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Ein letztes Gebet am Ponnzenzenbichl und dann heißt es für die Weinfelder Buttnmandln »Auf geht's«. Rechts neben dem Nikolaus steht Franz Brandner, Bauer vom Mitterweinfeldlehen. (Fotos: Bernhard Stanggassinger)

»Der Buttnmandldog is a Feierdog«: Zu Besuch beim »Weinfeld Franzei« und den Weinfelder Buttnmandln

Berchtesgaden – Hoch über dem Markt Berchtesgaden sind die Weinfelder Buttnmandl daheim. Im Mitterweinfeldlehen bei Franz Brandner bereiten sie sich jeweils am 5. und 6. Dezember für ihre Läufe und den Besuch zahlreicher Familien vor. »Anzeiger«-Fotograf Bernhard Stanggassinger durfte die Bass bei den Vorbereitungen und dem ersten Hausbesuch begleiten. 


Franz Brandner – vulgo »Weinfeld Franzei«, Bauer vom Mitterweinfeld und Erbauer der Weinfeldkapelle – ist ein großer Gönner der Weinfelder Buttnmandl. Er stellt seinen neu gebauten Stall für das Lagern des Strohs und für das Binden der Buttnmandl zur Verfügung. Auch der Nikolaus wird im Bauernhaus angekleidet.

Viel Betrieb war am Montag rund um das Bauerngehöft, von allen Seiten war das Anwesen mit Autos zugeparkt. Die Zuschauer standen vom Doktorberg bis zur Weinfeldkapelle. Der Franzei lachte und freute sich. »Der Buttmandldog is a Feierdog«, sagte er. In seinem Musikantenstüberl macht er sich eine Halbe Bier vor dem warmen Kachelofen auf und erklärt seine Aufgabe: »Früher hab ich auch Buttnmandl gebunden, bis sie gesagt haben, ich wäre ihnen zu langsam. Seitdem schau ich einfach, dass alles passt.«

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Der kleine Lenzi erfreute den Nikolaus und seine Buttn-mandl mit seinem Ziachspiel.

18 Strohbuttnmandl wurden gebunden und mit Stroh wurde nicht gespart. Wie Strohwolken waren die Buttnmandl anzuschauen, die Ähren nach oben und riesige Glocken mit einem Strick um die Hüfte gebunden. »Da deafst guad beinand sei, damitst des G'wicht bandelst«, war man sich unter den Bindern einig.

Zu den Buttnmandln gesellten sich 13 Kramperl, ihr Gesicht bis zur Unkenntlichkeit schwarz mit Ruß verschmiert, darüber eine Fellloavn. Die Kramperl holten den Nikolaus ab und dann versammelte sich die gesamte Schar noch kurz hinter verschlossener Stadeltür. Der Franzei öffnete das große Tor und der Lauf begann.

Es ging über die Straße hinauf, vorbei an der Weinfeldkapelle zum Ponnzenzenbichl. Der Blick von dort auf die einzigartige Bergwelt blieb an diesem Tag wegen schlechten Wetters verwehrt. Man versammelte sich im Kreis zum Gebet und der Franzei besprengte jeden Einzelnen. Danach gab's noch ein Stamperl Schnaps. Jetzt wurde es richtig laut, als die Buttnmandl über das Feld hinunter zum Mitterweinfeld schepperten.

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Typisch für die Weinfelder: die Ähren nach oben.

Die erste Einkehr war bei Familie Brandner am Mitterweinfeld. Die Enkel von Elisabeth und Franz zitterten ein wenig, als der Nikolaus die Stube betrat. Acht Kinder saßen um einen großen Tisch. Auch ein Buttn-mandl kam in die gute Stube und blieb prompt im Türrahmen stecken. Leichter hatten es da die drei Kramperl in der Stube, eines eilte gleich dem Buttnmandl zu Hilfe. Der Nikolaus begrüßte die festlich versammelte Familie. Im Advent, der Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten, da lohne sich der Blick zurück, sagte der heilige Mann. Es gelte, sich über das Gute zu freuen und über das weniger Gute nachzudenken. So könne man daraus lernen und einmal den Weg überprüfen, auf dem man unterwegs ist. »Und man kann neue Ziele setzen«, sagte der Nikolaus. Seine Engel hatten ihm alles aufgeschrieben und der Heilige Petrus hatte ihm das goldene Buch mitgegeben, in dem alles Wichtige über die Kinder steht. Die Kinder Anna-Lisa, Lorenz, Leni, Katharina, Markus, Christoph, Maximilian und Sebastian wurden alle namentlich genannt. Es gab Lob und Tadel.

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Stolze Binder nach getaner Arbeit.

Besondere Freude bereitete der kleine Lenzi dem Nikolaus, denn er spielte ihm auf seiner steirischen Ziehharmonika ein Musikstück vor. Schön anzuschauen waren die mitgebrachten Sackerl vom Nikolaus. Groß aufgedruckt der Kindername und ein Bild der Weinfelder Buttnmandl. Es wurden gemeinsam ein »Vaterunser und ein »Gegrüßet seist du Maria« gebetet und anschließend verabschiedete sich der heilige Mann mit den besten Wünschen für das bevorstehende Weihnachtsfest.

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Auf dem Weg in Richtung Weinfeldkapelle.

Anschließend ging es hinüber ins Kutschenstüberl am Weinfeldhof. Hier saßen Verwandte und Bekannte der Familie Brandner zusammen. Nach ein paar Worten überließ der Nikolaus den Buttnmandln und Kramperln das Feld. Alle wurden nach altem Brauch herausgerissen. Und dann machte sich die Bass wieder auf den Weg und verabschiedete sich in Richtung Rostwald.

Bernhard Stanggassinger

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