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Das Ensemble Altenau (v.l.): Manuel F. Dörsch (Viola), Carsten Neumann (1. Violine), Katharina Hinterholzer (Violoncello), Iveta Schwarz (2. Violine) und Martin Hinterholzer (Kontrabass). (Foto: Dieter Meister)

Der Abend der Ohrwürmer – Konzert des Kulturkreises Berchtesgaden mit dem »Ensemble Altenau«

Berchtesgaden – Der Kulturkreis Berchtesgaden hat es wieder einmal geschafft, ein hervorragendes Konzert zu organisieren, dazu erstmals den »Kulturhof Stanggass« als neuen Fixpunkt zu erobern und, den gültigen Coronaregeln folgend, einen (kleinen) Saal mit Zuhörern zu füllen. Das erfreute nicht nur diese, auch wenn einige in den hinteren Reihen die nicht perfekte Akustik beklagten, sondern auch die Musiker vom Salzburger »Ensemble Altenau«. Das Streichquintett agierte erstmals hier, doch es war der Wunsch vieler Konzertbesucher, es öfter zu hören.


Das »Ensemble Altenau«, erklärte der Programmzettel, hat seinen Namen vom Schloss Altenau, das heute Mirabell heißt und unter anderem ein gefragter Ort für Konzerte ist. Das ursprüngliche Gebäude verdankt sein Dasein einer pikanten, allerdings sehr fruchtbaren Liebesbeziehung. Das Ensemble jedenfalls besteht aus Carsten Neumann (1. Violine), Iveta Schwarz (2. Violine), Manuel F. Dörsch (Viola), Katharina Hinterholzer (Violoncello) und Martin Hinterholzer (Kontrabass).

Endlich wieder Konzert und vor allem ohne Maske. Letztlich fühlten sich aber wohl viele Besucher des Konzertes im »Kulturhof Stanggass« mit dem längst gewohnten Mund- und Nasenschutz sicherer und genossen so das Programm des »Ensembles Altenau«, eines Streichquintetts, das ein quirlig buntes und vor allem facettenreiches Programm bot. Es enthielt auch zur Freude der Zuhörer einige »Ohrwürmer«, musikalische Sahnestückchen, denen man immer wieder und oft mit Freude begegnen kann.

Johann Pachelbels »Kanon in D-Dur« ist so ein markantes Werk, das bekannteste jedenfalls des Barockmeisters, dessen sich viele in noch mehr Varianten, die bis in Pop- und Rockmusik reichen, bedient haben. Und der für das »Ensemble Altenau« als perfekter Prolog diente, der die Cellistin sogar zu einer wiegenden Körper-Performance anregte. Die zweite Erkennungschance gab es gleich anschließend zumindest im eröffnenden Allegro-Satz von Wolfgang Amadeus Mozarts dreisätziger 3. Salzburger Sinfonie.

Von der ersten Violine (Carsten Neumann) prachtvoll geführt, lieferten die zweite Geige, Bratsche und Cello die stimmige Begleitung. Josef Haydns Streichquartett vor und drei Stücke von Franz Schubert nach der Pause folgten. Letztere dürften gut als Beweis dienen, dass sich das Salzburger Streichquintett sein Repertoire nach Musikqualität sucht und auch ursprünglich für Klavier komponierte Liedvorlagen neu arrangieren und für sich gewinnen kann. Der vermutlich überraschendste Moment eines erfrischend bunten Konzertes war aber wohl »Gabriels Oboe« von Ennio Morricone aus dem Film »The Mission«.

Das Instrument und sein Bläser Jeremy Irons allerdings wirkten gar nicht mit, es blieb bei den fünf Streichern, die diese markante Melodie ebenso prachtvoll durch den Raum schweben ließen wie den finalen »Walzer Nr. 2« von Dimitri Schostakowitsch. Eigentlich ein Werk für großes (Varieté-)Orchester und gleichfalls für einen Film komponiert, inzwischen ein Ohrwurm, dem man kaum entgehen kann und auch nicht will.

Ein wenig Mozart war dann noch zu hören, versteckt in einem wunderbaren – und ebenso interpretierten – auch aus diversen Filmen schon herausgehörten Tango von Carlos Gardel: »Por Una Cabez«. Die Cellistin Katharina Hinterholzer, die wohl bekanntermaßen selbst und mit dem Ensemble wie viele Künstler Monate darbte, dankte für die Einladung, für die Möglichkeit eines Auftritts vor zahlenmäßig so großem Publikum. Das dann noch Abba hören durfte: »Thank You For The Music«. Und ebenso Dank an den Kulturkreis und das »Ensemble Altenau« für dieses erfrischende, schöne Konzert.

Dieter Meister

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