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Buttnmandllaufen auf Messers Schneide

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Ob Kramperl und Buttnmandl dieses Jahr Familien besuchen können, ist fraglich. Alle Beteiligten warten ab, bis eine Nachfolgeregelung der gültigen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung bekannt gegeben wird. Erst Anfang Dezember soll entschieden werden, ob Nikolaus und Co. sich auf den Weg machen können. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgaden – Als im Frühjahr mit dem ersten Lockdown die Ungewissheit kam, war der Gedanke an Nikolaus und Buttnmandl noch fern. Doch der zweite Lockdown bringt den Brauch nun tatsächlich in Gefahr. »Das Kramperllaufen wird in diesem Jahr sicher komplett anders aussehen, als die Jahre zuvor«, sagt Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp. Wenn es denn überhaupt stattfinden kann. In Zeiten von AHA-Regeln und Kontaktbeschränkungen ist der Einkehrbrauch kaum umsetzbar.


Ende vergangener Woche hatte Bürgermeister Hannes Rasp aus Schönau am Königssee ein Treffen mit Vertretern der Bassen. Das Gespräch sei konstruktiv verlaufen, sagt er. Es sei geprägt gewesen von »großem Verständnis für die allgemeine Gesundheit«, so der Bürgermeister. Bei dem Vorgespräch sollte ausgelotet werden, was am 5. und 6. Dezember möglich ist, wenn sich der Nikolaus und seine Kramperl aufmachen, um zuhause die Kinder zu besuchen.

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Nicht sicher ist derzeit aber, ob es dazu überhaupt kommen wird. Denn Hannes Rasp sagt auch: »Die Verordnung zu den Infektionsschutzmaßnahmen gilt bis Ende November.« Bis dahin regeln strenge Kontaktbeschränkungen im öffentlichen und privaten Raum mögliche Treffen.

Nur Personen aus maximal zwei Haushalten dürfen sich treffen oder maximal zehn Leute, wie das Landratsamt auf Anfrage erneut bestätigt. Solange die Verordnung gilt und keine neue in Sicht ist, ist auch Rasp machtlos. »Natürlich würden die Jungen gerne laufen und den Brauch weiterleben lassen, das steht außer Frage«, sagt Hannes Rasp. Aber ohne Planungssicherheit sei das schwierig.

In Schönau am Königssee findet das Brauchtum in der Regel abseits von Menschenmassen statt. Mit Geläut gehen die Buttn­mandlbassen von Haus zu Haus und besuchen dort die versammelten Familien. Weil eine Bass aber aus mehreren Buttnmandln und Ganggerln besteht, ist allein schon diese Zusammenkunft nicht möglich.

Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp sagt, dass eine Entscheidung »sehr kurzfristig« gefällt werde, und zwar erst dann, wenn die Verordnung nicht mehr gilt oder eine neue präsentiert wird. Aus dem Landratsamt heißt es, man habe »bisher noch keine Informationen, welche Rechtslage ab dem 1. Dezember in Bayern gelten wird«.

Berchtesgadens Rathauschef trifft sich jedes Jahr mit Vertretern der Bassen zur Buttnmandlbesprechung. Beauftragte von Polizei und Landratsamt sind auch mit dabei. Wegen Corona hat die Besprechung noch nicht stattgefunden. Geplant ist deshalb, eine Videokonferenz zu schalten. Aber erst dann, wenn die Bedingungen, unter denen das Kramperllaufen abgewickelt werden kann, stehen.

»Stand heute könnte ein Nikolaus lediglich gemeinsam mit einem Kramperl eine Familie besuchen«, sagt Rasp. Das Wohnzimmer müsste ins Freie verlegt werden. Der Nikolaus müsste Lob und Tadel den Kindern unter freiem Himmel entgegenbringen. »An rechtlichen Vorgaben gibt es nichts zu rütteln«, stellt Rasp klar.

Ob sich die Bassen unter diesen Voraussetzungen überhaupt zu den Familien aufmachen, ist unklar. Diejenigen, die viel Freizeit investiert, ihre Felle genäht und Glocken gekauft haben, würden dann zuhause bleiben müssen.

Bürgermeister Franz Rasp versteht sich selbst nur als »Vermittler von Information über geltende Regeln«. Solange aber keine Information über Lockerungen vorliegt, »ist die Umsetzung dieses Jahr schwierig«, sagt er. Anfang Dezember wird es erneut Gespräche geben. Dann soll entschieden werden, ob und in welcher Konstellation der Brauch stattfinden kann.

Für den Bischofswieser Ortsteil Loipl bleibt das Buttnmandllaufen ohnehin nur durch eine Verschiebung möglich: Traditionsgemäß laufen die Bassen dort am ersten Adventssonntag. Der erste Advent fällt heuer auf den 29. November und damit in jenen Zeitraum, in dem die aktuell gültige Verordnung noch in Kraft ist

Kilian Pfeiffer

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