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Foto: pixabay Symbolbild

Das »weiße Gold« trotzt der Krise – Treffen der europäischen Salzhersteller auf dem »EUsalt-Kongress«

Berchtesgaden – Die Mitglieder des Verbands der europäischen Salzproduzenten (EUsalt) sind zu ihrem jährlichen Treffen dieses Mal in Berchtesgaden zusammengekommen. Die Verbandsmitglieder decken rund 77 Prozent des europäischen Salzmarktes ab. Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp brachte den internationalen Vertretern bei der Abschlussveranstaltung des dreitägigen Treffens auch noch die Lederhose näher.


Das Treffen in Berchtesgaden war das erste nach zwei Jahren Coronapandemie. Gastgeber der Veranstaltung war das Mitgliedsunternehmen Südwestdeutsche Salzwerke AG aus Heilbronn, das unter anderem die Saline in Bad Reichenhall und das Berchtesgadener Bergwerk betreibt.

»Es ist uns eine Freude, die EUsalt-Gemeinde in Berchtesgaden, einem Ort der deutschen Salzgeschichte, begrüßen zu dürfen«, sagte Ulrich Fluck, Vorstandsvorsitzender der Südwestdeutschen Salzwerke AG im »Kulturhof Stanggaß«. Das Bergwerk in Berchtesgaden blickt auf eine über 500 Jahre währende Geschichte zurück.

Die Teilnehmer des mehrtägigen Kongresses, bei dem sich die Mitglieder austauschen und an Fachvorträgen teilnehmen konnten, stammen unter anderem aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Rumänien, Griechenland, Spanien, der Schweiz und Chile. Auf die Generalversammlung folgte eine offene Konferenz zu Schlüsselthemen für die Salzindustrie und ihre Interessensgruppen wie Ernährung, Lebensmittelsicherheit, Energiewende, Nachhaltigkeit, Innovation sowie Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Zu den Rednern zählten Vertreter aus Wissenschaft, Industrie und EU-Institutionen. Neben einem Besuch im Salzbergwerk ging es für die rund 100 Führungskräfte auch mit dem Elektroboot über den Königssee.

Dass es der Salzbranche gut geht und die Coronakrise den Salzproduzenten nur bedingt zugesetzt hatte, bestätigte Dr. Urs Ch. Hofmeier, EUsalt-Präsident aus der Schweiz, im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«: »Während Corona gab es zwar Verwerfungen auf dem Markt, aber die Salz-Nachfrage hat nicht gelitten«, sagte Hofmeier. Dennoch plagten die Branche die steigenden Energiepreise bei der Produktion. »Uns mangelt es vor allem an Europaletten zum Transport«. Nachdem europaweit Lockdowns ausgerufen worden waren, verzeichneten die europäischen Salzproduzenten einen großen Nachfrageboom. Gekocht wurde vor allem zuhause.

Die achtfache Menge an Salz konnte zu Beginn der Ausgangssperren abgesetzt werden, sagte der Vorsitzende des europäischen Verbands im Gespräch. »Im Gastronomiebereich haben wir dagegen weniger verkauft, weil die Restaurants größtenteils geschlossen blieben.«

Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp verglich die Bedeutung des Salzbergwerks für Berchtesgaden mit jener der Lederhose. Rasp, der seine Rede auf Englisch hielt, kam natürlich in Lederhose zur Abschlussveranstaltung. »Tragen Sie die Lederhose niemals mit pinken Socken«, riet er den Teilnehmern. Viele davon kannten das Stück Leder als Beinkleid nicht. »Man kann eine Lederhose locker 100 Jahre tragen. Sie wird von Generation zu Generation weitergegeben«, sagte Rasp. Das sorgte für amüsierte Lacher auf Seiten der Gäste. »Sie hat bei uns eine lange Tradition.«

Auch die Geschichte des Salzes reiche Jahrhunderte in die Vergangenheit zurück. Erst vor fünf Jahren hatte das Salzbergwerk in Berchtesgaden 500. Gründungsjubiläum gefeiert. Die Salzmine sei ein bedeutsamer Teil der Region und wichtig für das gesellschaftliche Umfeld. Denn traditionell arbeiteten dort vor allem Nebenberufslandwirte. Viele davon seien auch Teil der hiesigen Trachtenvereine, die wiederum die Tradition der Lederhose fortlebten.

Einer der Höhepunkte der EUsalt-Konferenz war die Bekanntgabe des Gewinners des »EUsalt Safety Award«. Dieser wird seit 2016 organisiert und zielt darauf ab, Mitglieder zu belohnen, die herausragende Leistungen im Bereich Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz zeigen. Sicherheitsexperten, EUsalt-Vorstandsmitglieder und Konferenzteilnehmer entschieden per Abstimmung, den diesjährigen Preis an ein Mitglied aus Großbritannien zu überreichen, »Compass Minerals«. Den Award erhielt das Unternehmen für ein Projekt, das sich mit interaktivem Brandbekämpfungstraining beschäftigt.

Auf der Vorstandssitzung wurde auch der neue Vorstand bis 2025 gewählt: Urs Ch. Hofmeier wurde in seinem Amt bestätigt.

Kilian Pfeiffer

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