Bavaria hat den Nationalpark verlassen - Flugrouten können online mitverfolgt werden

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Bavaria unternimmt einen Ausflug. (Foto: Markus Leitner/LBV)

Berchtesgaden – Der erste der beiden Mitte Juni vom bayerischen Naturschutzverband LBV und dem Nationalpark Berchtesgaden ausgewilderte Bartgeier hat sein angestammtes Gebiet verlassen. Seitdem die imposanten Greifvögel Anfang Juli die ersten erfolgreichen Flugversuche außerhalb ihrer Horstnische unternommen hatten, hat das Betreuungsteam vor Ort auf diesen Tag gewartet: »Nach drei Monaten der Übungsflüge und Geländeerkundungen ist Bavaria am 17. Oktober ihrem natürlichen Wandertrieb gefolgt und hat einen bereits Hunderte Kilometer langen Flug in die Ostalpen begonnen«, so der LBV-Projektleiter Toni Wegscheider. In den kommenden Jahren werden die beiden Weibchen den östlichen Alpenraum durchstreifen und dabei Tausende Kilometer zurücklegen.


»Wir mussten in den vergangen Wochen immer öfter scherzhafte Fragen von Geierfans beantworten, ob wir Wally und Bavaria zu gut füttern würden«, berichtet Toni Wegscheider schmunzelnd. Dass beide Geier sich nach ihrem Erstflug noch über drei Monate im weiteren Umfeld der Auswilderungsnische an der Reiteralm aufhielten, war nach den Erfahrungen des europaweiten Projekts eher ungewöhnlich. »Trotz vieler Tagesausflüge zu den umliegenden Gebirgszügen wie Steinernes Meer, Untersberg und Leoganger Steinberge kehrten die beiden Geiermädls fast jeden Abend zu den Futter- und Schlafplätzen in der Nähe der Nische im Klausbachtal zurück«, erläutert Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel. Während junge Bartgeier im Extremfall schon eine Woche nach dem Erstflug weiträumig herumstreifen, haben sich die beiden bayerischen Vögel deutlich mehr Zeit gelassen. Doch nun ist zumindest Bavaria zu einem ersten weiten Flug Richtung Osten aufgebrochen und befand sich nach drei Tagen bereits 230 Kilometer Luftlinie entfernt an der Bergkette Rax in Ostösterreich. »Wally unternahm kurze Zeit später offenbar einen Versuch ihr zu folgen, doch schon wenige Kilometer außerhalb ihres vertrauten Terrains verließ sie anscheinend der Mut und sie drehte wieder ab, hinein in den heimischen Nationalpark«, so Toni Wegscheider.

Doch auch bei Wally gehen alle eingebundenen Experten davon aus, dass sie in Kürze das bisherige Streifgebiet verlassen wird. Junge Bartgeier besitzen einen angeborenen Wandertrieb und erkunden in den ersten Lebensjahren Tausende Quadratkilometer Gebirgsraum auf der Suche nach Nahrung, einem eigenen Revier oder einem künftigen Partner zur Fortpflanzung. »Da etwa zwei Drittel aller Bartgeier nach einigen Jahren der Wanderschaft wieder in die Ursprungsregion zurückkehren, um dort sesshaft zu werden, haben wir durchaus die Hoffnung, dass zumindest eine unserer Geierdamen in Zukunft wieder um den Königssee herum zu sehen sein wird«, erklärt Ulrich Brendel. Durch die bis etwa 2030 jährlich geplanten Auswilderungen von Bartgeiern im Nationalpark Berchtesgaden werden sich nach und nach auch potenzielle männliche Partner für Reviergründungen in der Region finden.

Nachdem in den vergangenen Monaten Tausende Bartgeier-Fans die Geschehnisse in der Auswilderungsnische live per Webcam beobachtet hatten, kann der weitere Lebensweg der beiden Vögel in den nächsten Monaten und Jahren ebenfalls im Internet mitverfolgt werden. Durch eine Ausstattung der Bartgeier mit GPS-Sendern werden die zukünftigen Flugrouten der Vögel auf einer Karte auf der Internetseite des LBV www.lbv.de/bartgeier-auf-reisen dargestellt. Die Daten werden zur Sicherheit der Vögel mit drei Tagen Verzögerung eingestellt (Das ist europaweit bei allen Bartgeieransiedlungen üblich). Damit soll verhindert werden, dass die Vögel etwa an ihren Schlafplätzen durch Schaulustige gestört werden.

Bei ihren zukünftigen Flügen durch die Bayerischen und Österreicher Alpen werden die beiden Bartgeierweibchen in den kommenden zwei Jahren auch dank ihrer eindeutigen hellen Flügelmarkierungen für jeden mit dem Fernglas gut zu erkennen sein. »Dabei lassen sie sich ganz einfach unterscheiden: Wally mit dem Doppel-L im Namen hat ihre zwei unterschiedlichen Bleichstellen in derselben dunklen Schwinge. Bavaria mit dem »V« im Namen hat unter anderem zwei gebleichte Federn im braunschwarzen Stoß, der als Schwanz ja ähnlich wie der Buchstabe »V« geformt ist«, erklärt Toni Wegscheider. Der LBV ruft deshalb alle Wandernden dazu auf, in Zukunft alle Sichtungen von Bartgeiern, möglichst mit Foto, online zu melden auf der Internetseite des LBV www.lbv.de/bartgeier-melden.

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