Bewohner fühlt sich gestört: Außengastronomien schließen pünktlich um 22 Uhr

Bildtext einblenden
Viele Gäste kommen regelmäßig zu »Montag auf d'Nacht werd Musi g'macht« in den Markt Berchtesgaden. Durfte man früher teilweise noch bis 23 Uhr sitzen bleiben, so ist zurzeit pünktlich um 22 Uhr Schluss. (Archiv-Foto: Bernhard Stanggassinger)

Berchtesgaden – Lockerungen bei den Corona-Beschränkungen, sommerliche Temperaturen und entspannte Atmosphäre: Im Markt Berchtesgaden freuen sich Einheimische und Gäste seit einigen Wochen auch wieder sichtbar ihres Lebens. Die Außenbereiche der gastronomischen Betriebe sind gut gefüllt, doch um Punkt 22 Uhr – deutlich früher als bislang – werden die Wirte und auch die kontrollierende Polizei ungemütlich, die Gäste in den Außenbereichen müssen gehen. Die neue Strenge hat einen Hintergrund: Ein Bewohner des Marktes fühlt sich durch den Lärm gestört, wenn die Sperrstunde nicht exakt eingehalten wird.


Gaststätten unterliegen dem Bundesimmissionsschutzgesetz, das sieht für die Außengastronomie die Nachtruhe allgemein ab 22 Uhr vor. Der Lärmschutz soll vor allem den Anliegern zugute kommen. Thomas Hettegger, 1. Vorsitzender der Aktiven Unternehmen Berchtesgaden, weiß, dass die Sperrstunde in den letzten Jahren nicht immer auf die Minute eingehalten wurde. »Bei Veranstaltungen wie ›Montag auf d'Nacht werd Musi g'macht‹ ist vielleicht mal ein Stünderl überzogen worden, aber nie exzessiv«, sagt Hettegger.

Anzeige

An einigen lauen Sommerabenden hat es auch in so mancher Gaststätte ein wenig länger gedauert, bis der letzte Tisch im Freien geräumt war. Es wurde allgemein toleriert, solange es nicht ausuferte. Doch seit einigen Wochen bemerken die Gäste bei Wirten und Kellnern um 22 Uhr eine bislang nicht gekannte Unruhe. Einheimische erzählen von kontrollierenden Polizeistreifen, die die Wirtshausterrassen binnen weniger Minuten räumen. »Ja, das ist tatsächlich so«, sagt Thomas Hettegger. Der weiß, dass es vor allem um einen einzigen Beschwerdeführer im Markt geht, der sich nach 22 Uhr massiv gestört fühlt. Der soll laut Hettegger regelmäßig die Polizei zum Einschreiten auffordern, beim Innenministerium soll er sich sogar über die hiesige Polizei beschwert haben.

»Der Polizei bleibt nun nichts anderes übrig, als strenger zu kontrollieren«, nimmt Hettegger die Polizeibeamten sogar in Schutz. Die neue Strenge war kürzlich auch ein Thema auf einer Versammlung der Aktiven Unternehmen. Denn glücklich ist man mit dieser Situation freilich nicht. Auch Peppi Haslinger, Wirt vom Gasthof »Goldener Bär«, echauffiert sich darüber: »Es macht ja auch kein Bild, wenn am Abend die Polizeistreifen durch den Tourismusort fahren.« Haslinger hält die Entwicklung schon für bedauerlich, wenngleich sein Personal davon profitiere: »Dann haben die auch mal ein wenig früher Feierabend«, lacht Haslinger. Eine Verlängerung der Sperrstunde gibt es nur in Ausnahmefällen, beispielsweise beim Marktfest im August. Das wird allerdings heuer coronabedingt wieder ausfallen. »Denn dafür müssten wir Einlasskontrollen machen, aber wir können doch nicht den ganzen Markt zusperren«, sagt Thomas Hettegger.

Dafür wird es aber die verkaufsoffenen Sonntage geben wie beispielsweise den Salzsonntag mit Standlmarkt am 1. August. Allerdings wieder mit »Zapfenstreich« um 22 Uhr.

Ulli Kastner

Mehr aus Berchtesgaden