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»Das war zehn Jahre lang meine Heimat«, sagt Pater Kajetan zum Abschied. Seine Hände zeigen auf die Franziskanerkirche und das ihr angeschlossene Franziskanerkloster. (Foto: Ulli Kastner)

Der Franziskanerpater Kajetan Filipowicz verlässt nach zehn Jahren Berchtesgaden

Berchtesgaden – Dass er sich vor zehn Jahren nach seiner Ankunft in Berchtesgaden schwer getan hat, räumt Kajetan Filipowicz unumwunden ein. Umso enger ist allerdings bis heute die Verbindung des Franziskanerpaters mit den Einheimischen und der Landschaft geworden. »Ich habe hier meine Heimat gefunden«, sagt der 58-Jährige und sieht seinem Fortgang zum Ende des Monats mit schwerem Herzen entgegen. Er wird entweder seinem Bruder Pater Benno ins Kloster Bezau im Bregenzer Wald folgen oder nach Freystadt in der Oberpfalz wechseln.


Dass er einmal Priester werden würde, hätte sich Kajetan Filipowicz als junger Mann nie gedacht. »Ich habe zunächst ein ganz normales Leben geführt«, sagt der in einem kleinen polnischen Dorf an der Grenze zu Belarus Aufgewachsene. Er arbeitete in einem Glaswerk, dann in einem Betonwerk und ging schließlich zur Bundeswehr. Allerdings habe er damals schon viel über das Leben nachgedacht und den Wunsch in sich gespürt, irgendetwas Besonderes zu machen, erinnert er sich. Und weil er »viel glückliche Vorsehung erlebte«, Gott ihn »immer weitergeschoben« habe, holte Kajetan schließlich als Spätberufener das Abitur nach in dem Wunsch, später Priester zu werden. Schon bevor er schließlich das Studium der Philosophie und Theologie in Angriff nahm, trat er den Franziskanern bei, absolvierte in dem Orden sein Postulat und sein Noviziat.

Die ersten fünf Jahre als junger Pater verbrachte Kajetan in der oberschlesischen Stadt Rybnik. »Ich weiß nicht warum, aber schon damals wollte ich immer in die Berge«, erinnert er sich. Er hörte damals zum ersten Mal vom Franziskanerkloster in Berchtesgaden, konnte mit dem Namen aber nichts anfangen. Die Berge mussten ohnehin noch ein wenig auf den Priester warten, denn für ihn ging es erst einmal für ein Jahr ins hessische Bensheim, dann weitere zwei Jahre nach Maria Lankowitz in der Steiermark und ein weiteres Jahr ins Burgenland.

Erst Abstand und Kälte, dann großes Vertrauen

Dann endlich durfte Pater Kajetan in die Berge. Im Juli 2012 kam er ins Franziskanerkloster nach Berchtesgaden und war schon nach kurzer Zeit ziemlich geschockt. »Was hast du nur gemacht?«, fragte er sich selbst, denn die Einheimischen erlebte er so komplett anders als die Menschen anderswo. Der so offenherzige Priester stieß in der ersten Zeit auf Abstand und Kälte.

Das änderte sich aber schnell, als der Priester zum ersten Mal an der Almer Wallfahrt teilnahm. Hier war es einfacher, mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen und Vertrauen aufzubauen. Dass er auf diese Wallfahrt dennoch mit gemischten Gefühlen zurückblickt, hat einen anderen Grund. Denn mit der Fitness des Paters war es damals noch nicht weit her. Mit letzter Kraft schleppte er sich hinunter zum Königssee, wo er am Rande des Eisbachs erst einmal vier Stunden schlafen musste. Als er erwachte, waren die anderen Wallfahrer längst weg. Und Kajetan wusste, dass er an seiner Kondition arbeiten musste.

Aus dem »dicken Pater« wurde der »fitte Kajetan«

Schließlich hatte es ihn von Anfang an geärgert, dass er von manchen Einheimischen als »dicker Pater« betrachtet wurde. »Euch werde ich es zeigen«, dachte er sich damals und nahm sich vor, mehr für seinen Körper zu tun. Nach und nach gelang das auch, Pater Kajetan war fortan regelmäßig in den Bergen unterwegs, zelebrierte Almmessen und suchte in den Bergen das Gespräch mit den Menschen. Von vielen wurde das sehr geschätzt, doch Kajetan weiß genauso gut, dass es auch Neider gab, die glaubten, sein Leben bestünde nur aus Bergsteigen, Festefeiern und Biertrinken.

Die Almer Wallfahrt jedenfalls gehörte für Pater Kajetan fortan zu den Pflichtterminen des Jahres. Um viele Kilo leichter geworden, waren für ihn dann auch die konditionellen Hürden leicht zu überwinden. Und weil ihm die Wallfahrt immer so viel Freude bereitete, suchte er als Pilger auch größere Herausforderungen. Jahr für Jahr wanderte er schließlich Hunderte von Kilometern auf dem Jakobsweg, immer auf der Suche nach innerer Einkehr und netten Menschen.

»Die Offenheit ist meine Stärke«

»Die Offenheit ist ja meine Stärke«, sagt der 58-Jährige. Das akzeptierten schließlich auch die Berchtesgadener und so war Pater Kajetan nach circa vier Jahren endlich ganz in Berchtesgaden angekommen. »Ich wurde hier schließlich richtig gut aufgenommen, habe hier meine Heimat gefunden«, freut sich Pater Kajetan, der im Laufe der Jahre als Kaplan in Unterstein, in Ramsau und schließlich im Pfarrverband Ramsau-Unterstein eingesetzt war.

Natürlich war ihm klar, dass er nicht auf ewig in seiner neuen Heimat würde bleiben können. Der Schock war dennoch groß, als er im Juni erfuhr, dass er zum Beginn des Novembers versetzt werden würde. Angeblich hatte es auch Beschwerden gegeben wegen seiner Aussprache, die nicht immer für alle gut verständlich ist. Kajetan weiß es nicht genau, akzeptieren kann er es jedenfalls nicht: »Das ist doch nur ein kleines Problem. Wichtig ist, dass man offen ist gegenüber anderen Menschen.« Trotz des Gegenwinds, den es in Berchtesgaden auch gelegentlich gab, ist Pater Kajetan traurig über seine Versetzung. »Ich habe mich hier wie zu Hause gefühlt«, sagt er.

Vor allem weiß der Priester bis heute nicht genau, wo er letztendlich landen wird. Fest steht nur, dass er am 2. November ein Vorstellungsgespräch in der Diözese Feldkirch in Vorarlberg hat. Dort wird sich entscheiden, ob Kajetan seinem Bruder Benno ins Kloster Bezau im Bregenzer Wald folgen wird oder nach Freystadt in der Oberpfalz gehen wird. Lieber wäre ihm schon das Kloster Bezau, räumt er ein.

So schwer Pater Kajetan der Abschied aus Berchtesgaden auch fällt: Der 58-Jährige will positiv nach vorne blicken und die neue Herausforderung mit viel Optimismus annehmen.

Das wird ihn allerdings nicht davon abhalten, in gewissen Abständen wieder nach Berchtesgaden zu kommen, um seine mittlerweile doch beachtliche Zahl an Freunden zu besuchen. Und der letzte Samstag im August ist ohnehin bereits im Terminkalender reserviert: Da gibt es wieder die Almer Wallfahrt.

Ulli Kastner

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