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Der Festzug auf dem Weg durch den Markt.

Bergfest am Pfingstmontag: Eine Mischung aus katalanisch und urbairisch im Salzbergwerk

Berchtesgaden – Nachdem am Sonntag der geplante Festzug der Knappschaftskapelle durch den Markt abgesagt werden musste, zog die Festgesellschaft am Pfingstmontag bei herrlichem Wetter durch den Markt und feierte ein schönes Bergfest. Nach dem Weckruf frühmorgens trafen sich die Belegschaft und die geladenen Gäste am Salzbergwerk Berchtesgaden bei der Bergschänke. Nach einem kurzen Frühstück folgte die Einfahrt in das Salzbergwerk zum Kaiser-Franz-Sinkwerk.


Natascha Groll, Vorstandsmitglied der »Südwestdeutsche Salzwerke AG«, begrüßte zunächst die Bergler, Mitarbeiter des Salzbergwerkes Berchtesgaden und Ehrengäste. Sie sprach die überraschende Kündigung des Betriebsleiters Raimund Bartl im vergangen Jahr an. Relativ schnell sei eine neue Betriebsleiterin gefunden worden. »Seit 1. November 2021 ist wieder die Weiblichkeit ins Betriebsleiterbüro eingezogen«, sagte Natascha Groll. Sie sei stolz, dass die Katalanin Montserrat Cort Montagut gewonnen werden konnte. Nach nur sechs Monaten habe sie sich in die aktuellen Themen eingearbeitet. Es sei zu hören, so Natascha Groll, sie habe die Bergler schon fest im Griff. Im Bergwerk sei nun hie und da eine Mischung aus katalanisch und urbairisch zu hören. Ehe Natascha Groll das Wort an die neue Betriebsleiterin übergab, bedankte sie sich bei der Knappschaftskapelle für die musikalische Gestaltung.

Montserrat Cort Montagut sagte, nachdem sie die Bergler, Mitarbeiter und Gäste begrüßt hatte, es sei eine Ehre, zum ersten Mal hier das Bergfest feiern zu dürfen. Die Katalanin stellte sich vor, berichtete über ihre berufliche Laufbahn. Sie war auch schon in Südamerika tätig gewesen. Jetzt dürfe sie hier in diesem einzigartigen Salzbergwerk arbeiten. Die Bergler, die Einheimischen, die atemberaubende Natur, die Katalanin, die aus einer Bergregion stammt, fühle sich fast wie zu Hause, sagte sie. Hier gehe es nicht nur darum, das Bergwerk zu betreiben, sondern auch darum, die Traditionen zu pflegen und zu respektieren. Sie habe schon einige Traditionen, die sie vom Hörensagen kannte, persönlich erleben dürfen. Zum Beispiel die Weihnachtsschützen, die Kramperl und den Nikolaus. Sie habe bereits die lockere Art der Menschen hier kennengelernt. Sie seien loyal und hilfsbereit. Seitdem sie seit November vergangenen Jahres in Berchtesgaden ist, habe sie festgestellt: »Wir sind ein gutes Team oder sogar eine Familie.« Die neue Betriebsleiterin bekam kräftigen Applaus.

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Andreas Neumayer mit Betriebsleiterin Montserrat Cort Montagut beim Eröffnungstanz.

Montserrat Cort Montagut fuhr fort: »Die großen Herausforderungen, die vor uns stehen, sind mir bewusst.« Sie sei sich sicher, dass mit Wissen, Erfahrung und vor allem der Liebe zur Heimat und zur Arbeit das Salzbergwerk auch die nächsten 500 Jahre bestehen kann.

»Dank euerer Arbeit und Bereitschaft haben wir das Produktionsziel 1,1 Millionen Kubikmeter geförderter Sole erreicht.« 150 000 Gäste hätten diese einmalige Untertage-Tour im Bergwerk erleben, die Geschichte erfahren oder im Heilstollen entspannen dürfen.

Josef Stöckl von der Agentur für Arbeit sagte, langjährige Mitarbeiter in einem Unternehmen seien in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit. Es gebe drei entscheidenden Faktoren, warum Angestellte so lange in einem Unternehmen tätig sind. Erstens: die Qualität des Arbeitgebers. Der Arbeitgeber muss sich immer wieder zukunftsorientiert neu ausrichten, um sich am Markt erfolgreich zu positionieren. Hohe Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern ist sehr wichtig. Zweitens: fachlich versierte, hoch motivierte Mitarbeiter, die sich jeden Tag im Bergwerk neuen Herausforderungen stellen müssen. Drittens: hohe Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Die Mitarbeiter dürfen zu Recht stolz auf das Bergwerk sein.« Josef Stöckl nahm zusammen mit Montserrat Cort Montagut die Ehrung der Dienstjubilare vor (siehe unten).

