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Seit acht Monaten Polizeichef in Berchtesgaden: Der Übergang von Willi Handke auf Stefan Scharf funktionierte reibungslos. (Foto: Ulli Kastner)

Berchtesgaden gehört zu den sichersten Regionen Deutschlands

Berchtesgaden – Gefühlt ist Stefan Scharf schon jahrelang Chef der Polizeiinspektion Berchtesgaden. Schließlich hat sich der Nachfolger von Willi Handke nach acht Monaten schon gut in sein neues Amt eingearbeitet. Der 46-Jährige ist nicht nur seinen Mitarbeitern dankbar für die gute Aufnahme und die Unterstützung in der ersten Zeit, sondern freut sich auch darüber, dass sein Zuständigkeitsbereich zu den sichersten Regionen Deutschlands gehört. Dennoch sind die Beamten seiner Inspektion immer wieder gefordert, wenn es beispielsweise um Internetbetrug, Schockanrufe, Bergunfälle und nervende Autoposer geht.


Seit 1. April sitzt Stefan Scharf nun auf dem Chefsessel der Polizeiinspektion Berchtesgaden – und er scheint rundum zufrieden. Dass ein Einheimischer auf einen Einheimischen folgte, hat sicherlich auch den Mitarbeitern den Übergang erleichtert. Man kennt sich, schätzt sich und spricht die gleiche Sprache. Zusammengefasst: Alles läuft weiterhin rund.

Dabei ist es keine leichte Aufgabe, bei relativ dünner Personaldecke 24 Stunden am Tag für die Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen. Schließlich gibt es immer wieder Ereignisse, die einen sehr hohen Personalaufwand erfordern. Beispielsweise die Suche nach dem wochenlang am Hochkalter vermissten Bergsteiger. Letztlich war das einer von insgesamt neun tödlichen Bergunfällen, die es heuer in den Berchtesgadener Bergen gab. Und immer war auch die Berchtesgadener Polizei – zusammen mit den verschiedenen Bergwachtbereitschaften – im Einsatz.

Viel öfter passieren natürlich Verkehrsunfälle, bei denen die Unterstützung der Polizei erwartet wird. Nicht selten muss man hier mit dem Personal »haushalten«. Stefan Scharf: »Wenn dann, wie kürzlich beim Bahnunfall in Bischofswiesen, noch ein weiterer Unfall passiert, dann müssen die halt warten.« Denn mehr als maximal zwei Streifen sind in der Regel nicht im Dienst. Ohnehin hat jeder im Schichtdienst eingesetzte Polizeibeamte jede vierte Nacht einen Nachtdienst. Stefan Scharf weiß natürlich, dass die Personaldecke einer Inspektion immer im Zusammenhang mit der Sicherheitslage in ihrem Zuständigkeitsbereich steht. »Und wir gehören nun einmal zu den sichersten Regionen Deutschlands«, sagt der 46-Jährige. Das habe mit der ländlichen Region, aber auch mit der Bevölkerung selbst zu tun. Schwerkriminalität gibt es hier kaum, wohl aber Ladendiebstahl, Körperverletzungen und Drogendelikte. Doch selbst solche Straftaten sind in den letzten Jahren coronabedingt weniger geworden. »Es war ja nichts geöffnet«, erklärt Scharf.

Eher mehr wird allerdings die sogenannte Cyberkriminalität. »Bei Geschäften im Internet kann man nicht vorsichtig genug sein«, warnt der Polizeichef. Dasselbe gelte bei sogenannten Schockanrufen, die auch zunehmen. Stefan Scharf wird nicht müde, die Bevölkerung immer wieder zur Vorsicht zu mahnen.

Kein Verständnis hat Stefan Scharf auch für die sogenannte Autoposer-Szene, die es seit einigen Jahren auch im Berchtesgadener Raum gibt. »Die machen sinnlos Lärm, nur um aufzufallen«, sagt der Polizeichef. Die Bevölkerung werde dadurch massiv beeinträchtigt, weil Lärm krank mache. Deshalb versuche die Polizei, diese Lärmbelästigungen zu unterbinden. Einige habe man schon erwischt, teilweise seien sogar Führerscheine eingezogen worden.

In puncto Tempo- und Alkoholkontrollen kann Scharf im Berchtesgadener Land keine Auffälligkeiten feststellen. »Das ist hier so wie anderswo auch«, sagt er. Allerdings glaubt der Polizeichef feststellen zu können, dass vor allem junge Autofahrer sich heute verantwortungsvoller verhalten als noch vor einigen Jahren. »Nach meinen Erfahrungen wird sehr oft einer bestimmt, der nichts trinkt.«

Einige Fälle sind Stefan Scharf in den ersten acht Monaten seiner Amtszeit als neuer Polizeichef besonders in Erinnerung geblieben. An erster Stelle der nächtliche Brandanschlag auf mehrere Fahrzeuge am Parkplatz Königssee. Schon nach einer Woche konnte die Kriminalpolizei den mutmaßlichen Täter festnehmen. Zwar gilt für den im Talkessel ansässigen Briten immer noch die Unschuldsvermutung, doch die Beweislage scheint eindeutig. »Man ist dem Mann durch die Spurenauswertung auf die Schliche gekommen«, sagt Stefan Scharf. Er weiß, wie wichtig der Ermittlungserfolg nicht nur für die Polizei, sondern vor allem auch für die Bevölkerung ist. »So etwas kennt man ja hier sonst nicht – Gott sei Dank.« Schlimmer hätte auch die Brandstiftung in der Franziskanerkirche ausgehen können. Hier hatte ein Unbekannter Gebetbücher entzündet, was aber schnell bemerkt wurde. »Das ist kein Lausbubenstreich, so etwas kann böse ausgehen«, sagt Stefan Scharf. Die Polizei ermittelt hier noch.

Nächste Herausforderung für die Berchtesgadener Polizei und ihre Unterstützungskräfte wird am 5./6. Dezember das Kramperllaufen im Markt sein. »Wir werden hier für einen geregelten Ablauf sorgen, damit das Brauchtum unfallfrei ausgeübt werden kann.« Scharf rechnet damit, dass nach zwei Jahren coronabedingter Zurückhaltung besonders viele Menschen in den Markt kommen werden. »Und irgendwelche Ausreißer gibt es halt immer«, befürchtet der Polizeichef.

Scharfs Fazit nach den ersten acht Monaten an der Spitze der Polizeiinspektion Berchtesgaden ist jedenfalls durchaus positiv. Vor allem die gute Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Rettungsorganisationen wie Bergwacht, Wasserwacht und Feuerwehr beeindruckt ihn tief. Und so kann der 46-Jährige nur feststellen: »Ich bin sehr froh, dass ich hier arbeiten darf.« Und das sollte – wenn nichts Unvorhersehbares passiert – bis zur Pensionierung der Fall sein.

Ulli Kastner

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