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»Bezahlbare Wohnungen bleiben Mangelware«

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Berchtesgaden: »Bezahlbare Wohnungen bleiben Mangelware« – Mieten sollen nach Coronakrise sinken
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Armin Nowak, Immobilienexperte aus Berchtesgaden, geht davon aus, dass die Immobilienpreise trotz Corona-Krise stabil bleiben. (Symbolbild: privat)

Berchtesgaden – Betongold – auch in der Krise stabil? Das Virus wird die Immobilienblase nicht zum Platzen bringen. Die Immobilienpreise bleiben stabil. Davon ist Immobilienexperte Armin Nowak überzeugt, wie er in dem aktuellen Marktbericht für das Berchtesgadener Land schreibt.


Doch wie sieht es eigentlich bei den auch als Betongold gepriesenen Wohnimmobilien im Berchtesgadener Land aus? Noch ist nicht endgültig klar, welche Auswirkungen die aktuelle Corona-Krise auf den Immobilienmarkt haben wird. Laut einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) müssen Immobilienbesitzer jedoch nicht befürchten, dass die Corona-Pandemie zu großen Wertverlusten führt. Denn auf der einen Seite könnten die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Virus-Pandemie die Nachfrage nach Wohnimmobilien zwar kurzfristig sinken lassen. Auf der anderen Seite sind Neubauprojekte im Berchtesgadener Land nach wie vor knapp.

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Nicht um jeden Preis

Laut einer Studie des Immobilienverbands IVD wird das Transaktionsvolumen jedoch im zweiten Quartal dieses Jahres voraussichtlich um 25 bis 35 Prozent zurückgehen. Das Forschungsinstitut Empirica rechnet mit einem Preisrutsch von bis zu 25 Prozent. Käufer und Investoren seien nicht mehr bereit, jeden Preis zu bezahlen, nur um überhaupt an eine Immobilie zu kommen.

Für den weiteren Jahresverlauf erwartet der IVD nach jetzigem Stand dann allerdings wieder eine Normalisierung. Es könnte mittelfristig bei den Gewerbeimmobilien, insbesondere im Einzelhandel, bei Läden und Büros, anders laufen, als es jetzt der trübe Eindruck nahelegt. Dass aber im Grundsatz der Konjunktureinbruch und die veränderten Gewohnheiten für die Situation der Vermieter folgenlos bleiben werden, ist ziemlich unwahrscheinlich.

Angesichts von möglichen Insolvenzen und steigender Arbeitslosigkeit dürften die Mietpreiserwartungen sinken, weil den Haushalten weniger Einkommen zur Verfügung stünde. Angesichts der eingebrochenen Aktienmärkte dürften Investoren mittelfristig erst recht Geld in die als solide geltenden deutschen Wohnimmobilien stecken, so der Immobilienexperte Armin Nowak aus Berchtesgaden.

Die Corona-Krise dürfte nach Einschätzung von Ökonomen den Anstieg der Mieten und Immobilienpreise dämpfen. Selbst ein Ende des zehnjährigen Immobilienbooms im Berchtesgadener Land sei denkbar, wenn sich die Krise noch Monate hinzieht und der Alltag der Menschen stark eingeschränkt bleibt. Das würde Mietern und Immobilienkäufern nach den rasanten Aufschlägen der vergangenen Jahre Luft verschaffen. Die Corona-Krise könnte auch als Wendepunkt und Chance genutzt werden. Die Krise hat dahingehend auch gute Seiten: Womöglich wird vielen jetzt erst bewusst, wie wichtig das eigene Zuhause ist, in das man sich zurückziehen kann – oder muss, wie es derzeit nötig sein kann.

Die Immobilienpreise bleiben laut Armin Nowak aus mehreren Gründen stabil. Erstens: Es gibt kein Überangebot. Gerade einmal drei Prozent aller Wohnungen stehen bundesweit leer. Viele Neubauprojekte sind zu großen Teilen vor Baubeginn verkauft oder vermietet.

Zweitens: Die Finanzierungsbedingungen bleiben günstig. Die geldpolitischen Lockerungen der Europäischen Zentralbank, insbesondere die ausgeweiteten Anleihekäufe, werden die Zinsen auf absehbare Zeit niedrig halten.

Und drittens: Immobilienkäufer haben ihre Vorhaben weitsichtig finanziert. Kunden, die im Februar ein Darlehen abschlossen, sicherten sich ihre Zinsen durchschnittlich für annähernd 14 Jahre und tilgen in diesem Zeitraum fast durchweg drei Prozent des Kredits pro Jahr. Obwohl Bankkunden infolge steigender Preise höhere Darlehen aufnahmen, blieb der Anteil des Eigenkapitals mit 20 Prozent stabil.

Drastischer Rückgang?

Jetzt soll noch der Mietendeckel kommen. Eine Folge des Mietendeckels wäre die Beschränkung auf das Notwendigste im Umgang mit den Häusern und deren Wohnumfeld. Maßnahmen zum Klimaschutz und für den altersgerechten Umbau könnten nicht erfolgen. Am Beispiel Spaniens lässt sich ablesen, wie ein Mietendeckel wirkt: Das Angebot an Mietwohnungen ging drastisch zurück, weil die Vermieter fürchteten, Verluste zu machen. Bis heute gibt es in Spanien keinen nennenswerten Mietwohnungsmarkt und nur eine untergeordnete Mietgesetzgebung. Die Mieten im Landkreis Berchtesgadener Land haben sich auf hohem Niveau eingependelt. »Bezahlbare Wohnungen bleiben aber Mangelware«, so der Immobilienexperte. fb

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