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Noch heute existiert das Wandbild, das im Auftrag der Reichspost entstanden ist (Foto: Lisa Schuhegger)
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Das Hakenkreuz liegt zwar im Schatten, ist aber bei genauerer Betrachtung zu erkennen. (Repro: NARA)

Das Hakenkreuz am Bahnhof – Künstler fertigte Werk, obwohl er dem NS-Regime kritisch gegenüberstand

Berchtesgaden – Blickt man heute auf das Wandbild am ehemaligen Postamt Berchtesgaden, stellt man sich die Frage: »Was ist auf der Fahne?« Die Antwort: ein Hakenkreuz. Das historische Foto, das aus den National Archives stammt, hatte die Dokumentation Berchtesgaden kürzlich auf Instagram veröffentlicht. Dieses Werk ist insofern überraschend, weil der Künstler dem NS-Regime kritisch gegenüber stand.


Das Mosaik ist mit dem Neubau des Bahnhofes und Postamtes 1937 entstanden, wie die Dokumentation Obersalzberg in ihrem Beitrag schreibt. Die acht Meter hohe Figur besteht aus 7200 Kieselsteinen. In der linken Hand hält sie das Berchtesgadener Wappen, in der rechten die Hakenkreuzfahne. Für dieses Werk ist der Münchner Künstler Max Lacher verantwortlich. Den Auftrag bekam er 1935. »Er hat das Wandbild im Rahmen eines Großauftrages der Reichspost gestaltet«, informiert Bildungsreferent Mathias Irlinger.

Ziel des Bildes war, die Besucher, die mit dem Auto oder Zug nach Berchtesgaden angereist waren, zu beeindrucken. »Lacher war zu dieser Zeit ein bekannter Künstler«, weiß Irlinger. Bereits 1921 hat Lacher den Albrecht-Dürer-Preis der Stadt Nürnberg erhalten. In der NS-Zeit machte er aber keine Ausstellungen mehr und weigerte sich, in die NSDAP einzutreten. Nach 1945 hatte der Künstler wieder viele große Aufträge. So gestaltete er Fassaden des Donisl und des Kaufhauses Ludwig Beck am Münchner Marienplatz.

Lachers Werk in Berchtesgaden wurde in der Nachkriegszeit verändert. Die Kieselsteine wurden so umgesetzt, dass kein Hakenkreuz mehr zu erkennen ist. Obwohl der Künstler kaum noch bekannt ist, prägt er bis heute diesen Platz.

In der Rubrik »Berchtesgaden damals und heute« zeigt der »Berchtesgadener Anzeiger« Gegenüberstellungen von Fotos aus vergangenen Tagen und aus heutiger Zeit. Wer hat noch solche Bild-Schätze zu Hause? Der kann sie gerne in der Redaktion vorbeibringen, Dr.-Imhof-Straße 9, 83471 Berchtesgaden. Wenn sie schon in digitaler Form vorhanden sind, dann können sie per E-Mail an redaktion(at)berchtesgadener-anzeiger.de geschickt werden.

Patrick Vietze

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