Auf Probefahrt mit dem Miniroboter

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Bei den Technik-Tagen hatten die Schüler in der Werkstatt viel zu tun. (Fotos: Kilian Pfeiffer)
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Der Mini-Bot gerade im Einsatz.

Berchtesgaden – Wie baut man einen selbstfahrenden Roboter? Bei den Technik-Tagen im Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land legten Schüler der Mittelschule St. Zeno, der Realschule im Rupertiwinkel und der Reiffenstuel-Realschule Traunstein selbst Hand an und bastelten aus Fototransistoren, Magnetschaltern und Platinen kleine »MiniBots«.


Eigentlich, so war es zumindest der Plan der Verantwortlichen des Schülerforschungszentrums, sollte es ein Technik-Camp geben: Eine Woche war dafür angesetzt, im vergangenen Herbst hätte es stattfinden sollen, »alle waren sehr motiviert« – bis Corona die Planungen zunichte machte, berichtet Christoph Geistlinger, Geschäftsführer des Schülerforschungszentrums. Im März dann der nächste Versuch. Doch so, wie man es sich vorstellte, klappte es mit all den für Corona notwendigen Einschränkungen nicht. Es folgte die kurzfristige Absage. Wenn schon kein Technik-Camp, dann wenigstens Technik-Tage, etwas kürzer also, an jedem Tag eine Gruppe aus einer Schule. »Wir sind froh, dass es überhaupt dazu gekommen ist«, sagt Christoph Geistlinger.

Arbeitsplatz im Untergeschoss

In der Werkstatt im Untergeschoss des Schülerforschungszentrums haben Schüler der Reiffenstuel-Realschule Traunstein ihren Arbeitsplatz. Die Lehrkräfte Monika und Jürgen Gasteiger, die den Kurs leiten, haben die Jugendlichen mit allen notwendigen Informationen versorgt. Zu jedem einzelnen Bauteil gab es im Vorfeld Experimente, um Funktionsweise und Zusammenspiel verständlich zu erklären: Mini-Roboter selbst zu bauen, damit begeistert man auch heutzutage junge Leute.

Nebenan, im Eingangsbereich des Schülerforschungszentrums, das in enger Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München kooperiert, sind am Boden Klebestreifen angebracht. Die kleinen Roboter sollen – so wenn es die Technik zulässt – den schwarzen und weißen Klebebändern selbstständig folgen können. Das geschieht mithilfe von Fototransistoren, die einfallendes Licht in elektrischen Strom umwandeln. Sie können zwischen hell und dunkel unterscheiden. Zwei Motoren bewegen die handflächengroßen Miniaturfahrzeuge. Je nachdem, welcher Motor aktiviert ist, sind auch Kurven möglich. Das Ziel: dem durch den Raum verlaufenden, kurvenreichen Klebestreifen-Parcours zu folgen.

Die für die Maschinen im Kleinformat verwendeten Platinen sind selbst gebaut, die Teile haben die Schüler in Eigenregie gelötet, manchmal mit Unterstützung der Lehrkräfte.

Unterstützung von Tobias Beyhl

Eryk und Marc, Realschüler der 8. Klasse, gehen auf Probefahrt: Denn der Roboter ist fertig. Tobias Beyhl, 19 Jahre alt, ehemaliger Schüler am Rottmayr-Gymnasium und Gewinner des Regionalwettbewerbs von »Jugend forscht«, unterstützt die beiden Jugendlichen. Ein paar Handgriffe sind nötig, um die beiden Antennen-ähnlichen Fototransistoren in Position zu bringen, dann startet die erste Probefahrt der Mini-Bots. Während der eine Roboter die schwarze Linie genau erkennt und zügig über die kurvige Strecke fährt, ist das Ziel des anderen die nächste Wand. Nicht weiter tragisch: Ein bisschen Nachbesserungsbedarf, dann klappt das schon.

Währenddessen arbeitet ein anderes Team daran, eigens angefertigte Transportboxen aus Holz zu bauen. Jeder Schüler soll eine individuell designte Holzschachtel für seinen Roboter erhalten. Dazu konnten sich die Teilnehmer – nach einer Recherche im Internet – Wunschmotive aussuchen: Auto-Logos, bekannte Videospiel-Helden und Manga-Figuren haben sich die Technikbegeisterten für die Holz-Boxen gewünscht.

Mithilfe des Schülerforschungszentrum-eigenen Laser-Cutters werden die Bilder in die Holzschachtel gelasert. Vor sechs Jahren haben die Verantwortlichen das Gerät angeschafft. »Wir haben es ständig im Einsatz«, sagt Werkstattleiter Jürgen Gasteiger. 2 000 Betriebsstunden hat der Laser-Cutter mit dem lustig klingenden Namen »Speedy 300« auf dem Tacho. »Wir gravieren damit Stein, Glas und Holz«, sagt er.

Die Technik-Tage seien spannend und lehrreich gewesen. Das klingt nach dem Wunsch einer Wiederholung im nächsten Jahr. Dann vielleicht wieder in Form des fünftägigen Technik-Camps.

Kilian Pfeiffer

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