Beispiel: Dem Wirken während der Flüchtlingskrise vor sechs Jahren.«

Auch Dr. Bartl Wimmer, Grüner durch und durch, war für einige Abschiedsworte an Grabner ans Pult getreten. Lob kommt ihm eigentlich selten über die Lippen. 30 Jahre lang waren die beiden politische Gegner: »Zwei Kandidaturen gegen dich – und du hast mich haushoch vom Platz gestellt«, sagte Wimmer, garniert mit süffisantem Grinsen. Themen, über die diskutiert wurde, habe es in den drei Jahrzehnten etliche gegeben. »In einigen waren wir uns einig, in vielen uneinig, etwa bei Olympiabewerbungen«, so der Kreispolitiker. Anhand einer Karikatur beschrieb Wimmer Grabner: »Der Kopf: groß genug, da ist auch einiges drin.« Sitzfleisch habe Grabner bewiesen, viele zur Verzweiflung gebracht: »Du warst der, der nicht bereits um 22 Uhr nach Hause ging, sondern auch mal bis in die Morgenstunden blieb. Kein Wunder: Du hattest ja immer einen Fahrer«, witzelte Wimmer. Auch Grabners Nebennierenrinde habe große Leistung erbracht: »Sie hat immer viel Adrenalin produziert.« Manchmal, sagt Wimmer, habe Grabners Gesichtsfarbe besser zur SPD gepasst als zur CSU.

Wimmer beschrieb Grabner als einen »mit großem Herz, in das er viele Menschen einschloss«. Sogar bewundert habe Bartl Wimmer den Altlandrat in manchem Moment: »Für dein Verständnis, das du allen Bürgern entgegengebracht hast. Dafür schätze ich dich sehr.«

Als »beeindruckende Leistung« sei Grabners Einsatz für die Kreiskliniken zu werten. Die Sache habe bei Grabner immer im Vordergrund gestanden. Respekt anderen gegenüber verloren habe er dabei nie: »Ich hatte immer das Gefühl, dass du erwogen hast, dass auch die andere Seite recht haben könnte.«

Kilian Pfeiffer

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