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Bürgermeister Franz Rasp, Radwegeexperte Franz Renoth und die SPD-Vertreter sind sich einig: Die Radwegeverbindungen im Talkessel müssen sicherer und komfortabler werden. SPD-Ortsvorsitzender Hans Metzenleitner, Bürgermeistersprecher Franz Rasp, Franz Renoth, Gemeinderätin Katharina Mittner, Christian Metzenleitner, Gemeinderat Sepp Angerer, Franz Punz und 3. Bürgermeisterin Elisabeth Rasp (v.l.). (Foto: privat)

Bei den Alltagsradwegen sind die Gemeinden in der Pflicht

Berchtesgaden – »Vor fast vier Jahren hat der Kreistag das umfassende Mobilitätskonzept verabschiedet – ein sicheres und komplettes Radwegenetz mit einer einheitlichen Beschilderung ist aber nach wie vor nicht vorhanden«, beklagt sich der SPD-Ortsvorsitzende Hans Metzenleitner. Dies solle sich jedoch nun ändern. Daher lud er für eine Standortbestimmung Bürgermeistersprecher Franz Rasp ein, selbst ein sportlich ambitionierter Radfahrer, der schon seit einiger Zeit das Projekt »Alltagsradwege« in enger Kooperation mit den Gemeinden und dem Landratsamt vorantreibt.


»Ziel muss sein, dass jeder Radfahrer sicher und direkt von A nach B kommt«, so der langjährige Bischofswieser Kreis- und Gemeinderat Metzenleitner. Dazu benötige man Radwege, die nicht an vielen Stellen abrupt endeten, verkehrssichere Straßenübergänge und ein einfaches, einheitliches Beschilderungssystem.

»Es gibt wirklich eine Menge zu tun«, begann Franz Rasp seine Ausführungen. Alltagsradwege oder wie er einschränkend betonte, Alltags-Radverbindungen, dienten in erster Linie dem einheimischen Radfahrer, der möglichst rasch und bequem an sein Ziel radeln möchte. Sie unterschieden sich ganz klar von touristischen Radwegeangeboten.

»Schnell, sicher und komfortabel müssen sie sein«, erklärte der Referent. Schon allein aus Sicherheitsgründen müssten sie asphaltiert sein, vernünftig trassiert ohne gefährliche Ecken und Kuppen, vorfahrtsberechtigt und möglichst als Direktverbindung ohne vermeidbare größere Höhenunterschiede geplant werden.

Konkret sprach Rasp die Verbindung von Ilsank zur Wimbachbrücke an. Die vorhandene Umfahrungsmöglichkeit über den Kederbachweg werde kaum angenommen. Seine reale Vision: Mittels angepassten Brückenbauwerken eine direkte Radwegeverbindung am Felsentor vorbei herstellen. »Am Gardasee machen sie es uns aktuell in großem Stile vor, wie zeitgemäße Radwege entstehen, die dann auch gerne angenommen werden«, betonte Rasp.

Daher muss der Schwerpunkt darauf liegen, die vier Talachsen nach Bischofswiesen, Ramsau, Königssee und Marktschellenberg radwegetechnisch zu ertüchtigen. Mithilfe einer großen Talkessellandkarte, auf der die angedachten Radwege eingezeichnet sind, erläuterte er die derzeit noch recht lückenhafte Radwege-Infrastruktur: Angefangen vom brandgefährlichen Straßen- und Bahnübergang hinter dem Panorama-Park über die noch fehlende Trassen durch den Ort Bischofswiesen und die Stanggaß hindurch bis hin zu den Problemen rund um den Hauptbahnhof sowie die Radwegelücken in die Ramsau und nach Königssee – in allen fünf Gemeinden gebe es hohen Handlungsbedarf.

Für Rasp ist klar, dass ein sicheres Radwegesystem nicht ohne Einschränkungen des motorisierten Individualverkehrs zustande kommen könne. Nicht überall könne es komplett ausgebaute Radwege geben, aber alternativ eben möglichst sichere Radspuren. »Wir brauchen ein Umdenken im Straßenverkehr«, monierte er, »Radfahrer müssen als gleichberechtigte Verkehrspartner anerkannt werden.«

Zumindest habe man nun ein überörtliches Konzept, das für den gesamten Landkreis gelte, um an die Fördertöpfe zu kommen. »Am Geld mangelt es eher nicht«, wusste der Bürgermeistersprecher zu berichten, vielmehr fehle es an planungsreifen Projekten. Und genau dies müsse sich jetzt ändern. Jede Gemeinde ist aufgerufen, kreativ zu werden und möglichst optimale Radverbindungen zu schaffen. Und so forderte der Bischofswieser Gemeinderat Sepp Angerer nun ein gemeinsames Vorgehen der Gemeinden zusammen mit dem Landratsamt und dem Straßenbauamt.

Vor allem die gravierendsten Gefahrenstellen und Radwegelücken müssten zügig behoben werden: »Wir Gemeinderäte müssen jetzt aktiv werden und Lösungen vorantreiben.« Alle müssten für dieses bisher vernachlässigte Thema sensibilisiert werden.

Der langjährige Radexperte und Berater im Landratsamt, Franz Renoth, freute sich, dass endlich ein tragfähiges Konzept vorhanden sei, das förderfähig ist. Dennoch mahnte er an, auch die Weiterentwicklung der touristischen Radwegangebote nicht zu vergessen, die Beschilderung müsse zweigleisig fahren. Aus seiner Sicht dringlich wäre eine klar definierte Koordinierungsstelle im Landratsamt, die den Gemeinden unter die Arme greift. Denn der Ball liege nun bei den Gemeinden. Roman Niederberger, Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion und selbst überzeugter Radfahrer, beklagte, dass man nach Jahren immer noch auf die einheitliche Beschilderung warte, die eigentlich schon für 2021 zugesagt war. Ebenso warte man auf eine vernünftige Umsetzungsplanung für den vom Kreistag priorisierten schnellen Radweg von Bad Reichenhall nach Freilassing.

Er rief dazu auf, diesem Thema in Zeiten der Energie- und Verkehrswende endlich politische Priorität einzuräumen. »Glücklicherweise tut sich ja nun was bei den Alltagsradwegen«, freute er sich. Und unter Verweis auf viele bereits erprobte Beispiele anderenorts gab sich Rasp optimistisch: »Denn wir müssen das Rad ja nicht neu erfinden.«

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