Leitender Bergdirektor Freiherr Peter von Pastor ging in seiner Ansprache auf das Grubenunglück vom 25. September 2019 ein. Nach diesem Ereignis wurde in die Sicherheit investiert. 2020 sei eigentlich eine Großübung der Grubenwehr mit internationaler Beteiligung geplant gewesen. Sie musste pandemiebedingt abgesagt werden. Peter von Pastor regte an, erneut eine Grubenwehrübung zu planen.

Freiherr Peter von Pastor und Armin Breidt, Leiter der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen Peißenberg, verliehen Franz Kranawetvogl, Mitglied der Grubenwehr, das Goldenen Ehrenzeichen als sichtbares Zeichen der Wertschätzung im Namen des Bundespräsidenten. Andreas Kurz, Martin Seidinger, Maximilian Ulrich und Lorenz Hofreiter haben die Hauerprüfung bestanden. Sie bekamen den Hauerschein überreicht. Die Blechbläser der Knappschaftskapelle spielten daraufhin das Steigerlied.

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Betriebsleiterin Montserrat Cort Montagut (7. v. l.) und Josef Stöckl (3.v. r.) ehren (v. l.) Peter Koller, Kilian Stangassinger, Mario Streitfelder, Stefan Punz, Sebastian Rabenbauer, Anton Reichenberger, Franz Stocker, Thomas Stöger, Armin Irlinger, Sebastian Walter, Josef Aigner, Stefan Giritzer, Bernhard Lochner, Josef Stöckl, Sieglinde Skriwan, Christiane Kurz, Evi Koppenleitner und Antonia Deinlein (nicht im Bild). (Fotos: Bernhard Stanggassinger)

Zum Schluss des Festaktes fand die Totenehrung statt. Die Gesellschaft erhob sich von den Plätzen. Die Blechbläser spielten den »Guten Kameraden«.

Aufstellung zum Zug

Nach der Ausfahrt folgte die Aufstellung zum Kirchenzug. Steiger Richard Springl gab das Kommando. Die Fahnenabordnung und der Träger des Bergmandls, Robert Springl, der heuer zum ersten Mal das Bergmandl tragen durfte, schlossen sich dem Zug an. Angeführt wurde der Zug von zwei Bergmännern. Es folgten der Trommlerzug, die Knappschaftskapelle, die Bergler und Betriebsangehörigen. Über die Gollenbachbrücke und das Nonntal ging es zur Stiftskirche.

Gott sei Dank

Pfarrer Msgr. Dr. Thomas Frauenlob zelebrierte die Festmesse. Er sagte, dass nach zweijähriger Pause die Normalität wieder guttue. Der Pfarrer begrüßte Montserrat Cort Montagut. »Diesen Namen muss man sich erst auf der Zunge zergehen lassen, allerdings ist in diesem Namen zweimal der Name Berg enthalten«, witzelte er. Er wünschte der neuen Betriebsleiterin ein gutes erstes Bergfest. Er fuhr fort: »Wir wollen einen Dankgottesdienst feiern, Gott danken für das viele Gute, das er uns schenkt. Wir brauchen nur unsere Natur anzuschauen, wo und wie wir leben dürfen.«

In der Predigt sagte der Pfarrer, die Menschen sollten sich vom Geist Gottes führen lassen. Eine wichtige Botschaft des Pfingstfestes sei, mit Gott an der Seite bräuchten die Menschen keine Angst zu haben.

Abschließend segnete Dr. Thomas Frauenlob die Bergler und Kirchenbesucher, besprengte sie und die Fahne mit Weihwasser.

Der Festzug bewegte sich durch den Markt bis zur Franziskanerkirche und zurück über den Bräuhausberg hinunter zum »Bräustüberl«. Vor dem »Bräustüberl« nahmen die Bergknappen noch einmal Formation auf. Nachdem schließlich die Musik verstummt war , ging es ins Wirtshaus zum Festmahl. Montserrat Cort Montagut bekam die Blumen vom Fahnenspitz. Der »Schied« ist ein Zunftzeichen, welches das Jahr über in der Kaue hängt und bei Sterbefällen zündet man dort eine Kerze an. Andreas Neumayer tanzte mit dem »Schied« durch den Festsaal. Er hänge ihn über der Tanzfläche auf. Eine Abordnung der Knappschaftskapelle spielte und Andreas Neumayer tanzte mit Montserrat Cort Montagut den Eröffnungstanz. Die Tanzfläche füllte sich und es wurde noch lange gefeiert.

Dienstjubilare

Anton Reichenberger (45 Jahre), Franz Stocker (40 Jahre), Thomas Stöger (40 Jahre), Armin Irlinger (40 Jahre), Josef Aigner (25 Jahre), Peter Koller, Kilian Stangassinger, Mario Streitfelder, Stefan Punz, Sebastian Rabenbauer, Sebastian Walter, Stefan Giritzer, Bernhard Lochner, Siegi Skriwan, Christiane Kurz, Evi Koppenleitner, Antonia Deinlein (alle 10 Jahre).

Bernhard Stanggassinger

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