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Bergführer hoffen auf gute Sommersaison

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Korbinian Rieser freut sich, dass er nach der Öffnung der Hotels bald wieder touristische Gäste führen darf. (Foto: Veronika Mergenthal)

Berchtesgaden – Der Beginn der Corona-Ausgangsbeschränkungen hat auch Berg- und Skiführer hart getroffen. »Freilich machst du dir da Gedanken wie: was ist, wenn nun das ganze Jahr ausfällt?«, denkt Korbinian Rieser an das große Bangen zurück, das bis Ende April anhielt. Rieser ist Vorsitzender des Berchtesgadener Bergführervereins. Inzwischen sieht es wieder entspannter aus: Laut Beschluss in der bayerischen Kabinettssitzung vom 26. Mai sind ab 8. Juni Outdoor-Sportarten in Gruppen bis zu 20 Personen zulässig.


Der Berchtesgadener Bergführerverein wurde vor zehn Jahren wieder gegründet. Zurzeit hat er 26 Mitglieder, darunter auch Bergführer aus den Nachbarlandkreisen Traunstein und Rosenheim sowie auch zwei Salzburger. Damit wird die Tradition von 1881 fortgeführt: Nach der Erstbesteigung der Watzmann-Ostwand durch Johann Grill alias »Kederbacher«, wurde der Berchtesgadener Bergführerverein, der älteste in ganz Deutschland, gegründet. Mitglieder trugen 1893 das 125 Kilo schwere und 3,5 Meter hohe eiserne Kreuz auf die Watzmann-Mittelspitze.

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Heute dient der Verein, der selbst kein Tourenanbieter ist, für den gemeinsamen Auftritt in der Öffentlichkeit, als Koordinations-Plattform und zum Austausch untereinander. Vorsitzender Korbinian Rieser absolvierte nach einem abgebrochenen Sportstudium eine Metallbau-Lehre und gleichzeitig eine Bergführer-Ausbildung. Einige Jahre arbeitete er parallel im Metallbau und am Berg, bis er es 2005 wagte und hauptberuflicher Bergführer wurde. Mit dem Extremkletterer Thomas Huber und Michael Grassl hat er seine eigene Alpinschule. Bergschulen, die viele Auslands-Touren anbieten, seien durch die Ausgangsbeschränkungen und Grenzschließungen ähnlich wie Reisebüros durch hohe Rückzahlungen belastet worden, so Rieser. Auch die Wintersaison sei noch tangiert gewesen: Kollegen, die mehr Skitouren im Programm hatten, seien ebenfalls von Verdienstausfällen betroffen. Das Glück der heimischen Bergführer sei, dass der Mai ohnehin meist eine Übergangs-Saison ist. Ein Lockdown in den Sommermonaten wäre weit gravierender ausgefallen. Rieser hatte wie etliche Kollegen aus der Region den Standort-Vorteil, dass er trotz des Ausbleibens der Touristen in den letzten Wochen bereits einzelne Tagesgäste führen konnte.

Bergführer aus dem Raum München, die auf mehrtägige Touren im Ausland spezialisiert sind, hätten es da schwerer. Ein Schwerpunkt seiner eigenen Schule sind Klettersteigführungen, die in den letzten Jahren einen Boom erlebten. Hier nimmt er normalerweise sechs Personen mit, derzeit sind nur vier möglich. »Da bleibt schon weniger hängen.« Der neue Kabinettsbeschluss gibt Grund, wieder aufzuatmen. Auch Indoor-Sportstätten wie Kletterhallen dürfen demnach ab 8. Juni wieder geöffnet werden.

Der Mindestabstand von 1,5 Metern gilt auch am Berg; wenn man sich doch näher kommt, muss man eine Gesichtsmaske überziehen. Bei den klassischen Führungen wie Watzmann-Ostwand, Watzmann-Überschreitung oder Hochkalter seien ohnehin maximal zwei Gäste dabei. »Da ist es kein Problem, diese ganzen Abstandsregeln einzuhalten.« Auch etliche Hygienerichtlinien wie das Desinfizieren der Leihausrüstung sind laut Rieser zu beachten.

Der Verband Deutscher Berg- und Skiführer (VDBS) sieht trotz der Lockerungen immer noch ein großes Problem für die Berufsausübung der Bergführer: »Ein Großteil unserer Tätigkeit basierte bisher auf der Übernachtung in Hütten. Hüttenübernachtungen (bayerische Hütten) sind aber nach den uns am 26. Mai zugegangen Informationen nur zulässig, wenn in einem Raum nur Menschen aus einer Familie/Haushalt übernachten. Damit sind Übernachtungen in Bayern aktuell faktisch nicht möglich beziehungsweise nur für einen stark eingeschränkten Personenkreis«, schreibt der VDBS auf seiner Homepage. Dies gelte bis voraussichtlich zur vollständigen Aufhebung des Mindestabstands, mindestens bis Mitte Juli 2020. Im Ausland sehe dies teilweise großzügiger aus, die Regelungen auf Hütten seien hier sehr unterschiedlich.

Inzwischen gehen die Buchungen bei den Berchtesgadener Bergführern bereits wieder rege ein. »Sobald die Meldungen draußen waren, dass zu Pfingsten die Hotels aufmachen, sind die Anfragen gekommen«, berichtet Rieser. Die Pfingstferien spielen sich ja heuer innerhalb von Deutschland ab.

Das ruhige Frühjahr nutzte der 42-Jährige, um mit seinen Buben (10 und 14), die keine Schule hatten, »schöne Sachen, die man sonst nicht macht«, zu unternehmen.

»Ein bisserl Ungewissheit bleibt«, gibt er zu bedenken: Etwa, ob der Sommer tatsächlich so gut wie erhofft läuft und ob es im Herbst oder Winter eine zweite Corona-Welle gibt. »Diese und die nächste Saison wird uns das einfach begleiten. Du musst mit dem Thema einfach umgehen.« Veronika Mergenthal

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