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Buttnmandllaufen darf stattfinden: Nikolaus und ein Kramperl sind erlaubt

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Berchtesgaden: Buttnmandllaufen erlaubt – Nikolaus und ein Kramperl zulässig
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Stop! Menschenmengen sind in diesem Jahr nicht erlaubt. Das Buttnmandl wird heuer nur mit Nikolaus unterwegs sein. (Archivfoto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgaden – Es besteht Gewissheit: Das Kramperl- und Buttnmandllaufen im Berchtesgadener Talkessel darf am Samstag und Sonntag, 5. und 6. Dezember, stattfinden. »In einem auf ein Minimum reduzierten Rahmen«, sagte Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp am Mittwoch im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«.


Vertreter der Talkessel-Gemeinden, des Landratsamtes und der Buttnmandlbassen waren sich in einer Videoschalte am Dienstagnachmittag einig. Die aktuell gültigen Corona-Regeln müssen eingehalten werden und erfordern deutliche Einschnitte in der Brauchtumspflege. Der Gemeindechef richtet aber auch einen Appell an die Bürger.

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Als die Buttnmandl am vergangenen Sonntag, erster Advent, im Bischofswieser Ortsteil Loipl von Familie zu Familie gingen, waren es vier Personen, die die Bass bildeten: der Nikolaus, das Nikoloweibi sowie zwei Buttnmandl.

Vier Hausstände also? Oder doch nur jeweils zwei in verwandtschaftlicher Beziehung zueinander stehende Personen? Das weiß auch Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp nicht so recht. Von polizeilichen Beanstandungen in Loipl ist zumindest nichts bekannt.

Im Berchtesgadener Talkessel hingegen soll das Brauchtum, das am Samstag und Sonntag stattfinden wird, klar geregelt sein – und streng kontrolliert werden. »Ein Nikolaus und ein Buttn­mandl sind möglich«, sagt Rasp. Also maximal zwei Hausstände, die aufeinander treffen. »Wären es tatsächlich zwei Buttnmandl, dann müssten das schon Brüder sein, die im selben Haus wohnen«, sagt Rasp.

Seit zwölf Jahren gibt es die Buttnmandl-Besprechung im Vorfeld der Brauchausübung. So viele Personen wie dieses Mal hätten sich noch nie daran beteiligt, sagt Franz Rasp. Kein Wunder, das Interesse bei den knapp 40 Bassen im Berchtesgadener Talkessel ist groß. Mehrere hundert junge und jung gebliebene Männer hatten sich seit Monaten auf die beiden Tage Anfang Dezember gefreut.

Die Tradition nimmt in den Gemeinden Berchtesgaden, Schönau am Königssee, Bischofswiesen, Ramsau und Marktschellenberg einen besonderen Stellenwert im Jahreskalender ein – für Teilnehmer und Zuschauer gleichermaßen, die zu tausenden an beiden Tagen unterwegs sind. Daher hatten einige Kramperl-Fans in den vergangenen Tagen auch Protestaktionen gestartet, so wie in der Unterau, wo ein angeketteter Nikolaus zu sehen war.

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Foto: Sylvia Hinterseer

Franz Rasp macht klar: »Jede Bass ist für sich selbst verantwortlich.« Gut sei, findet Rasp, dass alle Teilnehmer Einsicht gezeigt hätten und Bereitschaft, dieses Jahr nur in deutlich kleinerem Rahmen das Brauchtum auszuüben. Geplant sei, dass jede Bass Buch darüber führe, wer aktiv mitlaufe. Alle Personalien sollen gesammelt werden, damit es bei Kontrollen zu keinen Problemen führe.

Hausbesuche sollen indes auch möglich sein. Der Krampus muss dann aber draußen bleiben. »Nur der Nikolaus darf in das Haus«, sagt Franz Rasp. Der Nikolaus gilt als ein Hausstand, der zweite ist die Familie. Allerdings dürfen maximal fünf Personen zusammenkommen. Kinder bis 14 Jahren sind von dieser Zählung ausgenommen. Franz Rasp sagt, dass es allen Beteiligten wichtig gewesen sei, das Brauchtum auch im Corona-Jahr fortzuführen. Sicherheit habe aber klaren Vorrang.

Auch beim Einbinden der Buttnmandl im Vorfeld gebe es Corona-konforme Regeln, die einzuhalten seien. Ebenso ist es in diesem Jahr nicht gestattet, sich abends in Bass-Stärke auf ein Bier zusammenzusetzen. Rasp sagt, die Quote privater Anzeigen bei Corona-Verstößen sei in den vergangenen Monaten hoch gewesen. Beim Buttn­mandllaufen müsse damit gerechnet werden, dass viele Bürger ganz genau hinsehen.

Berchtesgadens Bürgermeister ist sicher sicher, dass das Brauchtum unter strengen Auflagen nur dann funktioniert, »wenn auch die Bevölkerung mitmacht«. Es sei darauf zu achten, Personenzahlen in einem Hausstand einzuhalten, sagt er. Er rät davon ab, in den Markt zu strömen und Menschentrauben zu bilden. »Das funktioniert in diesem Jahr einfach nicht.« Zudem sei es gut, dass die Tradition überhaupt fortgeführt werden könne - »an die Regeln müssen sich nun aber alle halten«. Laut Informationen des »Berchtesgadener Anzeigers« wird die Polizeiinspektion Berchtesgaden am Wochenende deutlich aufgestockt – mit Einsatzkräften von außerhalb. Sowohl am Samstag als auch am Sonntag soll verstärkt kontrolliert werden. »Ausnahmegenehmigungen für einzelne Bassen wird es nicht geben«, sagt Bürgermeister Franz Rasp.

red/Kilian Pfeiffer

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