Der Feind im eigenen Haus: Mieter richtet 20.000 Euro Schaden an

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Hermann Hecht vor einer der mit Lack besprühten Türen und einer Altglas-Hinterlassenschaft. (Foto: Pfeiffer)
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Ungefragt hat der Mieter den Dachboden vollgestellt und den Hof mit Schrott und Ersatzteilen vermüllt. (Foto: privat)

Berchtesgaden – 18 Cent Miete hat der Mann bis zuletzt monatlich für seine Wohnung überwiesen – und das ist nur das kleinste Problem, das den gebürtigen Berchtesgadener Hermann Hecht plagt. Etliche Polizeieinsätze, ein mit Farbe beschmiertes Haus, zerstörte Fensterscheiben, ein vermülltes Grundstück – und jede Menge schlafloser Nächte, so lautet das Fazit des Dauerclinchs zwischen Mieter und Vermieter.


Hermann Hecht ist Schreinermeister. Er wohnt eigentlich in Ingolstadt, das Haus war das Erbe seiner Mutter und ist Grund genug, regelmäßig nach Berchtesgaden zu kommen. Als Handwerker muss er nur einmal über seinen Hinterhof spazieren und ein wenig die Augen offen halten, um zu sehen, dass der Schaden, den der Mieter hier angerichtet haben soll, immens ist. »Rund 20 000 Euro«, schätzt Hecht, der vor einigen Monaten mehrere Kameras am Haus installiert hat, die den Hofbereich aus verschiedenen Perspektiven filmen.

Vor sechs Jahren zog der Mieter, der dieser Zeitung bekannt ist, auf Nachfragen aber bislang nicht reagierte, in das Haus unweit des Berchtesgadener Bahnhofs ein. Die ersten drei Jahre: Nicht der Erwähnung wert. Vor drei Jahren habe dann aber das Martyrium begonnen, das dem Vermieter seitdem viel Kopfzerbrechen bereitet. Eine Räumungsklage sei, laut Hecht, angestoßen. Aber bis diese durch ist, das dauert.

Anwalt eingeschaltet

Hermann Hecht regelt seit langem alles über den Rechtsanwalt, was den Mieter lange Zeit aber nicht davon abhielt, teils ellenlange E-Mails zu verfassen. Hecht hat diese archiviert. Wo er am besten mit seiner Geschichte beginnt?

Die Wohnung der Mieters ist keine 50 Quadratmeter groß, der Hinterhof grenzt an die Wohnung, ist aber nicht Teil des Mietvertrags. Das störte den Mann aber nicht, dort Autos auszuschlachten, Ersatzteile und Schrott zu lagern. Mehrere dunkle, großflächige Ölflecken erinnern daran. »Er hat den Hof benutzt, als wäre es sein eigener«, sagt Hermann Hecht.

Einige ausrangierte Radiatoren stehen rum, ein Einkaufswagen gefüllt mit Altglas, zudem ein Sofa, Truhen, Stühle, Tüten mit Abfall. Unweigerlich drängt sich dem Besucher der Gestank verfaulender Nahrungsmittel auf. Anfangs habe Hermann Hecht noch in ruhigem Ton darauf hingewiesen, dass dies kein Zustand sei, der Mieter den Hof zu räumen habe. Dieser habe entgegnet, dass es sich um wertvolle Gegenstände handle, sagt Hecht. Im Nebenhaus hatte der Mieter bereits den Dachboden belagert – zunächst ohne Wissen des Mieters. Der Vermieter bedruckte einen Zettel, schrieb, das Grundstück sei »weder eine Müllhalde noch ein Schrottplatz«. Als alles Bitten nichts half, holte sich Hecht die gerichtliche Erlaubnis, den Hof räumen zu lassen. Für das Nebengebäude erteilte er dem Mieter Hausverbot.

Partys gefeiert

Die Zumutungen nahmen zu. Nachts habe der Mieter Partys gefeiert, er sei die Nachbarin angegangen, die das auf Nachfrage bestätigt. Die Wut wuchs, »ich werde dich fertig machen«, soll der Mieter zu Hermann Hecht gesagt haben, und: »Wir können das unter Männern regeln«. Über zehn Mal hat Hermann Hecht den Mieter angezeigt. Polizeihauptkommissar Willi Handke, Dienststellenleiter in Berchtesgaden, bestätigt auf schriftliche Nachfrage, dass es zu »mehreren Polizeieinsätzen« gekommen sei.

Hermann Hecht erhielt nun vermehrt E-Mails, Beleidigungen, Bedrohungen, versehen mit kurzen, geschmacklosen Videoclips. In einer E-Mail fordert der Mieter den Keller des Hauses als Kellerbar umbauen zu dürfen, die Doppelgarage zu entfernen, den Dachboden auszubauen, Hechts Autoanhänger auf den Mieter umschreiben zu lassen. »Er wollte verhandeln, wieso auch immer, forderte zudem über 30 000 Euro«, sagt der Vermieter. Alle Schreiben liegen mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft. Das Auto des Vermieters, der im selben Haus eine kleine Einliegerwohnung hat, sei eines Nachts mit grauem Lack beschmiert gewesen. »Seitdem kann ich nicht mehr an meinem eigenen Haus parken«, sagt der 56-Jährige, der mittlerweile Wildkameras installiert hatte, die auf Bewegung reagieren.

Hells Angels?

Der Mieter soll in einer Nacht- und Nebelaktion die Fenster des Hauses mit schwarzem Lack beschmiert, Kameras abmontiert, einige Scheiben des Hauses und des angrenzenden Schuppens eingeschlagen haben. Die Hauswand ist voll mit schwarzen Graffitis. An der Hauswand prangt der Schriftzug »81S«. Die 81 kommt oft im Zusammenhang mit den Hells Angels zur Verwendung. »Er drohte mir, dass er gute Verbindungen zu dieser Gruppierung habe«, sagt Hermann Hecht, der es zunehmend mit der Angst zu tun bekam. Briefkasten, Klingel und Bewegungsmelder wurden von der Hauswand montiert. Bei der Nachbarin verschwanden aus dem Dachboden elektronische Geräte. Bei einem Handwerksbetrieb nebenan wurde das Firmenschild großflächig schwarz lackiert. Die Polizei fahndete nach dem Täter. »Ich wusste mir nicht mehr zu helfen«, sagt Hermann Hecht. »Unzumutbare Zustände« seien es mittlerweile. Seit mehreren Monaten zahlt der Mieter keine Miete mehr. »Jeden Monat landen anstatt der vollen Miete 18 Cent auf meinem Konto«, sagt Hermann Hecht. Mit den Nerven sei er am Ende. Er hoffe, dass die Räumung so schnell als möglich vollzogen werden könne. Der Mieter hat angekündigt, nach Norwegen auszuwandern. Seit rund zwei Wochen ist er wie vom Erdboden verschwunden.

Kilian Pfeiffer

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