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Konrad Sommer: »Watzmann«, Öl auf Karton, um 1963.

Auf den Spuren eines spät Entdeckten: Vierte Vernissage von Konrad Sommer

Berchtesgaden – Ein schwieriges Jahr sei das laufende, sagte Museumschefin Friedl Reinbold bei der Eröffnung der Ausstellung mit Werken von Konrad Sommer.


Es sei dennoch schon die vierte Vernissage, die im Eingangsgewölbe des Schlosses Adelsheim ihren Anfang nehme, merkte sie nicht ohne Stolz an. Und auch diese Werkschau ist, wie die Vorgängerinnen, eine außerordentlich bemerkenswerte.

Schließlich fand der Landschaftsmaler Konrad Sommer seine Motive über Jahrzehnte hinweg auch in der Alpenlandschaft. Denn wie Laudator, Sammler und Leihgeber Dr. Martin von Ostrowski informierte, war Konrad Sommer ein stark naturverbundener Mensch mit dem Bedürfnis, die sich stetig verändernde Landschaft zeichnerisch und malerisch zu verorten.

Familiärer Bezug zu Berchtesgaden

Der Bezug zum Berchtesgadener Land und seiner Bergwelt ergab sich »familiär«, denn Sommers Ehefrau Antonie war eine geborene Rieder vom Salzberg, die mit ihrem Mann über Jahrzehnte hinweg immer wieder ihre Eltern besuchte. Vielleicht wäre diese Ausstellung, sagte Friedl Reinbold, für Berchtesgaden die Chance, »in seiner Wahlheimat diesem Künstler posthum zu einer späten Würdigung zu verhelfen«.

Zwischen zwei Stühlen habe sie gesessen, als sie aus Berlin das Angebot bekam, die Werke im Schloss Adelsheim auszustellen, bekannte Museumsleiterin Friedl Reinbold. Zwischen »machbar« und Absage habe sie sich entscheiden müssen und sei nun froh, sich zu Ersterem durchgerungen zu haben. »Konrad Sommer, eine späte Entdeckung« hatte sie ihren Beitrag im schmalen, aber für die neuen Entdecker sehr hilfreichen Katalog überschrieben. Der begleitet die mit Pause bis zum Jahresende präsentierte Werkschau des Münchner Malers. Der eigentliche Entdecker ist wohl Dr. Martin von Ostrowski, aber Friedl Reinbold darf sich durchaus als Wegbereiterin der Möglichkeit sehen, sich in Berchtesgaden mit den Gemälden und Aquarellen des sehr fleißigen und von der Malerei geradezu »besessenen« Konrad Sommer vertraut zu machen.

Der sich selbst bei der Ausstellungseröffnung als Künstler vorstellende und studierte Kunsthistoriker Martin von Ostrowski bekannte: »Das traf mich ins Herz.« Gemeint war die anfängliche, vielleicht noch zögerliche Bekanntschaft mit Sommers Werk. Dieses teilt er in Früh- und Spätwerk und setzt dazwischen den Begriff Personalstil, der nach seiner Forschung erst jenseits des 40. Künstler-Lebensjahres einsetzt und sich nun in neuer, blockhafter Bildkomposition bemerkbar machte. Allerdings behielt er die fleckenhaften, für des Künstlers Stil prägnanten, strukturierten Pinselstriche bei.

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Museumsleiterin Friedl Reinbold und der Berliner Kunsthistoriker Dr. Martin Ostrowski, der auch Leihgeber der Werke von Konrad Sommer ist, waren zur Ausstellungseröffnung zufrieden mit der Realisation der Werkschau nach sehr langer Vorbereitung in schwierigen Zeiten. (Fotos: Dieter Meister)

Aquarelle hängen im Kabinett

Das klingt, zugegeben, sehr nach Theorie, ist aber sofort greifbar in der zweigliedrigen Ausstellung. Den Aquarellen ist das sogenannte Kabinett vorbehalten, die Gemälde hängen im noch mehr Platz bietenden Nebengebäude. Der Betrachter wird bald die von Martin von Ostrowski getroffene Einordnung bestätigt finden. Die farbkräftigen, mit sicherem Pinselstrich brillierenden Landschafts-Aquarelle, die direkte Bezüge zur Landschaft des Berchtesgadener Landes haben, lassen sich leicht nach ihrer Entstehungszeit einordnen. Sie zeigen deutlich die Entwicklung, die der Maler etwa vom Beginn der 1940er-Jahre bis hin zu den ein halbes Jahrhundert jüngeren Arbeiten in seiner Kunst absolvierte, – von der unbedingten Realitätsnähe über mehrere Stufen zu abstrakteren, immer stärker reduzierenden Formen.

Ähnliches sagen auch die Gemälde aus, bei denen gelegentlich zusätzliche Reizpunkte durch Übermalungen dem Betrachter durch genaueres Hinsehen lösbare Rätsel aufgeben, was den Rundgang nur spannender werden lassen kann.

Die von Friedl Reinbold erwähnte diesjährige »Ausstellungsflut« war bei den jeweiligen Eröffnungen immer auch ein akustischer Genuss. Stimmungsvoller Jazz und Blues bildeten den musikalischen Rahmen, der vom Publikum als besondere Bereicherung zwischen den obligatorischen Reden wahrgenommen wurde und weit mehr war als ein »Pausenfüller«. Fast schon eine feste Größe war – und darf es durchaus künftig sein – Franz Neumeier, der mit Saxofon oder Klarinette »verzauberte« und es auch diesmal, mit dem Pianisten Helmut Rieger an seiner Seite, vermochte.

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Konrad Sommer: »Göll«, Aquarell auf Papier, 1994.

Ausstellung bis zum 31. Oktober

Die Ausstellung mit den Werken von Konrad Sommer ist im Schloss Adelsheim bis zum 31. Oktober zu sehen und jeweils von Donnerstag bis Sonntag zwischen 10 und 16 Uhr zugänglich. Vom 1. bis einschließlich 31. Dezember ist das Museum ebenfalls von Donnerstag bis Sonntag geöffnet, dann jedoch nur von 10 bis 14 Uhr.

Dieter Meister

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