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Corona bremst Bypass-Projekt am Bahnhof nur minimal

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Berchtesgaden: Corona bremst Kreisverkehr-Bypass-Arbeiten am Bahnhof nur minimal
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Die Taxistellplätze müssen um einige Meter verlegt werden, die südliche Zufahrt zum ehemaligen Krüger-Parkplatz wird aufgelöst.

Berchtesgaden – Auch die Bauarbeiten am Kreisverkehr-Bypass beim Bahnhof bekommen aktuell die Corona-Krise zu spüren. Die Bautrupps sind kleiner, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, und beim Materialnachschub kann es schon mal zu Verzögerungen kommen. Doch insgesamt ist man auf einem guten Weg, wie Michael Moderegger vom märktischen Bauamt dem »Berchtesgadener Anzeiger« bestätigte. Bis Mitte Mai soll das Bauwerk, wenn das Virus nichts dagegen hat, vollendet sein.


Nachdem man im vergangenen Herbst noch mit der Umgestaltung der Ein- und Ausfahrten beschäftigt war, widmet man sich nun seit einigen Wochen der Errichtung der eigentlichen Bypass-Spur in Richtung Ramsau. Die Einfädelspur wird auf Höhe der nördlichen Zufahrt zum ehemaligen Krüger-Parkplatz beginnen. Der Grünstreifen entlang der Bahnhofstraße wird verschwinden, die Taxistellplätze werden um einige Meter in Richtung Bistro »Watz« verlegt. Während der Bauarbeiten sind vor dem »Burger King« provisorische Taxistellplätze eingerichtet. Die direkt neben dem Bistro befindliche Zufahrt wird aufgelöst und soll künftig nur noch ein Zugang für Fußgänger sein. Dafür wird die nördliche Zufahrt ertüchtigt.

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Aktuell sind weniger Arbeiter auf der Baustelle als noch zu Beginn der Maßnahme. »Die Firmen haben Trupps von drei bis vier Leuten zusammengestellt. Sollte tatsächlich einer am Virus erkranken, dann fällt nicht gleich die ganze Mannschaft aus«, erklärt Michael Moderegger und fügt gleich an: »Gottseidank ist bisher alles gut gegangen.«

Trotz der Krise will man mit etwas reduziertem Aufwand weitermachen. »Wir wollen auf jeden Fall in den nächsten Wochen fertig werden«, betont Michael Moderegger. Die Asphaltierungsarbeiten sind aktuell für Ende April geplant. Viel eher hätte es ohnehin nicht geklappt, denn auch die Mischanlagen hatten zwischenzeitlich den Betrieb reduziert. Anfang Mai könnte man dann die Markierungsarbeiten durchführen und Ende Mai noch die neuen Wegweiser platzieren. »Vorausgesetzt, dass alle gesund bleiben«, betont Moderegger noch einmal.

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Trotz reduzierter Personalstärke machen die Bauarbeiten an der in Richtung Ramsau führenden Bypass-Spur große Fortschritte. (Fotos: Christian Wechslinger)

So konnte man den Zeitplan bislang trotz Corona fast einhalten. Und dasselbe scheint für die Baukosten zu gelten. Insgesamt 1,3 Millionen Euro waren für das Projekt des Staatlichen Bauamts Traunstein und der Marktgemeinde Berchtesgaden angesetzt. »Wir werden vielleicht knapp drunter liegen«, sagt Michael Moderegger.

Inwiefern die Funktion des neuen Bypasses in der kommenden Saison getestet werden kann, bleibt abzuwarten. Zu unsicher ist aktuell die touristische Entwicklung in Krisenzeiten. Doch selbst wenn das Verkehrsaufkommen am Bahnhofskreisverkehr einmal wieder die Intensität vergangener Jahre erreichen sollte, müssten vor allem die Staus in Richtung Bergwerkstraße deutlich zurückgehen. So jedenfalls sieht es der bekannte Verkehrstechniker Peter Nolden aus Essen, der für ein Gutachten wochenlang aufwändige Verkehrszählungen am Kreisverkehr durchgeführt hatte. Als einen der Hauptgründe für die Staus machte er die Fußgänger aus, die beim Überqueren der Ein- und Ausfahrten stets für Unterbrechungen des Verkehrsflusses sorgen. Das Gutachten stellte auch fest, dass kaum jemand die Innenspur nutzte. Die gibt es nun ohnehin nicht mehr.

Ausgehend von den jeweiligen Maximalwerten errechnete der Wissenschaftler einen Prognosehorizont bis zum Jahr 2030. Mit Verkehrsteigerungen von 1 Prozent pro Jahr. Das Ergebnis sei eindeutig: Die Rückstaulängen würden sich mit Bypass fast bei allen Einfahrten drastisch reduzieren. Mit dem Effekt, dass man bei den Ampeln am Bavaria-Knoten wieder auf normale Umlaufzeiten zurückgreifen könne. »Die Wartezeit der Fußgänger sinkt von 90 auf 60 Sekunden«, hatte Peter Nolden bei einem Informationsabend im AlpenCongress erklärt. Bald sollte man es wissen.

Ulli Kastner

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